Garmin steuert in ungewisse Zukunft

Donnerstag, 6. Mai 2010 13:30
Garmin

(IT-Times) - Die Aktien des führenden amerikanischen Navi-Herstellers Garmin (Nasdaq: GRMN, WKN: 577963) kamen am Vortag an der Nasdaq kräftig unter die Räder, nachdem das Unternehmen die Gewinnerwartungen der Wall Street verfehlte. Am Ende des Handelstages stand ein dickes Kursminus von knapp 8,8 Prozent zu Buche.

Im Kerngeschäft Automotive/Mobile, in der das Geschäft mit portablen Navigationssystemen zusammengefasst ist, schrumpften die Erlöse um 15 Prozent auf 221 Mio. Dollar. Analysten und Marktbeobachter werten die Zahlen dahingehend, dass sich die Ära der portablen Navigationssysteme dem Ende neigt.

PND-Markt verliert an Bedeutung
Der PND-Markt wird zunehmend durch Smartphones mit Navigationsfunktion und integrierte Navigationssysteme in Neufahrzeuge aufgerieben, glaubt zumindest Wedbush Morgan Analyst Scott Sutherland. Während Dash-Navigationssysteme in Neufahrzeuge fest installiert sind, lassen sich portable Navigationssysteme schnell entfernen und in neuen bzw. anderen Fahrzeugen unterbringen, ohne das der Eigentümer ein neues Navi anschaffen muss.

Der PND-Markt droht langfristig in der Irrelevanz zu verschwinden, glaubt Oppenheimer Analyst Yair Reiner und verweist auf die Konkurrenz durch kostenlose Navigationssoftware von Nokia und Google, die der Nutzer auf seinem Smartphone installieren kann.

Umso wichtiger ist es für Garmin neue Markt- und Wachstumsbereiche neben dem PND-Markt zu erschließen. Die bisherigen Vorstöße im Smartphone-Markt mit dem gemeinsam mit Asustek entwickelten nüvifone waren bislang allerdings nicht von Erfolg gekrönt. Abhilfe sollen nunmehr die beiden Android-basierten Smartphones A50 und A10 schaffen. Das A10 kommt mit einem 3,2-Zoll großen HVGA-Touchscreen Display und einer 5-Megapixel Kamera daherkommt.

Das Android-Handy ist mit einer Reihe von Google-Anwendungen (Google Mail, Google Maps, YouTube etc.) bestückt und natürlich als Garmin-Handy sehr navigationsfreundlich. Auf den Markt kommen soll das neue A10 dann Mitte 2010 in Europa und in Asien, während das A50 über den Partner T-Mobile in den USA und über O2 in Deutschland vermarktet werden soll.

Garmin kauft Raymarine für 19 Mio. Dollar
Daneben verstärkte sich Garmin im bislang kleinsten Geschäftsbereich und kaufte den verschuldeten Navigationsausrüster Raymarine für 19 Mio. US-Dollar. Das britische Unternehmen hat sich insbesondere auf die Entwicklung von Navigationssystemen für Boote spezialisiert.

Das entsprechende Marine-Segment bei Garmin gilt mit einem Quartalsumsatz von 41 Mio. Dollar als der kleinste Geschäftsbereich, allerdings wuchs die Sparte im Gegensatz zur Automotive-Division zuletzt um neun Prozent.

Die Übernahme von Raymarine dürfte nicht der letzte Zukauf gewesen sein, wie Garmin-Finanzchef Kevin Rauckman in der Bilanzpressekonferenz durchblicken ließ. Man wolle weitere Übernahmemöglichkeiten ausloten, um die Jahresziele erreichen zu können, heißt es. Dies ist auch dringend notwendig, denn bislang steuerte die schwächelnde Automotive/Mobile Sparte mehr als die Hälfte zum Garmin-Gesamtumsatz bei…

Kurzportrait

Die im Jahre 2000 gegründete Garmin Ltd, ansässig in George Town/Cayman Islands, ist ein führender Anbieter von Navigationssystemen auf Basis von GPS-Technologie (Global Positioning Systems). Garmin bietet jedoch längst nicht mehr nur Produkte für die Marine und Luftfahrttechnik an, sondern auch für den Privatverbraucher. Darüber hinaus finden die Navigationssysteme der Gesellschaft auch immer mehr Einzug in die Automobilindustrie.

Garmins Geschäftsstruktur besteht aus vier Kerngeschäftsbereiche: Automotive/Mobile, Marine, Outdoor/Fitness und Aviation. Nach der Übernahme von UPS Aviation Technologies im August 2003 vermarktet Garmin die übernommene Technik unter dem Dach von Garmin AT. Ende 2005 verstärkte sich Garmin durch die Übernahme des Softwarespezialisten MotionBased Technologies LLC. Ende 2006 kaufte Garmin die kanadische Dynastream Innovations, nachdem zuvor bereits die Spezialisten Digital Cyclone und Nautamatic Marine Systems übernommen wurden. Anfang 2007 folgte die Übernahme des französischen GPS-Vertriebshändler EME Tec Sat SAS. Später kaufte man sowohl den deutschen Vertriebspartner GPS GmbH, als auch den spanischen GPS-Händler Electronica Trepat SA, den italienischen Vertriebspartner Synergy und den dänischen Garmin-Händler Fairpoint Navigation AS sowie die österreichische Puls Elektronik GmbH. Anfang 2008 gründete Garmin mit der Garmin Australasia Pty Ltd. eine neue Asien-Pazifik-Tochter.

Zudem übernahm Garmin mit Formar Electronics N.V./S.A., der finnischen NavCor Oy und der schwedischen Sportmanship International AB weitere Garmin-Händler in Belgien, Finnland und Schweden. Auch die portugiesische SatSignal- Equipamentos de Comunicacoes e de Navegacao wurde hinzugekauft - das Unternehmen soll künftig unter dem Namen Garmin Portugal- Equipamentos de Comunicacao e Navegacao, S. A. operieren. Im Frühjahr 2010 verstärkte sich Garmin durch die Übernahme der britischen Raymarine.

Die Produktpalette für Verbraucher umfasst unter anderem Handheld-Navigationssysteme und PDA-Geräte. So stellte das Unternehmen Mitte 2003 mit dem PDA iQue 3600 den ersten GPS-basierten Handheld-Computer vor. Mit der StreetPilot- und Nüvi-Produktreihe stellte Garmin neue portable Navigationssysteme für die Automobilindustrie vor. Die Systeme verfügen über einen hoch auflösenden Tochscreen und über einen Routen-Planer. Mit dem Forerunner hat Garmin einen Trainingsassistenten für Freizeitsportler und Marathonläufer im Programm.

Der Geschäftsbereich Aviation entwickelt spezielle Navigationssysteme für die Luftfahrtindustrie. So setzen auch die Flugzeugspezialisten Cessna und New Piper als auch der Boothersteller Ranger auf Navigationsprodukte aus dem Hause Garmin. Produkte für den Privatverbraucher vertreibt Garmin unter anderem über die Einzelhändler Bass Pro Shops, Best Buy und Wal Mart.

Zahlen

Für das vergangene Märzquartal meldet Garmin einen Umsatzrückgang auf 431,1 Mio. US-Dollar, nach Einnahmen von 436,7 Mio. Dollar im Jahr vorher. Der Gewinn schrumpfte auf 37,3 Mio. Dollar oder 19 US-Cent je Aktie, nach einem Profit von 48,5 Mio. Dollar oder 24 US-Cent je Aktie in der Vorjahresperiode.

Meldung gespeichert unter: Garmin

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