HP kauft Palm: Großer Retter mit den noch größeren Eigeninteressen

Freitag, 30. April 2010 15:24
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MÜNSTER (IT-Times) - Da ging in dieser Woche ein Raunen durch die IT- und Telekommunikationsbranche: Das US-Unternehmen Hewlett-Packard, bekannt und geachtet für seine PCs, Notebooks und Drucker, hat Palm gekauft. Palm, den Taschencomputer-Pionier, der aber schon seit längerem arge Probleme am Markt hat. HP und Palm: Das sind zwei starke Marken, die sich einander stützen können. HP erhält durch den Kauf plötzlich einen Zugang zum zukunftsträchtigen Smartphone-Markt und Palm hat nun einen grundsoliden Käufer, nachdem in den vergangenen Monaten die verschiedensten Interessen genannt wurden, diese Palm aber letztlich bis zu dieser Woche zappeln ließen. Vor allem Finanzinvestoren, aber auch chinesische Firmen wie Lenovo, ZTE und Huawei, waren im als Käufer Gespräch. Neben HP galt auch Dell als möglicher Kandidat zur Übernahme Palms. Der Grund, warum sich die großen PC-Hersteller wie Lenovo, HP oder Dell trotz aller Probleme für Palm interessierten, liegt dann doch auf der Hand: Internet und Computing werden immer mobiler und Geräte wie Smartphones und Netbooks finden demnach stetig steigen Anklang bei Privatverbrauchern und Firmenkunden.

HP will Jagd auf Apple machen

Während HP nun auf Palm setzt will Dell auch ohne Übernahme erfolgreich werden. Das Dell Mini 3i ist seit Herbst 2009 auf dem chinesischen Markt verfügbar, wobei das Gerät wohl auch in anderen asiatischen Ländern bald sein Marktdebüt feiern könnte. Setzt Dell die eigene Smartphone-Strategie konsequent fort, dürften wohl weitere Smartphones aus dem Hause Dell auch ohne Palm-Kauf in Kürze folgen. Das alles mag HP zunächst einmal weniger interessieren. Das Unternehmen schaut nach der Übernahme vor allem nach oben und nimmt nun Unternehmen wie Apple mit dem iPhone und mit dem iPad ins Visier. In beiden Marktsegmenten will sich HP etablieren und weiter positionieren.

Insofern ist der Kauf von Palm ein geschickter Schachzug, der zudem kaum im Blindflug vorgenommen worden sein dürfte. Immerhin ist HP-Spitzenmanager Todd Bradley (Chef der Konsumentensparte) der ehemalige CEO von Palm. Und damit weiß er recht genau, was er da gekauft hat - eine Katze im Sack jedenfalls sieht anders aus. Lässt man Palms Finanzschwierigkeiten mal außer Acht - man munkelte bereits etwas über eine mögliche Insolvenz - dann hat das Unternehmen bis heute Stärken, die durch HP wieder hervor gerufen werden können: ein Spitzen-Entwickler-Team, bis heute jede Menge relevanter Patente, mit dem webOS 1.4 ein komplett neues Betriebssystem und bis heute einen starken Markennamen: Da weiß man, was man hat.

HP setzt fortan auf webOS anstatt auf Windows

Bei Microsoft dürfte man über den HP-Palm-Deal indes „not amused“ sein. Bislang hatte HP bei seinem Tablet PC „Slate“, der im Wettbewerb zu Apples iPad steht, auf Microsoft-Betriebssystem und dazugehörigen Web-Diensten gesetzt. HP wurde bei Microsoft bislang als strategischer Partner gesehen, mit dem man gemeinsam in den Kampf gegen Apple und Google mit dem eigenen Smartphone-Betriebssystem Android ziehen kann. Nun scheint es durch die mit dem Kauf verbundene strategische Neuausrichtung, als mache sich HP alleine auf den Kreuzzug gegen Apple und Co. Und so hat man bei Microsoft plötzlich „nur“ die tolle Software, ein starker Hardware-Partner scheint aber abzuspringen. Denn es dürfte auf der Hand liegen, dass HP künftig bei seinen mobilen Endgeräten in erster Linie das Palm-Betriebssystem webOS 1.4 einsetzen wird, anstatt auf Lösungen von Microsoft zu setzen.

Meldung gespeichert unter: Hewlett Packard (HP)

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