Infineon vor neuer Ära - Verkauf der Mobilfunksparte rückt näher

Mittwoch, 16. Juni 2010 12:42
Infineon Technologies Unternehmenslogo

(IT-Times) - Der Münchner Chipkonzern Infineon Technologies (WKN: 623100) denkt offenbar ernsthaft über den Verkauf seiner Mobilfunksparte nach. Nach diversen Medienberichten zufolge, soll Infineon bereits einen Datenraum für potentielle Investoren eingerichtet haben, die sich über die zum Verkauf stehende Sparte informieren wollen.

Infineons Wireless Solutions Sparte gilt als attraktiv, beliefert das Unternehmen Kunden wie Apple, Microsoft und Sony. Insbesondere im neuen Tablet PC iPad und im neuen iPhone 4 dürften Infineon-Chips zum Einsatz kommen. Das Segment verspricht in den nächsten Jahren lukrative Wachstumschancen, nachdem das Smartphone-Geschäft boomt. Umso unverständlicher erscheinen auf den ersten Blick die Verkaufsabsichten von Infineon.

Mobilfunksparte erzielt nur geringe Margen
Die entsprechende Infineon-Sparte erzielte im abgelaufenen Fiskaljahr bis Ende März 2010 einen Umsatz von 1,05 Mrd. Euro. Dabei konnte die Einheit einen Gewinn von 63 Mio. Euro einfahren. Zwar dürfte die Mobilfunk-Division auch in diesem Jahr kräftig zulegen, die Gewinnmarge dürfte allerdings weiter im Keller bleiben. Zuletzt verharrte diese bei rund 3,4 Prozent, kein Vergleich zu den Margen, die Infineon im Geschäftsbereich Automotive erzielt (16,4 Prozent). Auch im Geschäftsbereich Industrial & Multimarket liegen die Margen mit 18,7 Prozent deutlich höher.

Da immer mehr Konkurrenten wie Broadcom, Marvell Technology und MediaTek spezielle Chips für Smartphones entwickeln, dürfte sich der Wettbewerb in diesem Bereich sogar noch intensivieren. Um der Entwicklung sinkender Preise und Margen aus dem Weg zu gehen, will sich Infineon offenbar von dem Geschäft trennen, solange sich noch akzeptable Preise für Smartphone-Chips erzielen lassen.

Intel, Marvell und Broadcom als Käufer gehandelt
Als möglichen Kaufinteressenten für die Infineon-Sparte sehen Analysten daher den weltgrößten Halbleiterkonzern Intel. Intel ist zwar bereits mit dem Atom-Prozessor im Mobile-Segment vertreten, kann aber im Smartphone-Segment bislang keine nennenswerten Erfolge vorweisen. Anders dagegen die beiden Konkurrenten Broadcom und Marvell Technology, die bereits erfolgreich in diesem Markt vertreten sind.

So kommen Marvell-Chips unter anderem in BlackBerry-Smartphones von Research In Motion zum Einsatz. Barclays Capital Analyst Tim Luke sieht daher Marvell und Broadcom ebenfalls als mögliche Kaufinteressenten für die Infineon-Sparte. Sollte sich ein Bieterwettstreit ergeben, könnte Infineon für seine Mobilfunksparte mehr als 1,3 Mrd. US-Dollar erlösen, glauben Analysten und Marktbeobachter.

Ein möglicher Verkauf würde nicht nur frische Mittel in die Infineon-Kasse spülen, sondern auch wichtige Investitionen in neue Zukunftsbranchen ermöglichen. So ist Infineon zwar heute schon der größte Chip-Zulieferer für die Automobilindustrie, doch die Branche befindet sich im Wandel. Die Zukunft gehört den Elektrofahrzeugen, wodurch auch die Halbleiterzulieferer gefordert sind, neue branchenspezifische Lösungen zu entwickeln…

Kurzportrait

Die in München ansässige Halbleiterhersteller Infineon Technologies wurde im Jahre 1999 aus der Siemens-Unternehmensfamilie ausgegliedert. Der Geschäftsbereich rund um Dynamic Random Access Memorys (DRAMs) wurde in der Speichereinheit Qimonda zusammengefasst, die inzwischen ausgegliedert wurde. Qimonda musste im Januar 2009 allerdings einen Insolvenzantrag stellen.

Daneben entwickelt Infineon aber auch Sensoren, Microcontroller und Integrated Circuits (ICs) für den Unterhaltungselektronikbereich. Nach der Abspaltung von Qimonda will sich Infineon vor allem auf drei Bereiche konzentrieren: Energieeffizienz, Kommunikation und Sicherheit.

Mit seiner Produktpalette visiert das Unternehmen sowohl die Automobil- als auch die Elektronikindustrie an. Infineon agiert dabei nicht nur in Europa, sondern auch in Nordamerika, Asien und Japan. Im Jahr 2002 übernahm Infineon bereits für rund 400 Mio. Euro das Kerngeschäft von Ericsson Microelectronics. Im Jahr 2007 kaufte Infineon das Mobility-Geschäft des US-Chipspezialisten LSI. Zugleich wurden die DSL CPE Aktivitäten von Texas Instruments übernommen. Im Jahr 2008 kaufte Infineon den Power-Management-Spezialisten Primarion. Mitte 2009 gründete Infineon gemeinsam mit LS Industrial Systems das Joint Venture LS Power Semitech Co. Ltd, an welchem Infineon 46 Prozent der Anteile hält. Weitere Tochterfirmen sind unter anderem die Comneon GmbH (mobile Kommunikationstechniken), sowie Danube Integrated Circuit Engineering GmbH & Co. KG, an der Infineon zuletzt mehr als 50 Prozent der Anteile hielt und die Infineon Technologies IT Services GmbH. Gemeinsam mit Siemens betreibt Infineon die Infineon Technologies Bipolar GmbH, an der Infineon mit 60 Prozent die Mehrheit hält.

Die ehemalige Konzernmutter Siemens ist nach wie vor einer der größten Kunden Infineons. Weitere Großkunden sind Nokia, Apple, Bosch, Schlumberger, Samsung, LG Electronics, Motorola, Scientific-Atlanta und Sony. Auch der Redmonder Softwarekonzern Microsoft gehört zum Kundenkreis des Unternehmens. In der Spielkonsole Xbox 360 finden sich gleich mehrere Chipsätze der Münchner. Auch beim iPhone aus dem Hause Apple ist Infineon als Zulieferer mit an Bord.

Zahlen

Für das zweite Fiskalquartal 2010 meldet Infineon einen Quartalsumsatz von 1,03 Mrd. Euro, nach 747 Mio. Euro im Vorjahr, ein Zuwachs von 55 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Meldung gespeichert unter: Infineon Technologies

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