(IT-Times) - Der Münchner Chipkonzern Infineon Technologies (WKN: 623100) denkt offenbar ernsthaft über den Verkauf seiner Mobilfunksparte nach. Nach diversen Medienberichten zufolge, soll Infineon bereits einen Datenraum für potentielle Investoren eingerichtet haben, die sich über die zum Verkauf stehende Sparte informieren wollen.
Infineons Wireless Solutions Sparte gilt als attraktiv, beliefert das Unternehmen Kunden wie Apple, Microsoft und Sony. Insbesondere im neuen Tablet PC iPad und im neuen iPhone 4 dürften Infineon-Chips zum Einsatz kommen. Das Segment verspricht in den nächsten Jahren lukrative Wachstumschancen, nachdem das Smartphone-Geschäft boomt. Umso unverständlicher erscheinen auf den ersten Blick die Verkaufsabsichten von Infineon.
Mobilfunksparte erzielt nur geringe Margen
Die entsprechende Infineon-Sparte erzielte im abgelaufenen Fiskaljahr bis Ende März 2010 einen Umsatz von 1,05 Mrd. Euro. Dabei konnte die Einheit einen Gewinn von 63 Mio. Euro einfahren. Zwar dürfte die Mobilfunk-Division auch in diesem Jahr kräftig zulegen, die Gewinnmarge dürfte allerdings weiter im Keller bleiben. Zuletzt verharrte diese bei rund 3,4 Prozent, kein Vergleich zu den Margen, die Infineon im Geschäftsbereich Automotive erzielt (16,4 Prozent). Auch im Geschäftsbereich Industrial & Multimarket liegen die Margen mit 18,7 Prozent deutlich höher.
Da immer mehr Konkurrenten wie Broadcom, Marvell Technology und MediaTek spezielle Chips für Smartphones entwickeln, dürfte sich der Wettbewerb in diesem Bereich sogar noch intensivieren. Um der Entwicklung sinkender Preise und Margen aus dem Weg zu gehen, will sich Infineon offenbar von dem Geschäft trennen, solange sich noch akzeptable Preise für Smartphone-Chips erzielen lassen.
Intel, Marvell und Broadcom als Käufer gehandelt
Als möglichen Kaufinteressenten für die Infineon-Sparte sehen Analysten daher den weltgrößten Halbleiterkonzern Intel. Intel ist zwar bereits mit dem Atom-Prozessor im Mobile-Segment vertreten, kann aber im Smartphone-Segment bislang keine nennenswerten Erfolge vorweisen. Anders dagegen die beiden Konkurrenten Broadcom und Marvell Technology, die bereits erfolgreich in diesem Markt vertreten sind.
So kommen Marvell-Chips unter anderem in BlackBerry-Smartphones von Research In Motion zum Einsatz. Barclays Capital Analyst Tim Luke sieht daher Marvell und Broadcom ebenfalls als mögliche Kaufinteressenten für die Infineon-Sparte. Sollte sich ein Bieterwettstreit ergeben, könnte Infineon für seine Mobilfunksparte mehr als 1,3 Mrd. US-Dollar erlösen, glauben Analysten und Marktbeobachter.
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