Infosys setzt auf Transparenz und Zukäufe

Mittwoch, 14. Januar 2009 12:54
Infosys Unternehmenslogo

(IT-Times) Nachdem Bilanzskandal rund um Indiens IT-Spezialisten Satyam, stand am Vortag Indiens zweitgrößter IT-Spezialist Infosys Technologies (Nasdaq: INFY, WKN: 919668) im Mittelpunkt. Das Unternehmen konnte trotz der allgemein schwachen Wirtschaftslage die Gewinnerwartungen übertreffen, nachdem Firmen nach wie vor Geschäftsaufgaben in Niedriglohnländer wie Indien auslagern.

Doch durch den Bilanzskandal durch Satyam hat sich ein dunkler Schatten über die indische IT-Wirtschaft gelegt. Infosys bemüht sich naturgemäß, die Situation zu beschwichtigen. Bisher habe man noch keine Ausfälle durch den Bilanzbetrug bei Satyam festgestellt. Kunden hätten bislang noch keine Outsourcing-Projekte gestrichen, jedoch würde die schwache Wirtschaftslage Entscheidungsprozesse verzögern, räumt Infosys Chief Operating Officer (COO) S.D. Shibulal ein.

Gegenüber der indischen Economic Times gibt Infosys aber bereits Konsequenzen aus dem Fall Satyam zu. Infosys-Chef S Gopalakrishnan will künftig seine Bilanzen und Bankkonten nicht nur gegenüber Investoren, sondern auch gegenüber Kunden offenlegen. Man werde auch künftig Standards in Sachen Corporate Governance setzen, verspricht der Infosys-Manager.

Infosys will weiter einstellen und zukaufen
Daneben will Infosys nicht direkt Kapital aus dem Dilemma seines Konkurrenten Satyam schlagen. Man werde weder Mitarbeiter, noch Kunden gezielt abwerben, heißt es bei Infosys. Dennoch will das Unternehmen trotz der Wirtschaftskrise auch im laufenden Jahr weiter neue Mitarbeiter einstellen. Bis März dieses Jahres sollen rund 27.000 IT-Profis die bisherige Belegschaft verstärken. Ursprünglich wollte Infosys nur 25.000 IT-Spezialisten anheuern. Die Toleranz für Fehler von Mitarbeitern werde aber weiter sinken, so Infosys HR-Chef Mohandas Pai.

Daneben zeigte sich Infosys-Chef Gopalakrishnan offen für weitere Zukäufe, nachdem das Unternehmen im August vergangenen Jahres den britischen IT-Spezialisten Axon für rund 750 Mio. Dollar geschluckt hatte. Das Unternehmen sitzt nach wie vor auf Barreserven von knapp zwei Mrd. Dollar, eine gut gefüllte Kriegskasse. Ideale Voraussetzungen für größere Zukäufe, zumal die Firmenbewertungen im Zuge der Wirtschaftskrise gesunken sind.

Gopalakrishnan stellt aber auch klar, dass man zwar offen für Zukäufe sei, es aber feindliche Übernahmen mit Infosys nicht geben werde. Man habe ein Team abgestellt, welches nach entsprechenden Zielen Ausschau halten soll. Ein bis zwei Unternehmen habe man bereits ins Auge gefasst, so der Infosys-Chef, ohne natürlich Namen nennen zu wollen.

Interessant seien das SAP-Beratungsgeschäft, sowie geografisch motivierte Akquisitionen wie zuletzt in Australien, so Gopalakrishnan. Derzeit halte man nach geeigneten Kandidaten auch in Deutschland, Frankreich und in Japan Ausschau. In diesen Ländern will Infosys sein Wachstum weiter forcieren, so Gopalakrishnan gegenüber der indischen Economic Times.

Eine Erholung bei den IT-Ausgaben erwartet Gopalakrishnan dagegen erst Ende 2009 bzw. Anfang 2010. Der prozentuale Anteil der ausgelagerten Geschäftsbereiche werde jedoch - trotz oder gerade wegen der Krise - weiter steigen, ist sich der Infosys-Chef sicher…

Kurzportrait

Der im Jahre 1981 gegründete und im indischen Bangalore ansässige IT-Servicedienstleister Infosys Technologies bietet eine breite Produktpalette an Outsourcing- und Software-Services an. IT-Beratung (Infosys Consulting), Software-Engeneering, Implementierung und das Programmieren ganzer Anwendungen im Kundenauftrag gehören zum Produktportfolio des indischen IT-Servicespezialisten. Auch BPO-Services werden über die Einheit Infosys BPO angeboten.

Um die Projekte und die professionelle Betreuung seiner Firmenkunden sicherstellen zu können, betreibt Infosys nicht nur eine Reihe von Entwicklungszentren in Indien, sondern auch im Ausland. So ist das Unternehmen mit sechs Entwicklungszentren in den USA, sowie zwei weiteren Entwicklungszentren in England, drei in Australien und mit einem Entwicklungszentrum in Japan präsent. Auch in China will Infosys sein Personal deutlich aufstocken. Gleichzeitig betreibt Infosys noch weitere 19 Offshore-Entwicklungszentren, davon 18 in indischen Städten und eines in Toronto.

Seine IT-Servicedienstleistungen erbringt Infosys unter anderem auch über seine Tochterfirmen Progeon Limited, Infosys Technologies Australia, Infosys China und seit 2004 auch in den USA über die Tochter Infosys Consulting. Im Frühjahr 2006 kaufte Infosys die restlichen Anteile an der Tochter Progeon f von der Citicorp. Mit der Tochter Infosys Technologies S. De RL De CV ist InfoSys seit 2007 auch in Mexiko präsent. Mitte 2007 übernahm man zudem die Einheit Philips Services Delivery Center und die zugehörigen Niederlassungen in Indien, Polen und Thailand. Im August 2008 verstärkte man sich durch die Übernahme des britischen IT-Spezialisten Axon.

Darüber hinaus entwickelt Infosys insbesondere Software-Produkte für die Finanzwirtschaft. Die Produkte FinacleCore Banking, Finacle eChannels, Finacle eCorporate, Finacle CRM und Finacle Treasury sind vollständig Web-basiert und zielgerichtet auf die Bedürfnisse der Banken zugeschnitten. Infosys gilt dann auch als eines der am schnellsten wachsenden Unternehmen im US-Finanzservicemarkt.

Zu den Kunden des IT-Dienstleisters zählen unter anderem Industriegrößen wie Bank of America, Boeing, Cisco Systems, Goldman Sachs, Dell oder Toshiba. Den Großteil seiner Umsätze erzielt Infosys in Nordamerika. In Europa wurden zuletzt mehr als 25 Prozent des Gesamtumsatzes erwirtschaftet. Der Bereich Financial-Services trug zuletzt mehr als 35 Prozent zu den Gesamteinnahmen bei.

Zahlen

Im dritten Quartal 2008 lag der Umsatz bei Infosys bei 1,17 Mrd. US-Dollar nach 1,08 Mrd. Dollar im Vorjahreszeitraum. Der Bruttogewinn erhöhte sich von 455 Mio. Dollar in 2007 auf nunmehr 510 Mio. Dollar. Es wurden 373 Mio. Dollar an operativen Gewinn erzielt (2007: 314 Mio. Dollar). Auch der Nettogewinn legte zu und summierte sich nach 312 Mio. Dollar im Vorjahr auf nunmehr 332 Mio. Dollar.

Meldung gespeichert unter: Infosys

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