Google startet unsicher ins neue Jahr - China-Disput belastet

Dienstag, 26. Januar 2010 13:41
Google Konfuzius

(IT-Times) - Der US-Suchmaschinenmarktführer Google (Nasdaq: GOOG, WKN: A0B7FY) konnte zwar im jüngsten Quartal erneut mit sehr guten Zahlen glänzen, diese wurden jedoch zuletzt überschattet durch den Disput mit der chinesischen Regierung.

Nach Hacker-Attacken auf Google Gmail-Konten hatte das Unternehmen damit gedroht, sich aus China zurückzuziehen. Daneben will man sich auch den Zensurvorschriften der chinesischen Administration nicht länger beugen. Sollte sich Google aus China wirklich zurückziehen, würde der Suchmaschinengigant einen Milliardenmarkt aufgeben.

China-Disput könnte in wenigen Wochen gelöst sein
Marktbeobachter halten einen vollständigen Rückzug allerdings für wenig wahrscheinlich, steht damit ein Stück Zukunft von Google in Asien auf dem Spiel. Zu wichtig ist inzwischen der chinesische Suchmaschinenmarkt, der im vergangenen Jahr auf eine Mrd. Dollar wuchs. Google ist in China zwar nur die Nummer zwei im Markt hinter Baidu, konnte jedoch in den vergangenen Jahren sukzessiv Boden in Sachen Marktanteile gut machen.

So waren in den letzten Tagen wieder versöhnlichere Töne bei Google im Bezug auf das Thema China zu hören. Google-Chefanwalt David Drummond ließ verlauten, dass man den Disput in den nächsten Wochen lösen könne, sollte China zu Zugeständnissen bei der Internetzensur bereit sein.

Doch ganz auszuschließen ist ein Rückzug aus China dennoch nicht, sollten sich die chinesischen Behörden weiterhin stur zeigen. Insbesondere den Google-Mitgründern Larry Page und Sergey Brin scheint es weniger ums Geld zu gehen, sondern vielmehr ums Firmenimage (Don`t be evil). Der Anstoß zum Aufstand in China soll auf drängen der beiden Google-Mitgründer gekommen sein, wie es in US-Medien heißt. Dabei ist es wenig verwunderlich, dass sich die beiden Gründer vorsorglich schon mal von insgesamt zehn Mio. Google-Anteilen in den nächsten fünf Jahren trennen wollen, um Kasse zu machen.

Google drängt weiter in den Mobilfunkmarkt
Durch die Hacker-Attacke geriet ein wichtiger Meilenstein fast in den Hintergrund. Das Unternehmen präsentierte zu Jahresbeginn mit dem Nexus One sein erstes eigenes Smartphone, mit dem das Unternehmen den Erfolgskurs mit seinem Mobilfunkbetriebssystem Android weiter fortsetzen will.

Tatsächlich prophezeien Marktforscher aus dem Hause IDC Android eine große Zukunft. Bereits im Jahr 2013 dürften 68 Mio. Android-Handys verkauft werden, womit sich das Android hinter Symbian OS auf Platz zwei im Markt für mobile Betriebssysteme einreihen dürfte. Zum Vergleich: Im Jahr 2009 wurden gerade einmal sechs Mio. Android-Geräte verkauft.

Schwer abzuschätzen ist allerdings das Erfolgspotential des Google-Smartphones. In der ersten Woche sollen nur 20.000 Stück des Google-Handys verkauft worden sein, wie die PC World berichtet. Dennoch glauben die Finanzanalyseexperten aus dem Hause Tefis, dass das Google-Smartphone im laufenden Jahr 2010 bereits 2,8 Mrd. Dollar zum Gesamtumsatz beisteuern könnte. Im Jahr 2013 sollen es bereits elf Mrd. Dollar sein, so die Tefis-Prognosen. Ob sich diese Zahlen realisieren lassen, wird nicht zuletzt davon abhängen, wie schnell Google sein neues Smartphone in andere Länder exportieren bzw. neue Carrier-Partner gewinnen kann….

Kurzportrait
Die Internet-Suchmaschine Google, gegründet im Jahre 1998 und ansässig im kalifornischen Mountain View, gilt als die weltweit meistgenutzte Suchmaschine, wobei das Unternehmen täglich mehrere Milliarden Suchanfragen im Monat abwickelt.

Google setzt dabei auf einen Algorithmus, der Web-Seiten aufgrund ihrer Popularität an prominenter Stelle listet. Je häufiger andere Web-Seiten auf die entsprechende Seite verlinken, desto höher der Rang in der Ergebnisliste (Pagerank). Google hat seine Suchtechnologie inzwischen an über 100 andere Unternehmen lizenziert. Haupteinnahmequelle ist jedoch das Werbeprogramm Google AdWords und das Werbenetzwerk Google AdSense. Über Google AdWords können Firmen Schlüsselwörter buchen, die bei der Suchausgabe den Werbetreibenden an prominenter Stelle als Textlink platzieren. Das Google AdSense-Programm steht Homepage-Betreibern offen, die auf ihren Seiten zielgerichtete Werbung platzieren wollen.

Neben der Suche nach Web-Seiten, lassen sich über Google News auch aktuellste Nachrichten aus über 10.000 Quellen abfragen. Mit Google Image Search können Nutzer auch nach Grafiken, Bildern und Fotos im Web suchen. Mit Google Print will das Unternehmen künftig auch das Durchsuchen ganzer Bücher ermöglichen. Auch über das Handy soll künftig das Suchen per SMS möglich sein. Mit Google Product Search bietet das Unternehmen einen Preisvergleichsservice und eine Produkt-Suche an. Mit Google Desktop Search will die Suchmaschine auch den Heim-PC der Nutzer erobern, wobei sich dadurch Dateien auf der Festplatte oder Email-Postfächer durchsuchen lassen.

Mit Gmail ist das Unternehmen mit einem kostenfreien Email-Webservice am Start, der sich über Werbung finanziert. Mit Google Base stieg das Unternehmen im Herbst 2005 in den Markt für Kleinanzeigen ein. . Daneben stieg das Unternehmen mit Google Finance in den Finanzbereich ein. Mit Google CheckOut brachte das Unternehmen Mitte 2006 einen eigenen Online-Zahlungsdienst auf den Markt.

Mit der Übernahme des Blogging-Spezialisten Blogger.com stieg Google in den Blogging-Markt ein. Anfang 2006 schloss Google die Übernahme des Radio-Marketingspezialisten dMarc Broadcasting ab. Mit iGoogle ist das Unternehmen im Markt für personalisierbare Homepages vertreten. Im Herbst 2006 übernahm man schließlich die führende Online-Videoseite YouTube.com für rund 1,6 Mrd. Dollar. 3,1 Mrd. Dollar ließ sich Google im Jahr 2007 die Übernahme des Online-Werbespezialisten DoubleClick kosten. Gleichzeitig kaufte Google eine ganze Reihe weiterer Firmen auf. So wurden mit Panoramio, PeakStream, Zenter, Feedburner, GrandCentral, Postini, ImageAmerica, Zingku, Jaiku, der russischen Begun, der südkoreanischen Tatter and Company und ReCAPTCHA weitere kleine Zukäufe getätigt. Daneben brachte Google mit Android ein Betriebssystem für Handys auf den Markt. Mit dem Web-Browser Chrome ist Google inzwischen auch am Browser-Markt engagiert. Mit dem Nexus One stellte Google Anfang 2010 sein erstes eigen entwickeltes Smartphone vor.

Die beiden Unternehmensgründer Sergey Brin und Larry Page hielten zuletzt beide eine Minderheitsbeteiligung an Google.

Zahlen
Im vergangenen vierten Quartal 2009 kehrte Google zu einem zweistelligen Umsatzwachstum zurück und konnte seine Nettoerlöse um 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 6,7 Mrd. US-Dollar steigern. Dies entspricht gleichzeitig einem Plus von zehn Prozent gegenüber dem Vorquartal.

Meldung gespeichert unter: Alphabet

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