Hewlett-Packard nimmt IBM ins Visier

Mittwoch, 14. Mai 2008 13:11
Hewlett Packard (HP)

(IT-Times) Nachdem der weltgrößte Druckerhersteller Hewlett-Packard (NYSE: HPQ, WKN: 851301) bereits im PC-Segment den Branchenprimus Dell von der Spitzenposition ablösen konnte, will das Unternehmen nunmehr auch im IT-Servicebereich eine größere Rolle spielen und den bisherigen Platzhirschen IBM Marktanteile streitig machen.

HP-Chef Mark Hurd sieht in der Übernahme von EDS enorme Möglichkeiten. Knapp 14 Mrd. Dollar lässt sich HP den Zukauf kosten, um im IT-Servicebereich zur weltweiten Nummer zwei im Markt aufzusteigen. Doch um IBM von der Spitzenposition zu verdrängen, ist man noch weit entfernt. Die IT-Servicedivision von Big Blue setzte in 2007 rund 54 Mrd. Dollar um. Zum Vergleich: HP und EDS kommen gemeinsam auf rund 39 Mrd. Dollar Umsatz in diesem Bereich.

Zwar kann HP sein IT-Servicegeschäft mit einem Schlag verdoppeln, allerdings wuchs EDS zuletzt nur mit 3,4 Prozent und damit am langsamsten unter den großen IT-Playern. Marktbeobachter fürchten nunmehr, dass der Zukauf nicht nur auf die Wachstumsraten, sondern auch auf die Margen bei HP drücken wird. Schon gehen Gerüchte um, wonach HP bedingt durch Überlappungen massiv Stellen bei EDS streichen wird, um seine Margenziele nicht zu gefährden. So ist EDS mehr im Betrieb von IT-Systemen und anderen Geschäftsoperationen engagiert, welches traditionell niedrigere Gewinnmargen abwirft, als zum Beispiel das high-end Management-Consulting-Geschäft, in dem IBM tätig ist.

HP kauft sich Standbein in Indien
Allerdings könnte sich der Deal langfristig dennoch für HP auszahlen. Zum einen gewinnt HP durch die Übernahme Zugang zu EDS-Kunden und somit einen weiteren Absatzweg für seine Hardware- und Softwareprodukte. Zum anderen könnte der Zukauf den Weg für HP nach Indien ebnen, denn EDS hält 60 Prozent und damit die Mehrheit der Anteile an dem indischen Outsourcing-Spezialisten mPhasiS. Die Beteiligung an den Indern gilt als das Kronjuwel schlechthin, zumal westliche Firmen zunehmend IT-Dienstleistungen an indische Servicefirmen auslagern.

Die in Mumbai ansässige mPhasiS ist hier mit 27.000 IT-Mitarbeitern bereits gut aufgestellt. Im laufenden Jahr will mPhasiS seine Mitarbeiterzahl um weitere 6.000 IT-Spezialisten aufstocken. Damit liegt HP de facto noch vor dem zuletzt schneller wachsenden Konkurrenten Accenture, der zuletzt rund 22.000 Mitarbeiter in Indien beschäftigte...

Kurzportrait

Die im Jahre 1939 gegründete Hewlett-Packard, benannt nach den Gründern Dave Packard und Bill Hewlett, gelang vor allem in den modernen 80er Jahren der Aufstieg zu einem weltweit bedeutenden Technologiekonzern. Bereits 1966 schaffte das Unternehmen mit der Gründung seiner Forschungs- und Entwicklungsabteilung HP Laboratories die Grundlage für seinen späteren Erfolg. Die HP LaserJet Druckerproduktreihe, welche im Jahre 1984 aus der Taufe gehoben wurde, begründete dann schließlich den endgültigen Durchbruch der Firma. Das Unternehmen stieg innerhalb weniger Jahre zum weltweit führenden Anbieter von Drucker- und Zubehörprodukten auf. Das Jahr 2002 stellte mit der Übernahme von Compaq Computer für knapp 19 Mrd. US-Dollar einen weiteren wichtigen Meilenstein in der Unternehmensgeschichte der Firma dar.

Heute entwickelt das Unternehmen nicht nur Drucker, sondern auch Software, Computer und andere Hardware, wie Speicher- sowie Windows- und Unix-basierte Serversysteme. Aber auch Handheld-Computer, Taschenrechner, Scanner, Fax-Geräte, Digitalkameras und Kopiergeräte ergänzen das Hardwareangebot. Insgesamt operiert HP heute aus sieben Kerngeschäftsbereichen heraus: Enterprise Storage and Servers (ESS), HP Services (HPS), Software, Personal Systems Group (PSG), Imaging and Printing Group (PG), HP Financial Services (HPFS) und Corporate Investments.

Das Hardwaregeschäft trug zuletzt den Großteil der gesamten Umsätze der Gesellschaft. Zu den Kunden, welche HP-Services in Anspruch nehmen zählen neben Microsoft, auch BroadVision, i2, SAP und Ariba. Zuletzt wuchs HP nicht zuletzt durch Zukäufe. Allein in den letzten Jahren wurden mehr als ein Dutzend Firmen übernommen.

So übernahm HP in 2002 den Computerhersteller Compaq Computer für und rund 19 mrd. Dollar - die bislang größte Übernahme des Unternehmens. Gleichzeitig kaufte HP den Druckerspezialisten Indigo, welcher den Bereich Offset-Druck und digitale Druckprozesse für industrielle Großkunden ergänzen soll. Im Jahr 2003 folgte die Übernahme der schwedischen PipeBeach sowie Geschäftsbereiche der englischen Baltimore Technologies. Im Jahr 2004 kaufte HP die Softwarefirmen Novadigm und Consera Software, sowie die ThyssenKrupp-Tochter Triaton. Später folgten die Zukäufe des englischen IT-Spezialisten Synstar, sowie die Übernahme von ApplQ, RLX Technologies, Peregrine Systems und Scitex Vision. Mitte 2006 kaufte HP die Schweizer Silverwire Holdings AG, sowie den Softwarespezialisten Mercury Interactive. Anschließend folgten weitere Zukäufe. So wurden die Software- und IT-Spezialisten Knightsbridge Solutions, Bitphone Corporation, Bristol Technologies, der Thin-Client-Spezialist Neoware und der US-Softwareanbieter Opsware übernommen. Anfang 2008 setzte HP seine Einkaufstour fort und schluckte neben den Softwarespezialisten Tower Software, auch gleich den weltweit zweitgrößten IT-Servicespezialisten Electronic Data Systems für knapp 14 Mrd. Dollar.

Zahlen

Für das vergangene erste Quartal 2008 meldete HP einen Umsatzanstieg auf 28,5 Mrd. US-Dollar, nach Einnahmen von 25,1 Mrd. Dollar im Jahr vorher. Der Gewinn kletterte dabei um 38 Prozent auf 2,13 Mrd. Dollar oder 80 US-Cent je Aktie, nach einem Plus von 1,55 Mrd. Dollar oder 55 US-Cent je Aktie im Jahr vorher.

Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen konnte HP im jüngsten Quartal einen Nettogewinn von 86 US-Cent je Aktie realisieren und damit die Markterwartungen übertreffen. Analysten hatten im Vorfeld nur mit Einnahmen von 27,6 Mrd. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von 81 US-Cent je Aktie kalkuliert.

Die Computer-Division konnte im jüngsten Quartal 27 Prozent mehr PCs ausliefern. Jedoch zeigte das Geschäft mit Druckern für Privatkunden erste Schwächen. Hier fielen die Auslieferzahlen um zwei Prozent. Insgesamt konnte die Einheit Personal Systems Group (PSG), in der das PC-Geschäft zusammengefasst ist, seine Erlöse um 24 Prozent auf 10,8 Mrd. Dollar steigern. Die Umsatzerlöse mit Notebooks kletterten um 37 Prozent, während die Desktop-Erlöse um 15 Prozent anzogen. Insgesamt konnte die Einheit einen operativen Gewinn von 628 Mio. Dollar erzielen, nach einem operativen Plus von 414 Mio. Dollar im Jahr vorher.

Das Druckergeschäft, zusammengefasst in der Einheit Imaging and Printing Group (IPG), verbuchte ein Umsatzwachstum auf 7,3 Mrd. Dollar - ein Zuwachs von vier Prozent. Der operative Gewinn der Einheit summierte sich auf 1,2 Mrd. Dollar, nach 1,1 Mrd. Dollar im Jahr vorher.

Im Bereich Speicher und Server meldet HP einen Umsatzanstieg auf 4,8 Mrd. Dollar, was einem Zuwachs von neun Prozent entspricht. Während die Server-Erlöse um elf Prozent wuchsen, zogen die Speicher-Erlöse um zehn Prozent an. Insgesamt konnte die Division einen operativen Gewinn von 673 Mio. Dollar erwirtschaften.

Meldung gespeichert unter: Hewlett Packard (HP)

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