Google zwingt Microsoft in die Vernunftehe

Donnerstag, 30. Juli 2009 12:49
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(IT-Times) - Jetzt also doch. Der weltweit größte Softwarekonzern Microsoft (Nasdaq: MSFT, WKN: 870747) hat sich mit dem Internet-Portal Yahoo auf eine zehnjährige Zusammenarbeit im Suchmaschinen- und Werbesektor geeinigt, um gegen den Branchenprimus Google bestehen zu können.

Wichtigste Nachricht dabei: Microsoft wird keine Vorauszahlungen an Yahoo leisten, sondern tritt in den ersten fünf Jahren 88 Prozent der Suchmaschinenerlöse ab, die über Yahoo-Seiten generiert werden. Gleichzeitig kann Microsoft seine neue Suchmaschine Bing.com einem breiteren Publikum präsentieren, denn Bing.com wird die bisherige Yahoo-Suchmaschine auf Yahoo-Seiten ablösen. Dadurch kann Microsoft mit einem Schlag seinen Marktanteil im US-Suchmaschinenmarkt von zuletzt etwa acht bis neun Prozent, auf knapp 30 Prozent steigern - zumindest theoretisch.

Google der Gewinner der Notgemeinschaft?
Dennoch bleibt abzuwarten, wie reibungslos sich die Partnerschaft innerhalb eines Jahres umsetzen lässt. Denn sowohl Microsoft und Yahoo wollen an eigenen Vertriebs- und Werbeteams festhalten und auch nur so viele Suchmaschinendaten miteinander teilen, wie notwendig, um die Privatsphäre der Nutzer nicht zu verletzen. Damit scheinen Synergieeffekte, die durch die Kombination der beiden Suchmaschinenplattform normalerweise entstehen würden, auf ein gewisses Maß begrenzt.

Auch ist damit noch keineswegs ausgemacht, ob Microsoft mit diesem Schachzug den Vormarsch von Google tatsächlich stoppen kann, denn weltweit kommt der Suchmaschinenmarktführer auf einen Marktanteil von 67 Prozent, während Yahoo und Microsoft selbst gemeinsam global nur auf einen Marktanteil von elf Prozent kommen.

Microsoft und Yahoo bleiben weiter Rivalen
Gleichzeitig werden die Integrationsarbeiten Ressourcen sowohl bei Microsoft, als auch bei Yahoo binden, so dass Google einmal mehr Zeit erhält, auf den Vorstoß der beiden Internet-Konkurrenten zu reagieren. Daneben werden Yahoo und Microsoft in anderen Internet-Bereichen weiter Rivalen bleiben, was die Zusammenarbeit der beiden Firmen nicht gerade erleichtern dürfte.

Dennoch könnte sich der Deal für Microsoft langfristig lohnen. Das Unternehmen rückt damit nicht nur seine neue Suchmaschine Bing.com, sondern auch seine AdCenter Werbeplattform stärker in den Mittelpunkt, was zumindest erreichen könnte, um das zuletzt defizitäre Geschäft mit Online-Services in die Gewinnzone zu hieven…

Kurzportrait

In den 80er und 90er Jahren gelang dem Softwarespezialisten Microsoft der Aufstieg zum weltweit größten Softwarehersteller. Mit seinem Windows Betriebssystem eroberte das Unternehmen schnell die Schreibtischbüros in den Firmen als auch bei den Privatanwendern. Mit Vista schickte Microsoft in 2007 seine neueste Betriebssystemgeneration ins Rennen. Das Kerngeschäft bildet heute der Bereich Desktop- und Client-Systeme, worunter populäre Anwendungen wie Microsoft Office fallen, sowie der Geschäftsbereich rund um die bekannte Windows-Plattform. Aber auch andere Geschäftsbereiche, wie das wachstumsstarke Server-Geschäft tragen inzwischen zum Unternehmensgewinn bei. Auch die Entertainment und Devices-Einheit, in der unter anderem das Xbox-Geschäft zusammengefasst ist, erreichte zuletzt die Gewinnzone.

Daneben betreibt das Unternehmen noch den Internetzugangs- und Nachrichtendienst MSN, der inzwischen schwarze Zahlen schreibt. Durch das gemeinsam mit Accenture gegründete Joint Venture Avanade versucht Microsoft im Bereich IT-Services Fuß zu fassen. Mit der Übernahme von Great Plains Software will Microsoft daneben kleinere und mittlere Unternehmen ansprechen. Gleichzeitig stieg Microsoft mit der Marke Zune und dem gleichnamigen Musikdienst in den Markt für MP3-Player ein.

Nach der Übernahme der dänischen Navision, kaufte Microsoft das Startup XDegrees. Zudem wurde der Webkonferenzanbieter PlaceWare übernommen. Im Jahr 2005 folgte die Übernahme von Groove Networks und MessageCast. Mitte 2005 schloss Microsoft die Übernahme des Sicherheitsspezialisten Sybari Software ab. Zum Ende des Jahres 2005 verstärkte sich Microsoft mit der Übernahme des Management-Spezialisten UMC. Auch im Jahr 2006 blieb Microsoft weiter auf Einkaufstour und schluckte den britischen Foto-Katalogsoftwareanbieter iView Multimedia sowie den Windows-Spezialisten Winternals Software. Ebenfalls übernommen wurde der Ingame-Werbespezialist Massive. Mitte 2007 schloss Microsoft die Übernahme des Web- und Marketing-Spezialisten aQuantive ab. Gleichzeitig wurden mit der Werbebörse AdECN, dem Softwareanbieter Engyro und dem Shopping-Dienst Jellyfish.com weitere Firmen hinzugekauft. Anfang 2008 schluckte Microsoft den norwegischen Suchmaschinenspezialisten Fast Search & Transfer. Später wurde der Datenspeicherspezialist DATAllegro übernommen. Im Herbst 2008 folgte die Übernahme des Verbraucherportals Ciao.com. Mitte 2009 einigte sich Microsoft mit Yahoo auf ein 10-Jahresabkommen, wonach Microsofts Bing.com künftig als bevorzugte Suchmaschine bzw. Technik auf Yahoo-Seiten fungieren wird.

Gemeinsam mit dem TV-Sender NBC betreibt Microsoft den Nachrichtenkanal MSNBC.

Seit mehreren Jahren engagiert sich Microsoft auch im Konsolengeschäft (Xbox). Mit seiner neuen Konsolen-Generation Xbox 360 will Microsoft dem Platzhirschen Sony vom Thron stoßen. Unternehmensmitgründer Bill Gates zog sich zwar als Unternehmenschef zurück, hält aber nach wie vor eine Minderheitsbeteiligung an Microsoft.

Zahlen

Für das vergangene vierte Fiskalquartal 2009 meldet Microsoft einen Umsatzrückgang um 17 Prozent auf 13,1 Mrd. Dollar. Der Gewinn brach dabei um 29 Prozent auf 3,05 Mrd. Dollar oder 34 US-Cent je Aktie, nachdem Microsoft im Jahr vorher noch 4,3 Mrd. Dollar oder 46 US-Cent je Aktie verdiente.

Nachdem Kunden, die sich noch für Windows Vista entscheiden, ein kostenloses Upgrade auf Windows 7 erhalten, hat Microsoft 276 Mio. im Bezug auf den Windows-Umsatz abgegrenzt. Dies habe den Nettogewinn um zwei US-Cent je Aktie belastet, heißt es. Daneben belasteten weitere Aufwendungen in Höhe von 193 Mio. Dollar für Gerichtskosten das Ergebnis. Wertberichtigungen auf Investments schmälerten den Gewinn um 108 Mio. Dollar. Insgesamt haben diese außergewöhnlichen Belastungen den Gewinn um weitere zwei US-Cent je Aktie reduziert. Ausgenommen aller etwaiger Sonderfaktoren verdiente Microsoft im jüngsten Quartal 38 US-Cent je Aktie.

Mit den vorgelegten Zahlen verfehlte Microsoft vor allem die Umsatzerwartungen deutlich. Analysten hatten im Vorfeld mit Einnahmen von 14,37 Mrd. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von 36 US-Cent je Aktie gerechnet. Trotz des enttäuschenden Abschneidens hob Microsoft-Finanzchef Chris Liddell die positiven Ergebnisse hervor. So gelang es Microsoft binnen eines Jahres operative Kosten von 750 Mio. Dollar einzusparen.

Allerdings gingen die Umsätze in sämtlichen Microsoft-Geschäftssparten zurück. So verzeichnete die Client-Einheit, die das Windows-System- und Desktop-Geschäft umfasst, einen Rückgang auf 3,11 Mrd. Dollar, nach 4,36 Mrd. Dollar im Jahr vorher. Der operative Gewinn der Einheit schrumpfte auf 2,17 Mrd. Dollar, nach einem Plus von 3,25 Mrd. Dollar im Jahr vorher.

Meldung gespeichert unter: Microsoft

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