Hewlett-Packard zieht die Notbremse - kann Whitman HP noch retten?

Freitag, 25. Mai 2012 13:26
Hewlett Packard (HP)

(IT-Times) - Erst seit sechs Monaten lenkt die neue Firmenchefin Meg Whitman die Geschicke von Hewlett-Packard (HP), nunmehr drohen dem Unternehmen die härtesten Einschnitte in der Firmengeschichte. Diese sind allerdings auch notwendig, will HP im Wettbewerb mit Apple & Co langfristig bestehen.

Ganze 27.000 Stellen bzw. acht Prozent der rund 350.000 Arbeitsplätze sollen in den nächsten drei Jahren wegfallen. Insgesamt erhofft sich das Unternehmen dadurch Einsparungen von bis zu 3,5 Mrd. US-Dollar. HP-Chefin Whitman stellte dann auch klar, dass es noch viel Arbeit zu tun gebe. Der beschlossene Stellenabbau sei nur der Anfang, so die Managerin im Interview mit dem US-Sender CNBC.

Neue Laserdrucker - Wiedereintritt in den Tablet PC Markt
Das schwächelnde Druckergeschäft will HP (NYSE: HPQ, WKN: 851301) im Herbst durch die Einführung von acht neuen Laserdruckern wiederbeleben. Zudem sollen mehr Gelder in Forschung und Entwicklung investiert werden. Lösungen, die Mitarbeiter zu mehr Produktivität verhelfen, stehen dabei im Vordergrund.

Zu guter Letzt will HP in den Tablet PC Markt zurückkehren, um mit Apple zu konkurrieren. Wann und wie dies geschehen soll, ließ HP allerdings offen. Marktbeobachter rechnen damit, dass HP einen Windows 8 basierten Tablet noch in diesem Jahr auf den Markt bringen wird.

Autonomy-Gründer Mike Lynch verlässt HP
Eine weitere Baustelle bei HP ist das Softwaregeschäft rund um die übernommene Autonomy. Zwar verzeichnete HP im jüngsten Quartal einen Anstieg in der Softwaresparte um 22 Prozent, allerdings entwickelten sich die Erlöse bei der übernommenen Autonomy rückläufig. Whitman bezeichnete die Performance dann auch als "enttäuschend", sind die Umsatzeinbußen der erste Rückgang seit acht Jahren bei Autonomy.

Aber auch hier hat HP bereits reagiert. Autonomy-Gründer Mike Lynch wird HP verlassen und soll durch den ehemaligen Microsoft-Manager Bill Veghte ersetzt werden, der die Softwaresparte von HP künftig leiten soll, kündigt Whitman im Conference Call an.

Apple und Samsung geben den Takt vor - HP nur noch Außenseiter
Im Analystenlager ist man sich noch uneins, ob die beschlossenen Maßnahmen ausreichen werden, um einen nachhaltigen Turnaround bei HP herbeizuführen. Pacific Crest Experte Brent Bracelin glaubt nicht, dass die Erholung im PC-Geschäft nachhaltig ist. Der Analyst verweist darauf, dass Apple und Samsung inzwischen 39 Prozent des PC-, Tablet- und Smartphones Marktes kontrollieren, HP ist mit einem Marktanteil von nur sechs Prozent nur noch Außenseiter.

Kurzportrait

Die im Jahre 1939 gegründete Hewlett-Packard, benannt nach den Gründern Dave Packard und Bill Hewlett, gelang vor allem in den modernen 80er Jahren der Aufstieg zu einem weltweit bedeutenden Technologiekonzern. Bereits 1966 schaffte das Unternehmen mit der Gründung seiner Forschungs- und Entwicklungsabteilung HP Laboratories die Grundlage für den späteren Erfolg. Die HP LaserJet Druckerproduktreihe, welche im Jahre 1984 aus der Taufe gehoben wurde, begründete dann schließlich den endgültigen Durchbruch der Firma. Das Jahr 2002 stellte mit der Übernahme von Compaq Computer für knapp 19 Mrd. US-Dollar einen weiteren wichtigen Meilenstein in der Unternehmensgeschichte der Firma dar.

Heute entwickelt das Unternehmen nicht nur Drucker, sondern auch Software, Computer und andere Hardware, wie Speicher- sowie Windows- und Unix-basierte Serversysteme. Aber auch Netbooks/Ultrabooks, Scanner, Fax-Geräte, Digitalkameras und Kopiergeräte ergänzen das Hardwareangebot. Insgesamt operiert HP heute aus sieben Kerngeschäftsbereichen heraus: Enterprise Storage and Servers (ESS), HP Services (HPS), Personal Systems Group (PSG), Imaging and Printing Group (PG), HP Financial Services (HPFS) und HP Software sowie Corporate Investments.

Das Hardwaregeschäft trug zuletzt den Großteil der gesamten Umsätze der Gesellschaft, wobei das Servicegeschäft inzwischen etwa ein Drittel des Gesamtumsatzes trägt. Zuletzt wuchs HP nicht zuletzt durch Zukäufe. Allein in den letzten Jahren wurden mehr als ein Dutzend Firmen übernommen.

Neben der Übernahme von Compaq kaufte HP den Druckerspezialisten Indigo, welcher den Bereich Offset-Druck und digitale Druckprozesse für industrielle Großkunden ergänzen soll. Im Jahr 2004 schluckte HP die Softwarefirmen Novadigm und Consera Software, sowie die ThyssenKrupp-Tochter Triaton. Später folgten die Zukäufe des englischen IT-Spezialisten Synstar, sowie die Übernahme von ApplQ, RLX Technologies, Peregrine Systems und Scitex Vision. Mitte 2006 kaufte HP die Schweizer Silverwire Holdings AG, sowie den Softwarespezialisten Mercury Interactive. Anschließend folgten weitere Zukäufe. So wurden die Software- und IT-Spezialisten Knightsbridge Solutions, Bitphone Corporation, Bristol Technologies, der Thin-Client-Spezialist Neoware und der US-Softwareanbieter Opsware übernommen. Anfang 2008 setzte HP seine Einkaufstour fort und schluckte neben den Softwarespezialisten Tower Software und LeftHand, auch gleich den weltweit zweitgrößten IT-Servicespezialisten Electronic Data Systems (EDS) für knapp 13,2 Mrd. Dollar. In 2010 schloss HP die Übernahme von 3Com. Im April 2010 kaufte HP den PDA-Pionier Palm. Zudem wurden mit Motionbox, Fortify Software und Stratavia weitere Unternehmen in 2010 übernommen. Nachdem im Herbst der Speicherspezialist 3PAR übernommen wurde, kaufte HP im Oktober den Sicherheitssoftwareanbieter ArcSight. Mitte 2011 gab HP die Übernahme des britischen Softwarespezialisten Autonomy für über zehn Mrd. Dollar bekannt. Ende 2011 übernahm HP die Hiflex Software GmbH.

Zahlen

Für das vergangene Aprilquartal 2012 meldet HP einen Umsatzrückgang um drei Prozent auf 30,7 Mrd. US-Dollar. Der Nettogewinn brach dabei allerdings um 31 Prozent auf 1,6 Mrd. US-Dollar ein, wobei die Ergebnisse einmalige Aufwendungen in Höhe von 18 US-Cent je Aktie beinhalten. Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen konnte HP im jüngsten Quartal einen Nettogewinn von 98 US-Cent je Aktie realisieren und damit die Markterwartungen der Analysten übertreffen, die im Vorfeld nur mit einem Nettogewinn von 91 US-Cent je Aktie und mit Einnahmen von 30 Mrd. Dollar gerechnet hatten.

Die Umsätze in der PC-Division (Personal Systems Group) stagnierten im Vergleich zum Vorjahr, wobei die Erlöse mit Konsumenten um vier Prozent zurückgingen. Während das Unternehmen um fünf Prozent mehr Desktop-Rechner verkaufen konnte, ging das Geschäft mit Notebooks um sechs Prozent zurück. HP will nunmehr eine Abschreibung in Höhe von 1,2 Mrd. Dollar auf die Marke Compaq vornehmen.

Meldung gespeichert unter: Hewlett Packard (HP)

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