Intel: Langsam schließt sich die Smartphone-Lücke

Freitag, 7. Oktober 2011 13:13
Intel

(IT-Times) - Intel ist seit jeher einer der ganz Großen der Tech-Branche. Der Wettbewerber AMD konnte stets auf Distanz gehalten werden und auch im Segment für Mobilfunkchips, in dem sich Unternehmen wie Broadcom und Qualcomm hervor tun, wird Intel nun stärker mitmischen als bislang. So steckt ein Android-Phone mit Intel-Chip in der Pipeline und auch in Sachen Ultrabooks wird man von Intel einiges erwarten können. Hinzu kommt, dass die Kriegskasse nach all den Jahren seriösen Wirtschaftens gut gefüllt ist und das Unternehmen seine Position durch gezielte Übernahmen weiter stärken kann.

Investments in China

Erst im August hatte Intel (Nasdaq: INTC, WKN: 855681) 22 Mio. US-Dollar in drei chinesische Firmen investiert. Sie stammen allesamt aus unterschiedlichen Segmenten. Es handelst sich hierbei um den Online-Händler 6DXchange, den TV-Hersteller Beijing JoySee Technology Co und den Überwachungsspezialisten Beijing JoySee Technology Co. Damit hat Intel über die Gesellschaft Intel Capital in 2011 bereits 45 Mio. US-Dollar in insgesamt sechs chinesische Unternehmen investiert.

Investitionen in neue Produkte

Wer Anfang des nächsten Jahres ein leichtes, dünnes, aber dennoch leistungsstarkes und zudem noch erschwingliches Notebook kaufen will, hat die Qual der Wahl. Dies sind die typischen Merkmale der neuen Ultrabooks, die Asustek, HP, Toshiba, Lenovo und die Acer Inc. relativ zeitgleich auf den Markt bringen werden.

Getrieben wird dieser Markt maßgeblich durch Intel. Über seinen Kapitalarm Intel Capital hat der Chiphersteller einen 300 Mio. US-Dollar schweren Fund aufgelegt, um die Entwicklung dieser sogenannten Ultrabooks voranzutreiben. Das Geld soll in den nächsten drei bis vier Jahren in Unternehmen fließen, die Ultrabooks oder Produkte rund die ultradünnen Laptops entwickeln. Bei den Ultrabooks handelt es sich um superdünne und ultraleichte Laptops, die auf einer Intel-Plattform laufen. Ein Ultrabook nutzt in der Regel einen SSD-Speicher bzw. -Laufwerk oder -Caching. In einem Ultrabook kommt Intels Identity Protection Sicherheitstechnik zum Einsatz, die im Sandy Bridge Prozessor verankert ist. Ein Ultrabook ist zudem preislich unter 999 US-Dollar angesiedelt. Intel will vor allem in solche Firmen investieren, die an Technologien wie Sensoren und Touchscreen-bezogene Hardware- und Softwarelösungen arbeiten, welche dabei helfen, Ultrabooks zu erweitern.

Intels Sorgenkinder: IvyBridge und MeeGo

Bei der Entwicklung der Chipplattform Ivy Bridge läuft auch bei Intel nicht alles rund. Ivy Bridge sollte Ende dieses Jahres auf den Markt kommen, der Start wurde nun auf März 2012 verschoben. In diesem Kontext hat Intel auch die Pläne für die Aufrüstung einer 22-Nanometer-Fabrik Fab 24 verschoben. Für die Modernisierung der Fabrik war ein Budget von 500 Mio. Dollar vorgesehen. Der Ivy Bridge Prozessor sollte im Rahmen der 22-Nanometer-Fertigungstechnik produziert werden. Allgemein wird erwartet, dass diese Prozessoren einmal mehr eine bahnbrechende Entwicklung von Intel darstellen. Intel selbst hält sich bedeckt und möchte sich nicht zu den Spekulationen äußern, warum die Markteinführung erst für das kommende Frühjahr zu erwarten ist.

Andere Baustelle, ähnliche Sorgen: Auch Intel arbeitet an einem mobilen Betriebssystem. Dieses nennt sich MeeGo und geriet jüngst in die Schlagzeilen, weil Gerüchte aufkamen, dass Intel die Weiterentwicklung gestoppt habe. Intel selbst möchte davon allerdings nichts wissen. Man stehe weiterhin hinter MeeGo. Allerdings äußerte man sich auch nicht zu den Gerüchten, dass Samsung an MeeGo interessiert sein dürfte - ein Interesse dass durchaus nachvollziehbar wäre. Seitens Intel heißt es dazu: Man sei offen für andere Firmen, die sich an der Weiterentwicklung der Mobile-Plattform beteiligen wollen.

Ursprünglich hatte man MeeGo gemeinsam mit Nokia entwickeln wollen. Allerdings verabschiedete sich der finnische Mobiltelefonhersteller im Februar aus dem Projekt, um sich verstärkt auf Windows Phone Smartphones zu konzentrieren. Damit wurde bereits damals über das bevorstehende Ende von MeeGo spekuliert, da bislang keine größeren Hersteller Produkte mit dem Intel-Betriebssystem auf den Markt bringen wollen.

Intel entwickelt Chipsatz für Android-Smartphones

Intel setzt indes nicht allein auf das eigene Betriebssystem. Vermutlich tut das Unternehmen gut daran, sich auch an den Größten der Branche zu binden. Und so darf man davon ausgehen, dass in der ersten Hälfte des kommenden Jahres das erste Android-Smartphone auf dem Markt kommen wird, das über einen Intel-Chipsatz verfügt.

Dieser hat den Codenamen Medfield und basiert auf Intels Computer-Architektur. Einen ersten Prototypen des Medfield-Android-Phones gibt es auch schon: Er verfügt über ein 4-Zoll Touch-Display, und die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Google auch als Hersteller des Smartphones auftritt, nachdem der Suchmaschinengigant für 12,5 Mrd. Dollar den Mobiltelefonhersteller Motorola Mobility aufgekauft hat.

Kurzportrait

Der Halbleitergigant Intel, ansässig in der kalifornischen Technologieschmiede Santa Clara, stieg in den 80er und 90er durch sein Bündnis mit dem Softwarehersteller Microsoft zum weltweit führenden Prozessorhersteller auf. Das Unternehmen rüstet dabei mehr Personalcomputer mit Prozessoren aus, als jeder andere Hersteller auf der Welt. Insgesamt wird Intel ein Marktanteil von rund 80 Prozent im Bereich PC-Chips zugeschrieben.

Neben Prozessoren entwickelt das Unternehmen aber auch Flashspeicher. Ferner bietet der Halbleiterhersteller auch andere Mikrochips an, welche im Zusammenhang mit Netzwerken und industriellen Anwendungen eingesetzt werden. Insgesamt operiert Intel heute aus neun Geschäftssegmenten heraus: PC Client Group, Data Center Group, Embedded and Communications Group, Digital Home Group, Ultra-Mobility Group, NAND Solutions Group, Wind River Software Group, Software and Services Group und Digital Health Group. Der größte Geschäftsbereich ist die PC Client Group, in der das Geschäft mit Desktop- und Netbook-Chips zusammengefasst ist. Der Geschäftsbereich beinhaltet unter anderem das Geschäft mit Core i7-, Core i5- und Core i3-Prozessoren.

Der US-Computerhersteller Dell gehört mit zu den größten Kunden des Halbleitergiganten. Neben dem Kerngeschäft hält das Unternehmen auch zahlreiche Beteiligungen an anderen Technologieunternehmen. Im Jahr 2001 übernahm Intel den Modemspezialisten Xircom. Das Unternehmen ist inzwischen ein Teil von Intels Netzwerkaktivitäten und entwickelt neben Modemkarten für PCs auch Schnittstellen für drahtlose Übertragungstechniken.

Im Oktober 2000 kaufte Intel den US-Spezialisten Ziatech auf. Im Jahr 2003 beteiligte sich Intel an Japans DRAM-Hersteller Elpida. Gleichzeitig übernahm Intel den Spezialisten für optische Netzwerke West Bay Semiconductor. Im Jahr 2006 verkaufte Intel sein Media- und Signaling-Geschäft an Eicon Networks, gleichzeitig trennte man sich vom Mobilfunk- und Anwendungsprozessorgeschäft und gab diesen Bereich an Marvel ab. Auch die RFID-Einheit verkaufte Intel an den Spezialisten Impinj. Im Herbst 2008 verstärkte sich Intel durch die Übernahme des Ethernet-Spezialisten NetEffect sowie durch den Linux-Spezialisten OpenedHand. Gleichzeitig trennte sich Intel von seinem Geschäftsbereich Communication Rackmount Server. Im Mai 2009 stieg Intel mit fünf Prozent beim Halbleiterausrüster ASM International ein. Mitte 2009 schluckte Intel den Softwarespezialisten Wind River. Zudem übernahm Intel die Mobilfunkchipsparte des Münchner Halbleiterkonzerns Infineon. Ende 2010 verstärkte sich Intel durch die Übernahme des Startup-Spezialisten CognoVision. Durch den Zukauf des Mobilfunkgeschäfts von Infineon stärkte Intel in 2011 das Geschäft mit Mobilfunkchips.

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