HINTERGRUND: Mercury Interactive auf Achterbahnfahrt

Montag, 16. Januar 2006 11:59

(IT-Times) Eine Reihe negativer Nachrichten lösten in den vergangenen Monaten eine Talfahrt beim US-Softwarespezialist Mercury Interactive (Nasdaq: MERQ<MERQ.NAS>, WKN: 890463<MRQ.FSE>) aus. Nachdem im November 2005 die Führungsmannschaft des Unternehmens rund um CEO Amnon Landan und CFO Douglas Smith wegen interner Ermittlungen die Segel streichen musste, beschleunigte sich der Kursverfall.

Mit dem Delisting an der Nasdaq am 4. Januar 2006 erreichte die Krise beim führenden Anbieter von Testsoftware einen vorläufigen Höhepunkt, nachdem das Softwarehaus eine Deadline bezüglich der Vorlage revidierter Quartalszahlen nicht einhalten konnte. Mercury-Aktien tauchten kurzzeitig auf 25,6 Dollar ab, konnten sich aber innerhalb weniger Tage wieder auf 34,2 Dollar erholen.

Hintergrund der rasanten Achterbahnfahrt ist der Umstand, dass die Gesellschaft prinzipiell gut dasteht. Im vierten Quartal konnte Mercury 25 Geschäfte im Volumen von mehr als eine Mio. Dollar abschließen und damit den Vorjahreswert übertreffen. IDC-Analyst Stephen Elliot sieht Mercurys loyale Kundenbasis als Stärke der Gesellschaft.

Mercury bleibt auf Einkaufstour

Mercury konnte in den vergangenen Jahren eine Reihe von Neukunden an sich binden, wobei vor allem Firmenzukäufe im Vordergrund standen. Trotz aller Querelen scheint sich dieser Kurs auch im laufenden Jahr weiter fortzusetzen. Die Übernahme des Service-Oriented-Architecture-Spezialisten Systinet Corp lies sich Mercury in der Vorwoche 105 Mio. Dollar kosten.

Darüber hinaus steht Mercury im Rahmen der derzeitigen Konsolidierungswelle in der Softwareindustrie selbst als Übernahmekandidat im Fadenkreuz der großen Softwarehäuser. Vor allem die jüngsten Schwierigkeiten des Unternehmens, welchen den Mercury-Aktienkurs nach unten drückten, könnte neue Übernahmeinteressenten auf den Plan rufen. Als Kaufinteressenten werden neben Computer Associates, auch SAP und Hewlett-Packard gehandelt.

Kurzportrait

Die im Jahre 1989 in Israel gegründete und in Sunnyvale/Kalifornien ansässige Mercury Interactive entwickelt Test-Software, welche es Unternehmen erlaubt, Business-Anwendungen auf ihre Performance hin zu analysieren und mögliche Programmfehler zu korrigieren. Gleichzeitig lassen sich mit Hilfe von Mercurys Softwaresysteme Web-basierte Applikationen auf ihre Funktionalität und Leistungsfähigkeit hin überprüfen und optimieren.

Mit dem neu entwickelten Softwarewerkzeug ProTune sollen Geschäftskunden die Performance ihrer Softwarepakete verbessern können. Für die Weiterentwicklung seiner Produkte betreibt das Unternehmen ein Forschungs- und Entwicklungszentrum in Israel. Etwa zwei Drittel seiner Umsatzerlöse erwirtschaftet das Unternehmen durch sein Softwarelizenzgeschäft. Das Service- und Supportgeschäft trug zuletzt ein Drittel zum Gesamtumsatz bei.

Um Unterstützung zu allen gängigen Infrastruktur-Umgebungen sicher zu stellen, kooperiert Mercury mit verschiedenen Unternehmen aus der Hightech-Branche. So arbeitet das Unternehmen sowohl mit Oracle, PeopleSoft, SAP und Siebel Systems zusammen. In Sachen Application Server kooperiert die Gesellschaft mit BEA, IBM und Sun.

Die 100%ige Tochter Freshwater Software bietet Performance-Monitoring für hochfrequentierte Internet-Seiten in Echtzeit an. Die im Jahre 1996 gegründet Softwareschmiede konnte sich vor allem durch seine mehrfach ausgezeichneten Softwareprodukte SiteScope und SiteSeer einen Namen in der Branche machen. Danach landete Mercury Interactive mit der Übernahme des Java- und Diagnostikspezialisten Performant einen neuen Coup. Im Jahr 2003 folgte mit der Übernahme des US-Softwarespezialisten Kintana für 225 Mio. Dollar ein weiterer Zukauf. Im Mai 2004 kaufte Mercury den US-Softwarespezialisten Appilog für 51,5 Mio. Dollar in bar. Im Herbst 2005 folgte die Übernahme des Softwarespezialisten BeatBox, nachdem Mercury im Vorfeld auch die Mobilfunktesttechnik der englischen Intuwave übernahm. Anfang übernahm schließlich den SOA-Spezialisten Systinet.

Um eine höchstmögliche Kundenzufriedenheit sicher zu stellen, kooperiert das Unternehmen in Sachen Vertrieb und Beratung mit renommierten IT-Beratern, wie EDS, KPMG Conuslting, Accenture, Computer Sciences, Spherion und PricewaterhouseCoopers. Gleichzeitig ist die Gesellschaft mit Niederlassungen in 25 Ländern weltweit vertreten.

Derzeit setzen mehr als 30.000 Firmenkunden auf Softwarelösungen aus dem Hause Mercury Interactive, darunter namhafte Branchengrößen, wie Cisco Systems, British Airways, Microsoft, Ford und Siemens.

Zahlen

Für das zurückliegende dritte Quartal 2005 rechnet Mercury Interactive mit Einnahmen zwischen 198,0 und 203 Mio. Dollar. Dabei kalkuliert das Unternehmen mit einem Nettogewinn von 31 bis 35 US-Cent je Aktie. Endgültige Zahlen will das Unternehmen nach Abschluss Bilanzüberprüfung mitteilen.

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