Infineon erleidet Rückschlag

Montag, 11. Februar 2008 13:24
Infineon Technologies Unternehmenslogo

(IT-Times) Nachdem sich der Halbleiterspezialist Infineon Technologies AG (NYSE: IFX, WKN: 623100) Ende 2007 noch zuversichtlich gab, die Währungsturbulenzen und andere Herausforderungen erfolgreich meistern zu können, haben die Restrukturierungsbemühungen des Münchner Halbleiterkonzerns einen herben Rückschlag erhalten.

Problemkind Qimonda
Ein Teil des Problems sind sicherlich die anhaltenden Verluste bei der Speichertochter Qimonda. Zwar beteuert Infineon immer wieder, seinen Anteil von zuletzt 77,5 Prozent bis Ende 2009 auf unter 50 Prozent reduzieren zu wollen, doch nachdem sich die Situation bei Qimonda zuletzt weiter verschlechterte, dürfte es Infineon zunehmend schwerer fallen, einen Abnehmer für seine Qimonda-Anteile zu finden, zumal Analysten frühestens im zweiten Halbjahr 2008 mit einer Erholung der DRAM-Preise kalkulieren. Zuletzt sorgten Überkapazitäten am DRAM-Markt für einen rasanten Preisverfall, der sich zumindest im ersten Halbjahr weiter fortsetzen könnte.

Neben den Problemen bei der Speichertochter Qimonda hat sich auch die Situation in der Kommunikationssparte deutlich eingetrübt. Die Münchner konnten zwar ihren Umsatz in diesen Bereich zuletzt um 51 Prozent auf 356 Mio. Dollar steigern, allerdings spielte hier die Übernahme des DSL-Chipgeschäfts von Texas Instruments sowie die Akquisition des Mobilfunkchipgeschäfts von LSI eine tragende Rolle.

Kommunikationssparte schwächelt

Doch für das laufende Quartal rechnet Infineon mit einem Umsatzrückgang in der Kommunikationssparte, nachdem einige Mobilfunkkunden weniger Chips bestellten. Infineon gelang es bislang nicht, die BenQ-Pleite nachhaltig durch neue Kunden aufzufangen. Zwar sind Samsung und Motorola Kunden von Infineon, doch insbesondere Motorola musste zuletzt eine rapide Erosion seiner Marktanteile hinnehmen. Gleichzeitig rechnet Motorola kurzfristig mit weiteren Marktanteilsverlusten und lotet derzeit aus, ob die defizitäre Handy-Sparte nicht gänzlich verkauft werden kann.

Zwar soll die Kommunikationssparte im dritten Fiskalquartal 2008 wieder in die Gewinnzone zurückkehren, doch sollte die US-Wirtschaft tatsächlich in die Rezession rutschen, dürfte auch dieses Ziel in Gefahr sein, zumal die Marktbeobachter des Hauses iSuppli auch für den chinesischen Mobilfunkmarkt mit einer drastischen Verlangsamung der Wachstumsraten rechnen. Wuchsen die Handy-Auslieferungen in 2007 noch um 76,2 Prozent, erwarten die iSuppli-Analysten für das laufende Jahr 2008 nur noch ein Absatzwachstum von 19,7 Prozent…

Kurzportrait

Die in München ansässige Halbleiterhersteller Infineon Technologies wurde im Jahre 1999 aus der Siemens-Unternehmensfamilie ausgegliedert. Der Geschäftsbereich rund um Dynamic Random Access Memorys (DRAMs) ist in der Speichereinheit Qimonda zusammengefasst. Hier gilt das Unternehmen hinter Samsung als einer der weltweit größten Hersteller. Mitte 2006 gliederte Infineon seine Speichersparte Qimonda aus, an welchem das Unternehmen zuletzt noch eine Beteiligung von rund 77,5 Prozent hielt. Langfristig will Infineon seine Beteiligung an Qimonda auf unter 50 Prozent zurückfahren.

Daneben entwickelt Infineon aber auch Flash-Speicher, Sensoren, Microcontroller und Integrated Circuits (ICs) für den Unterhaltungselektronikbereich. Kommunikationschips, optische Netzwerkkomponenten und Power Semiconductor runden das Infineon-Produktportfolio ab.

Mit seiner Produktpalette visiert das Unternehmen sowohl die Automobil- als auch die Elektronikindustrie an. Infineon agiert dabei nicht nur in Europa, sondern auch in Nordamerika, Asien und Japan. In Taiwan betreibt das Unternehmen das Joint Venture Inotera Memories, welches gemeinsam mit der taiwanschen Nanya Technologies im Jahre 2002 gegründet wurde. Das Joint Venture Inotera Memories wurde im März 2006 in Taiwan an die Börse gebracht. Im Jahr 2002 übernahm Infineon bereits für rund 400 Mio. Euro das Kerngeschäft von Ericsson Microelectronics. Im Jahr 2007 kaufte Infineon das Mobility-Geschäft des US-Chipspezialisten LSI. Zugleich wurden die DSL CPE Aktivitäten von Texas Instruments übernommen.

Die ehemalige Konzernmutter Siemens ist nach wie einer der größten Kunden Infineons. Weitere Großkunden sind Nokia, Bosch, Schlumberger, Samsung, LG Electronics, Motorola, Scientific-Atlanta und Sony. Auch der Redmonder Softwarekonzern Microsoft gehört zum Kundenkreis des Unternehmens. In der neuen Spielkonsole Xbox 360 finden sich gleich drei Chipsätze der Münchner. Infineon beschäftigte zuletzt mehr als 36.000 Mitarbeiter weltweit, wovon allein 7.400 Spezialisten in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung des Unternehmens tätig sind.

Zahlen

Einschließlich Qimonda setzte Infineon im ersten Fiskalquartal 2008 noch 1,60 Mrd. Euro um, nachdem der Münchner Halbleiterkonzern in Vorjahr noch Einnahmen von 2,13 Mrd. Euro verbuchen konnte. Dabei wies Infineon einen Konzernfehlbetrag von 396 Mio. Euro aus, nachdem das Unternehmen im Vorjahr noch einen Überschuss von 120 Mio. Euro verbuchen konnte.

Der operative Überschuss (EBIT) von 216 Mio. Euro verwandelte sich im selben Zeitraum in ein Minus von 368 Mio. Euro, der Gewinn pro Aktie (verwässert) von 0,15 Euro in einen Fehlbetrag von 0,53 Euro je Aktie.

Etwas rosiger sieht es für Infineon ohne Qimonda aus. Im abgelaufenen Quartal konnte Infineon allein einen Umsatz in Höhe von 1,09 Mrd. Euro erzielen. Im Vergleichsquartal des Vorjahres lag der Umsatz bei 958 Mio. Euro. Beim operativen Ergebnis schaffte das Unternehmen mit 65 Mio. Euro den Sprung aus der Verlustzone. Im Vergleichsquartal 2007 war bei Infineon ein EBIT-Fehlbetrag von neun Mio. Euro angefallen.

Markt und Wettbewerb

Meldung gespeichert unter: Infineon Technologies

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