Infosys: Krise in Europa erreicht IT-Industrie

Outsourcing

Freitag, 13. Juli 2012 13:46
Infosys Unternehmenslogo

(IT-Times) - Die Wirtschaftsflaute in Europa hat nunmehr auch Indiens zweitgrößten IT-Softwareexporteur Infosys erreicht. Infosys-Aktien brachen am Vortag um über zehn Prozent ein, nachdem das Unternehmen für das laufende Fiskaljahr 2013 nur ein Umsatzwachstum von fünf Prozent in Aussicht stellt.

Große IT-Deals verschwinden von der Bildfläche
Zuvor war Infosys (Nasdaq: INFY, WKN: 919668) noch von einem Wachstum von acht bis zehn Prozent auf Dollar-Basis ausgegangen. Zwar hatte Infosys ein gutes Quartal hinter sich gebracht und nach Angaben von Infosys CEO S.D. Shibulal 51 neue Firmenkunden gewinnen können. Zwar lagern Firmen immer noch IT-Augaben an Outsourcer wie Infosys aus, doch die großen Deals über eine Mrd. US-Dollar sind mehr oder weniger gänzlich von der Bildfläche verschwunden, wie Shibulal im Rahmen des Conference Calls.

Hintergrund ist die Unsicherheit der Kunden im Hinblick auf die weitere gesamtwirtschaftliche Entwicklung. Die Schuldenkrise in Europa und ein langsameres Wachstum in China tun ihr übriges, um Firmen zum Überdenken von Investitionsentscheidungen zu bewegen. Neue Aufträge werden erst einmal aufgeschoben, bis die Klarheit über die weitere wirtschaftliche Entwicklung herrscht.

Großteil des Umsatzes kommt aus der Finanzserviceindustrie
Für Infosys ist die Lage besonders prekär, ist das Unternehmen vor allem von Firmen in der Finanzwirtschaft wie JPMorgan, Bank of America and UBS abhängig, die zu den größten Kunden des Unternehmens zählen. Laut Shibulal erwirtschaftet das Unternehmen etwa 65 Prozent seiner gesamten Einnahmen aus der Beratungs- Systemintegrations- und Finanz-Serviceindustrie.

Hinzu kommt die langsame aber stete Aufwertung der Rupie gegenüber dem US-Dollar. Infosys erzielt etwa drei Viertel seiner Einnahmen in den USA und Europa, während die Kosten in indischen Rupien anfallen. Im jüngsten Quartal hatte Infosys 9.236 Mitarbeiter eingestellt, abzüglich der Fluktuation blieben unter dem Strich 1.157 neue Mitarbeiter im Unternehmen.

Infosys will trotz Flaute 35.000 neue Mitarbeiter einstellen
Um die talentierten IT-Kräfte zu behalten, hatte Infosys 4.000 Mitarbeiter im jüngsten Quartal befördert, womit sich die Zahl der gesamten Beförderungen in diesem Jahr auf 20.000 summiert. Im laufenden Fiskaljahr 2013 will Infosys weiter 35.000 Mitarbeiter neu einstellen, so die Times of India. Damit dürften die Kosten für Infosys weiter steigen, wenn das Unternehmen diese Kostensteigerungen nicht an die Kunden weitergeben kann. Baird-Analyst David Koning rät Anlegern daher, trotz des sehr niedrigen Kursniveaus vom einem Einstieg ab. Koning fürchtet weitere Marktanteilsverluste für Infosys in den nächsten Quartalen.

Kurzportrait

Der im Jahre 1981 gegründete und im indischen Bangalore ansässige IT-Servicedienstleister Infosys Technologies bietet eine breite Produktpalette an Outsourcing- und Software-Services an. IT-Beratung (Infosys Consulting), Software-Engeneering, Implementierung und das Programmieren ganzer Anwendungen im Kundenauftrag gehören zum Produktportfolio des indischen IT-Servicespezialisten. Auch Business Process Outsourcing Services werden über die Einheit Infosys BPO angeboten.

Um die Projekte und die professionelle Betreuung seiner Firmenkunden sicherstellen zu können, betreibt Infosys nicht nur eine Reihe von Entwicklungszentren in Indien, sondern auch im Ausland. So ist das Unternehmen mit sechs Entwicklungszentren in den USA, sowie zwei weiteren Entwicklungszentren in England, drei in Australien und mit einem Entwicklungszentrum in Japan präsent. Gleichzeitig betreibt Infosys noch weitere 19 Offshore-Entwicklungszentren, davon 18 in indischen Städten und eines in Toronto.

Seine IT-Servicedienstleistungen erbringt Infosys unter anderem auch über seine Tochterfirmen Progeon Limited, Infosys Technologies Australia, Infosys China und seit 2004 auch in den USA über die Tochter Infosys Consulting. Im Frühjahr 2006 kaufte Infosys die restlichen Anteile an der Tochter Progeon von der Citicorp. Mit der Tochter Infosys Technologies S. De RL De CV ist Infosys seit 2007 auch in Mexiko präsent. Mitte 2007 übernahm man zudem die Einheit Philips Services Delivery Center und die zugehörigen Niederlassungen in Indien, Polen und Thailand. Im August 2008 verstärkte man sich durch die Übernahme des britischen IT-Spezialisten Axon, nachdem man zuvor die australische Mainstream Software Pty Limited übernahm. In 2009 rief Infoys die Beratertochter Infosys Consulting India Limited ins Leben. Gleichzeitig wurde die Einheit Infosys Public Services geschaffen. Im Jahr 2010 löste Infosys seine Back-Office Aktivitäten in Bangkok auf. Anfang 2012 verstärkte sich Infosys BPO durch die Übernahme von Portland Group Pty.

Darüber hinaus entwickelt Infosys insbesondere Software-Produkte für die Finanzwirtschaft. Die Produkte FinacleCore Banking, Finacle eChannels, Finacle eCorporate, Finacle CRM und Finacle Treasury sind vollständig Web-basiert und zielgerichtet auf die Bedürfnisse der Banken zugeschnitten.

Zu den mehr als 550 Großkunden des IT-Dienstleisters zählen unter anderem Industriegrößen wie British Telecom, Bank of America, Boeing, Cisco Systems, Goldman Sachs, JPMorgan, UBS, Dell oder Toshiba. Den Großteil seiner Umsätze (65 Prozent) erzielt Infosys in Nordamerika. In Europa wurden zuletzt mehr als 20 Prozent des Gesamtumsatzes erwirtschaftet. Der Bereich Financial-Services trug zuletzt mehr als 35 Prozent zu den Gesamteinnahmen bei.

Zahlen

Im ersten Fiskalquartal 2013 hat der IT-Dienstleister einen Umsatz von 1,75 Mrd. US-Dollar erwirtschaftet und übertraf damit den Vorjahreswert um 4,8 Prozent. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) stieg um 7,9 Prozent auf 576 Mio. Dollar. Das Nettoergebnis von Infosys belief sich auf 416 Mio. Dollar. Dies entspricht einer Zunahme um 8,3 Prozent. Das Ergebnis je Aktie lag nach einer neun-prozentigen Steigerung bei 0,73 Dollar.

Meldung gespeichert unter: Infosys

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