Google der Gewinner der Übernahmeschlacht?

Montag, 4. Februar 2008 12:47
Google Logo

(IT-Times) Nicht nur, das der US-Suchmaschinenmarktführer Google (Nasdaq: GOOG, WKN: A0B7FY) im jüngsten Quartal die Erwartungen verfehlte, nunmehr sitzt dem Unternehmen auch noch das Duo Microsoft/Yahoo im Nacken. Mit der Übernahmeoffensive will das Redmonder Softwarehaus endgültig zu Google aufschließen und dem Internetgiganten aus Mountain View das Leben schwer machen.

Tatsächlich würde eine Fusion von Microsoft und Yahoo einen Marktführer im Bereich Web-basierter Email-Dienste schaffen. Microsoft gilt derzeit mit Hotmail als Marktführer in diesem Bereich, während Yahoo! Mail in diesem Segment auf Platz zwei liegt. Auch in Sachen Instant-Messaging und im Portal-Geschäft würde der fusionierte Konzern eine marktführende Stellung einnehmen und Google hätte zunächst das Nachsehen.

Doch ob die Mega-Fusion tatsächlich zu Stande kommt, ist keines Wegs sicher. Zum einen scheint Yahoo-Mitgründer Jerry Yang wenig gefallen an dem Gedanken zu finden, sein Lebenswerk an Microsoft zu verscherbeln, zum anderen gehen solche Mega-Fusionen oft schief und vernichten in der Regel Werte. Bestes Beispiel ist die Fusion Time Warner mit AOL. Die angestrebten Synergien konnten nie erreicht werden.

So verwundert es nicht, dass Yahoo bereits mit einer Allianz mit dem Rivalen Google liebäugelt, nachdem Google-Chef Eric Schmidt am Wochenende Yang bereits Hilfe angeboten haben soll, um den drohenden Zusammenschluss abzuwenden. Yahoo hat in diesem Spiel um die Vorherrschaft im Web viel zu verlieren, denn hier steht nicht weniger die Eigenständigkeit und damit die Marke Yahoo auf dem Spiel. Yahoo könnte damit ein ähnliches Schicksal drohen, wie der Marke Netscape - trotz der Pionierleistung im Web-Browser-Markt ist die Marke heute de facto tot.

Wenn sich zwei streiten, freut sich der Dritte
Wie auch immer die Übernahmeschlacht um Yahoo ausgehen wird, der Gewinner dieses Schaukampfes steht bereits heute schon fest: Google. Sollte die Fusion zwischen Yahoo und Google tatsächlich zu Stande kommen, wird sich Microsoft einem komplexen Integrationsaufwand bzw. Verfahren gegenüber sehen, während Google seine Technik weiterentwickeln und seine Marktanteile im Suchmaschinenmarkt weiter ausbauen kann.

Sollte Yahoo weiter selbständig bleiben, wird das Unternehmen versuchen über Partner und Allianzen stärker in andere Bereiche vorzudringen, die noch nicht von Google dominiert werden. Ähnliches ist Yahoo bereits mit der Übernahme des Fotodienstes Flickr geglückt. Dennoch dürfte die Microsoft-Offerte Yahoo unter Druck setzen, eine schnelle bzw. eventuell unausgegorene Lösung zu finden, was den Suchmaschinenpionier langfristig weiter schwächen könnte…

Kurzportrait
Die Internet-Suchmaschine Google, gegründet im Jahre 1998 und ansässig im kalifornischen Mountain View, gilt als die weltweit meistgenutzte Suchmaschine, wobei das Unternehmen täglich mehr als 200 Mio. Suchanfragen abwickelt.

Google setzt dabei auf einen Algorithmus, der Web-Seiten aufgrund ihrer Popularität an prominenter Stelle listet. Je häufiger andere Web-Seiten auf die entsprechende Seite verlinken, desto höher der Rang in der Ergebnisliste. Google hat seine Suchtechnologie inzwischen an über 100 andere Unternehmen lizenziert. Haupteinnahmequelle ist das Werbeprogramm Google AdWords und das Werbenetzwerk Google AdSense. Über Google AdWords können Firmen Schlüsselwörter buchen, die bei der Suchausgabe den Werbetreibenden an prominenter Stelle als Textlink platzieren. Das Google AdSense-Programm steht Homepage-Betreibern offen, die auf ihren Seiten zielgerichtete Werbung durch Googles AdWords platzieren wollen. Für besonders populäre Web-Seiten, die mehr als 20 Mio. Seitenaufrufe verzeichnen, bietet Google weitergehende Services an.

Neben der Suche nach Web-Seiten, lassen sich über Google News auch aktuellste Nachrichten aus über 10.000 Quellen abfragen. Mit Google Image Search können Nutzer auch nach Grafiken, Bildern und Fotos im Web suchen. Mit Google Print will das Unternehmen künftig auch das Durchsuchen ganzer Bücher ermöglichen. Auch über das Handy soll künftig das Suchen per SMS möglich sein.

Mit Google Product Search bietet das Unternehmen einen Preisvergleichsservice und eine Produkt-Suche an. Mit Google Desktop Search will die Suchmaschine auch den Heim-PC der Nutzer erobern, wobei sich dadurch Dateien auf der Festplatte oder Email-Postfächer durchsuchen lassen. Mit Gmail ist das Unternehmen mit einem kostenfreien Email-Webservice am Start, der sich über Werbung finanziert. Mit Google Base stieg das Unternehmen im Herbst 2005 in den Markt für Kleinanzeigen ein. Gleichzeitig kaufte Google den Blogging-Spezialisten Blogger.com. Anfang 2006 schloss Google die Übernahme des Radio-Marketingspezialisten dMarc Broadcasting ab. Ferner beteiligte sich Google mit einer Mrd. Dollar mit fünf Prozent an AOL. Gleichzeitig kaufte Google sein Hauptquartier (Googleplex) im Silicon Valley für 319 Mio. Dollar und stieg mit Google Finance in den Finanzbereich ein. Mit Google CheckOut brachte das Unternehmen Mitte 2006 einen eigenen Online-Zahlungsdienst auf den Markt. Mit iGoogle ist das Unternehmen im Markt für personalisierbare Homepages vertreten. Im Herbst 2006 übernahm man schließlich die führende Online-Videoseite YouTube.com. 3,1 Mrd. Dollar ließ sich Google im Frühjahr 2007 die Übernahme des Online-Werbespezialisten DoubleClick kosten. Gleichzeitig kaufte Google eine Reihe weiterer Firmen auf. So wurden mit Panoramio, PeakStream, Zenter, Feedburner, GrandCentral, Postini, ImageAmerica, Zingku und Jaiku weitere kleine Zukäufe getätigt.

Die beiden Unternehmensgründer Sergey Brin und Larry Page hielten zuletzt beide eine Minderheitsbeteiligung an Google.

Zahlen
Für das vergangene Dezemberquartal meldet Google einen Umsatzanstieg auf 4,83 Mrd. US-Dollar, was einem Zuwachs von 51 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Abzüglich Partnerprovisionen ergibt sich ein Nettoumsatz von 3,39 Mrd. Dollar. Dabei konnte Google einen Gewinn von 1,21 Mrd. Dollar oder 3,79 Dollar je Aktie realisieren, ein Zuwachs von lediglich 17 Prozent, nach einem Plus von 1,03 Mrd. Dollar oder 3,29 Dollar je Aktie im Vorjahreszeitraum.

Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen durch Aktienoptionen, konnte Google einen Nettogewinn von 4,43 Dollar je Aktie realisieren und blieb damit einen US-Cent je Aktie hinter den Markterwartungen zurück. Analysten hatten im Vorfeld mit einem Nettoumsatz von 3,45 Mrd. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von 4,45 Dollar je Aktie kalkuliert.

Meldung gespeichert unter: Suchmaschinen

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