IAC: Querelen um Aufspaltungspläne belasten

Donnerstag, 7. Februar 2008 13:18
IAC/InterActiveCorp

(IT-Times) Das US-Internetkonglomerat IAC/Interactive (Nasdaq: IACI, WKN: A0F7E0) enttäuschte im jüngsten Quartal mit den vorgelegten Zahlen. Zudem belasten Querelen um die geplante Aufspaltung und Abspaltung von Unternehmensbereichen den Aktienkurs der Gesellschaft.

IAC-Lenker Barry Diller liefert sich derzeit einen krotesken Kleinkrieg mit dem Großinvestor John Malone (Liberty Media), um die Führung des Konzerns. Während Malone, der rund 60 Prozent der Stimmrechte kontrolliert, die Aufspaltung von IAC verhindern und das derzeitige Management ersetzen will, sieht Diller in den jüngsten Zahlen weiterhin Belege für die Richtigkeit seines Vorhabens, den Internet-Konzern in fünf unabhängige Gesellschaften umzustrukturieren.

Tatsächlich entwickelten sich die einzelnen Geschäftsbereiche zuletzt sehr unterschiedlich. Während das Home-Shopping-Segment rund um die Einheit HSN einen Umsatzzuwachs von drei Prozent und einen Gewinnrückgang um sieben Prozent hinnehmen musste, konnte das Geschäftssegment Interval seine Erlöse um 35 Prozent und den Gewinn um 12 Prozent steigern.

Schlimmer erwischte es das Online-Geschäft mit der Vergabe von Hypotheken und Darlehn. Die Einheit LendingTree, die ebenfalls abgespalten werden soll, musste im jüngsten Quartal einen Umsatzeinbruch von 55 Prozent hinnehmen und rutschte dabei deutlich in die Verlustzone.

Ausverkauf soll im zweiten oder dritten Quartal folgen
IAC-Chef Barry Diller gibt sich siegessicher, dass die Abspaltungspläne noch in diesem Jahr realisiert werden können. Daher gehen die Planungen diesbezüglich trotz des anstehenden Rechtsverfahrens weiter.

Sollte sich Diller mit seinen Plänen durchsetzen können, wird sich die neue IAC auf das Geschäft mit der Internet-Suche und Online-Werbung konzentrieren. Stifel Nicolaus Analyst Scott W. Devitt glaubt nicht, dass sich dieses Vorhaben für die bestehenden IAC-Aktionäre wirklich auszahlen wird. Wäre die Abspaltung bereits vollzogen worden, hätte die neue IAC zwar einen Umsatzanstieg von 21 Prozent realisiert, der operative Gewinn hätte sich aber mit einem Minus von 19 Prozent rückläufig entwickelt. Diese Zahlen zeigen, dass trotz der Aufspaltungspläne, die Probleme im Hinblick auf die Profitabilität bei IAC noch lange nicht gelöst sind…

Kurzportrait

Die in New York ansässige IAC/Interactive, vormals USA Interactive bzw. USA Networks, beschäftigte sich ursprünglich mit der Produktion von Fernsehshows und TV-Programmen. Über die Einheiten USA Films und Studios USA wurden entsprechende Programme entwickelt und vermarktet. Gleichzeitig will sich IAC/Interactive im Zuge seiner neuen Strategie mehr dem E-Commerce- bzw. Online-Geschäft widmen, wobei zunächst auch Touristik- und Reiseangebote im Mittelpunkt der neuen Unternehmensstrategie standen. So übernahm die Gesellschaft in den vergangenen Jahren die ehemalige Microsoft-Tochter Expedia und den Hotelvermittler Hotels.com. Die Einheit wurde inzwischen wieder zurück an die Börse geführt. Auch der US-Finanzspezialist LendingTree gehört inzwischen zum Diller-Imperium, ebenso wie der Online-Dienst Hotwire.com.

Daneben betreibt IAC/Interactive auch das Shopping-Netzwerk HSN, bestehend aus HSN International und HSN Interactive. Mit der vollständigen Übernahme Ticketmaster Online-CitySearch vollzog das Unternehmen die Umsetzung seiner Strategie. Der Eintrittskartenservice Ticketmaster ergänzt das umfangreiche Online-Portfolio ebenso wie das ebenfalls zum Unternehmen gehörende Hotel Reservations Network. Durch die Übernahme von Soulmates Technology durch Ticketmaster soll insbesondere der Online-Dienst Match.com und dessen Angebot technisch weiter verbessert werden. Hierfür kaufte IAC auch den Online-Dienst uDate.com auf, um seine Position in diesem Bereich weiter zu festigen. Im Jahr 2004 blieb IAC/Interactive weiter auf Einkaufstour, wobei der Online-Dienst ServiceMagic übernommen wurde. Die Tochter Ticketmaster kaufte den finnischen Ticket-Dienst Lippupalvelu Oy, während die Tochter LendingTree den Online-Finanzspezialisten HomeLoanCenter.com übernahm. Zudem kaufte IAC/Interactive den Online-Dienst Anyway.com und Egencia. Anfang 2005 übernahm IAC/Interactive die Mehrheit an Chinas zweitgrößten Online-Touristikservice eLong. Wenig später kaufte IAC/Interactive schließlich den Online-Einzelhändler Cornerstone Brands für 720 Mio. Dollar. Später übernahm die Diller-Holding dann den Internet-Suchmaschinenspezialisten Ask Jeeves für 1,85 Mrd. Dollar. Zu Jahresbeginn 2006 kaufte IAC den Online-Schuhhändler Shoebuy.com. Im Herbst 2006 verstärkte sich das Internet-Konglomerat mit der Comedy-Site CollegeHumor.com. Nach der Übernahme von Givefun.com in 2007 und Paciolin, kaufte die Tochter Ticketmaster Anfang 2008 den Ticket-Reseller GET ME IN! sowie TicketsNow.

IAC/Interactive will im Zuge des Verkaufs der Unterhaltungssparte seine Geschäftsbereiche neu strukturieren. Insgesamt soll das Unternehmen in mehrere Geschäftsbereiche unterteilt werden. In der Gruppe IAC Travel werden Einheiten wie Expedia, HSN, Hotels.com und Hotwire.com gebündelt. Trotz der Neustrukturierung will Chairman und Unternehmenschef Barry Diller weiterhin die Mehrheit der Stimmrechte kontrollieren.

Zahlen

Für das vergangene vierte Quartal 2007 meldet IAC einen Umsatzanstieg um acht Prozent auf 1,86 Mrd. Dollar, nach Einnahmen von 1,72 Mrd. Dollar im Jahr vorher, allerdings summierte sich der Nettoverlust auf rund 370 Mio. Dollar oder 1,31 Dollar je Aktie, nachdem im Jahr vorher noch ein Gewinn von 15,3 Mio. Dollar zu Buche stand.

Analysten hatten im Vorfeld zwar nur mit Einnahmen von 1,83 Mrd. Dollar, aber mit einem Nettogewinn von 55 US-Cent je Aktie vor Steuern und Sonderbelastungen gerechnet.

Besonders litt im jüngsten Quartal das Geschäft mit Online-Hypothekendarlehen. Die Tochter Lending Tree musste einen Umsatzeinbruch von 55 Prozent auf 52,1 Mio. Dollar melden und rutschte dabei in die Verlustzone. So entstand bei der Einheit ein operativer Verlust von 508,1 Mio. Dollar, nach einem Plus von 7,2 Mio. Dollar im Vorjahr.

Für das somit abgeschlossene Gesamtjahr 2007 meldet IAC einen Umsatzanstieg auf 6,37 Mrd. Dollar, was einem Zuwachs von acht Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Der Nettoverlust summierte sich in 2007 auf 144,1 Mio. Dollar oder 50 US-Cent je Aktie, nach einem Plus von 187,1 Mio. Dollar oder 59 US-Cent je Aktie im Jahr vorher.

Meldung gespeichert unter: IAC/InterActiveCorp

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