IBM nach Oracle-Deal unter Zugzwang

Mittwoch, 22. April 2009 12:54
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(IT-Times) Der weltweit führende IT-Servicespezialist IBM (NYSE: IBM, WKN: 851399) kam bei Sun Microsystems nicht zum Zuge und überließ dem US-Softwarekonzern Oracle das Feld. Ohne Frage hätte ein Sun-Zukauf die Position von IBM im Server- und Speicher-Markt wesentlich gestärkt. Doch offene Fragen bezüglich der Genehmigung der Übernahme durch US-Regulierungsbehörden, haben Big Blue offenbar abgeschreckt.

Auch beim viertgrößten indischen IT-Spezialisten Satyam Computer wurde IBM als Übernahmeinteressent gehandelt, den Deal machte dann aber Tech Mahindra. Nunmehr sitzt IBM weiterhin auf Barreserven von mehr als 12 Mrd. US-Dollar und beharrt auf seiner in der Vergangenheit durchaus erfolgreichen Strategie: Disziplin wahren. Seit 2000 hat IBM mehr als 100 kleinere und größere Zukäufe getätigt und hierfür rund 20 Mrd. Dollar ausgegeben. Die getätigten Zukäufe haben das Wachstum in der Vergangenheit mitgeprägt und IBMs Disziplin in diesem Punkt schien bislang die richtige Strategie.

Hightech-Branche vor Konsolidierung
Nun aber könnte es für IBM schwieriger werden, die richtigen Übernahmeziele zu finden, um seine Marktstellung zu stärken, zumal die weltweiten Börsenmärkte wieder anziehen. Die Zeit der Schnäppchen scheint damit vorbei. Marktbeobachter gehen davon aus, dass der Oracle-Zukauf die IT-Welt grundlegend verändern wird, wobei Oracle gleichzeitig eine Konsolidierungsphase in der Hardware-Branche eingeleitet haben dürfte.

Der Vorstoß von Oracle setzt IBM unter Zugzwang, will der US-Technologiekonzern seine Wettbewerber weiter auf Abstand halten, nachdem sich zuvor auch der Rivale Hewlett-Packard (HP) durch Milliardenzukäufe verstärkt hat. JMP Securities Analyst Patrick Walravens glaubt daher, dass IBM bereits an einen Plan B arbeitet. Der Vorstoß von Oracle könnte IBM dazu zwingen, im großen Stil in den Softwaremarkt einzusteigen. Als logisches Übernahmeziel kommt dabei nach Meinung des Analysten vor allem der Walldorfer Softwarekonzern SAP AG in Frage.

Greift IBM nun nach SAP?
Bereits im Jahr 2006 äußerte sich SAP-Mitgründer Hasso Platner über mögliche Fusionspartner. Laut Aussagen von Platner kommen dabei nur drei Unternehmen in Frage: Google, Microsoft und eben IBM. Während Google bislang eher wenig Interesse am Business-Softwaremarkt zeigte, kämpft Microsoft derzeit darum, im Internet nicht den Anschluss zu verlieren. Einzig für den SAP-Partner IBM würde eine Übernahme wirklich Sinn machen.

Nachdem Oracle PeopleSoft-, J.D. Edwards-, Siebel- und nunmehr auch Sun-Kunden auf seine Seite gezogen hat, könnte IBM zum Handeln im Softwarebereich gezwungen sein. Das Softwaregeschäft schrumpfte bei IBM zuletzt um sechs Prozent auf 4,5 Mrd. Dollar und ein neuer Wachstumsimpuls ist derzeit nicht wirklich in Sicht. Allerdings könnte der große Wurf für IBM teuer zu stehen kommen, denn SAP wurde zuletzt an der Börse 45 Mrd. Dollar bewertet, womit Big Blue wesentlich tiefer in Tasche greifen müsste als Oracle...

Kurzportrait

Der New Yorker Computer- und Softwaregigant International Business Machines (IBM) zählt zu den weltweit größten Technologiekonzernen weltweit. Das Unternehmen ist nicht nur der weltweit größte IT-Servicedienstleister, sondern auch einer der führenden Softwarekonzerne weltweit. IBM beschränkt sich dabei nicht nur auf die Entwicklung von Hard- und Software für einfache Computersysteme, sondern bietet daneben auch Netzwerkserver, sowie Halbleiter an.

Insgesamt operiert IBM von vier Kerngeschäftsbereichen heraus. Die Einheit IBM Global Services bildet dabei die größte Einheit. Weitere Einheiten sind Systems and Technology Group, sowie das Softwaresegment als auch die Einheit Global Financing. Der PC-Bereich wurde zuletzt an die chinesische Lenovo Group für 1,75 Mrd. Dollar verkauft.

Über seinen Servicearm (IBM Global Services) bietet IBM eine Reihe von IT-Dienstleistungen an, darunter E-Commerce Dienste, sowie ERP- und CRM-Services. Das Geschäft mit elektronischen Beschaffungssystemen gehört ebenfalls zum Aufgabenbereich der IT-Serviceeinheit. Diesen Bereich verstärkte der Computerkonzern im Jahr 2002 mit der Übernahme der Serviceeinheit von PricewaterhouseCoopers. Später kaufte IBM die IT-Einheit des Ölkonzerns Schlumberger. Im Jahr 2004 übernahm IBM unter anderem die dänischen IT-Spezialisten Maersk Data und DMdata. Auch die kanadische Systemcorp wurde von IBM übernommen. Daneben wurden im Jahr 2005 mit dem Softwareanbieter Isogon, dem Spezialisten PureEdge Technologies, dem Softwareintegrator DWL und dem Sicherheitsspezialisten DataPower weitere Firmen hinzugekauft. Ende 2005 verstärkte sich IBM durch die Übernahme des Softwarespezialisten Micromuse. Zuvor wurde die Softwarefirma Bowstreet aufgekauft. Im Jahr 2006 verstärkte sich IBM dann im Softwarebereich durch die Übernahme von Webify, sowie MRO Software und FileNet. Im Spätsommer 2006 wurde der Netzwerksicherheitsspezialist Internet Security Systems sowie die Softwarefirma Vallent übernommen. Auch in 2007 blieb IBM auf Einkaufstour und schluckte die Spezialisten Telelogic AB, Softek Storage Solutions Corp, DataMirror, WatchFire, WegDialogs und das kanadische Softwarehaus Cognos. In 2008 folgten mit AptSoft, FilesX, Infodyne, Platform Solutions, ILOG und Transitive Corporation weitere Zukäufe.

Mit seinem Datenbanksystem DB2, sowie durch sein Serverangebot WebSphere ist IBM auch im Server- und Softwaregeschäft eine feste Größe. Über seine 100%ige Tochter Lotus Development bietet das Unternehmen eine Reihe weiterer Softwarewerkzeuge für Desktopsysteme an. Über die Tochter Tivoli Systems vertreibt IBM Netzwerk- und Management Software.

Zahlen

So berichtet Big Blue für das Märzquartal von einem Umsatzrückgang um elf Prozent auf 21,7 Mrd. US-Dollar. Dabei fuhr der IT-Spezialist einen Nettogewinn von 2,30 Mrd. Dollar oder 1,70 US-Dollar je Aktie ein, nach einem Profit von 2,32 Mrd. Dollar oder 1,64 Dollar je Anteil im Jahr vorher.

Der höhere Nettogewinn pro Aktie erklärt sich durch den Rückkauf eigener Anteile, so dass die Zahl der ausstehenden Aktien sank. Analysten hatten in diesem Zusammenhang mit Einnahmen von 22,5 Mrd. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von 1,66 Dollar je Anteil gerechnet. Die Bruttomarge ist im jüngsten Quartal nicht zuletzt durch Einsparungsmaßnahmen um 190 Basispunkte auf 43,4 Prozent gestiegen.

Im Servicegeschäft sanken die Umsätze im jüngsten Quartal um zehn Prozent auf 13,2 Mrd. Dollar, während im Softwaresegment die Erlöse um sechs Prozent auf 4,5 Mrd. Dollar schrumpften. Die Hardware-Erlöse waren besonders stark von der Krise betroffen. In diesem Bereich schrumpften die Erlöse um 23 Prozent auf 3,2 Mrd. Dollar. Im high-end und Mainframe-Computersegment sanken die Erlöse jeweils im zweistelligen Prozentbereich. Der Auftragseingang stagnierte hingegen auf dem Niveau des Vorjahres. So konnte IBM im ersten Quartal IT-Serviceaufträge im Volumen von 12,5 Mrd. Dollar unter Dach und Fach bringen, ein Rückgang von einem Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ohne die Berücksichtigung von Währungseinflüssen hätte sich allerdings ein Auftragsplus von zehn Prozent ergeben, so IBM.

Meldung gespeichert unter: International Business Machines (IBM)

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