First Solar stoppt Produktionsausbau - Unternehmen leitet Strategiewechsel ein

Donnerstag, 1. März 2012 14:10
First Solar

(IT-Times) - Land unter heißt es derzeit beim weltgrößten Dünnschichtsolarkonzern. Die amerikanische First Solar hat im vergangenen vierten Quartal überraschend einen Verlust ausgewiesen und seinen Umsatzausblick für das laufende Gesamtjahr 2012 gesenkt - die Aktien brachen am Vortag unter hohen Umsätzen um mehr als elf Prozent ein.

Das Unternehmen hat längst auf Survival-Modus umgeschaltet und rechnet auch im laufenden Jahr mit enormen Herausforderungen, nachdem die Subventionen für Solarstrom in einigen Schlüsselmärkten weiter sinken dürften. Vor allem in Deutschland rechnen Brancheninsider mit einem Zusammenbruch des Marktes, sollte die anvisierte Solarförderung zum 9. März um weitere 30 Prozent gekürzt werden.

First Solar will mit 3-Jahresplan gegensteuern - Unternehmen stoppt Produktionsausbau
First Solar (Nasdaq: FSLR, WKN: A0LEKM) sieht dann auch den Schlüssel für den weiteren Erfolg in der Entwicklung bzw. Erschließung neuer Märkte. Nachdem in europäischen Ländern wie in Deutschland und Italien die Subventionen für Sonnenstrom auf absehbare Zeit weiter sinken werden, sieht sich auch First Solar gezwungen, seine Strategie zu ändern.

Wie viele andere Solarfirmen auch, hatte sich auf First Solar auf die Subventionsmaschinerie westlicher Regierungen verlassen, die in den letzten Jahren für einen Großteil der Nachfrage verantwortlich zeichnete. Diese Zeiten sind nunmehr vorbei. Bei First Solar arbeitet man nunmehr an einem 3-Jahresplan, den das Unternehmen im Mai näher diskutieren will.

Erste Maßnahmen wurden aber jetzt schon bekannt. Im First Solar Werk in Deutschland sollen ab März 1.200 Mitarbeiter nur noch Kurzarbeit verrichten und das für mindestens sechs Monate. Eine neu geplante Fabrik in Vietnam wird zunächst nicht in Betrieb gehen, auch die Produktion im neuen 250-Megawatt-Werk in Mesa/Arizona wird zunächst nicht anlaufen.

Produktionskosten sollen sinken - Wirkungsgrade steigen
Daneben will First Solar seine Produktionskosten pro Watt weiter senken. Nachdem diese im vierten Quartal bereits von 0,75 auf 0,73 US-Dollar pro Watt gesunken sind, will First Solar die Herstellungskosten im laufenden Jahr auf 0,67 Dollar je Watt drücken, merkt Auriga USA Analyst Chandra Polavarapu an. In 2015 sollen die Produktionskosten dann weiter auf 0,52 Dollar pro Watt fallen, gleichzeitig soll der Wirkungsgrad der Dünnschichtmodule weiter steigen.

Im laufenden Jahr visiert First Solar einen durchschnittlichen Modulwirkungsgrad von 12,7 Prozent bei seinen Dünnschichtmodulen an, im Jahr 2015 sollen dann Dünnschichtmodule mit einem Wirkungsgrad von 15 Prozent vom Band laufen.

Das Hauptanliegen des Managements gilt aber der Eroberung neuer Märkte. Die Solarmärkte in Indien, Australien, Asiens, im Mittleren Osten und Lateinamerika bieten auch für First Solar noch Wachstumsmöglichkeiten, wenn das Unternehmen seine Qualitätsprobleme in den Griff bekommt. Axiom Capital Experte Gordon Johnson berichtete gegenüber CNBC von Qualitätsproblemen einiger Solarmodule, die zu Finanzierungsproblemen für Solarprojekte mit First Solar Produkten geführt haben.

Kurzportrait

Die in Tempe/Arizona ansässige First Solar wurde im Jahre 1999 gegründet und gilt als einer der führenden Solarkonzerne in Amerika. Das Unternehmen hat sich auf die Produktion von Solarmodulen auf Basis der Dünnschichttechnologie spezialisiert und gilt in diesem Bereich als einer der weltweit führenden Anbieter.

Schon im Jahr 2002 nahm First Solar die Produktion von Solarmodulen auf Basis von Cadmium Telluride (CdTe) auf. First Solar hat sich bewusst für den Einsatz von CdTe entschieden, da CdTe ein Halbleiter mit direkter Bandlücke ist und somit in der Lage ist, Sonnenenergie effizienter in elektrische Energie zu wandeln. Darüber hinaus lassen sich durch den Einsatz von CdTe einfache Zellstrukturen und Prozesse auch Produktionskosten minimieren. So verfügt First Solar seit 2008 über die niedrigsten Kosten pro Watt in der Photovoltaik-Industrie. Zudem hat First Solar die Produktionskosten pro Watt unter die magische Marke von einem US-Dollar gedrückt. Zudem ist CdTe für die Produktion aufgrund der hohen Verfügbarkeit reichlich vorhanden, so dass das Material auch in der Massenproduktion zum Einsatz kommen kann.

First Solar hat mit zwölf Projektentwicklern in Europa langfristige Lieferverträge abgeschlossen. So wird der Großteil der Solarmodule in Ausland exportiert. Großabnehmer sitzen dabei vornehmlich in Deutschland. Zu den wichtigsten Kunden von First Solar zählen daher auch deutsche Unternehmen wie Blitzstorm, Pfalzsolar, Colexon Energy, Conergy, Gehrlicher Umweltschonende Energiesysteme, Juwi Solar und Phoenix Solar.

Ende 2007 verstärkte sich First Solar durch die Übernahme des US-Solarspezialisten Turner Renewable Energy LLC. Das Unternehmen entwickelt Solarprojekte im Auftrag für Kunden in den USA. Nach der Übernahme durch First Solar tritt das Unternehmen unter dem Namen First Solar Electric LLC auf. Anfang 2009 übernahm First Solar zudem ein 550-Megawatt Solarprojekt von OptiSolar und Edison Mission Group. Darüber hinaus will First Solar gemeinsam mit EDF Energies Nouvelles die größte Solarfabrik Frankreichs bauen. Im Frühjahr 2010 übernahm First Solar den US-Solarprojektierer NextLight Renewable Power für rund 285 Mio. Dollar.

Durch den Bau neuer Fertigungsanlagen in den USA, Europa (Frankfurt/Oder) und Asien (Malaysia) hat First Solar seine Produktionskapazitäten zuletzt stetig ausgebaut und seine Produktionskosten auf 75 Cent pro Watt drücken können.

Zahlen

Für das vergangene Dezemberquartal meldet First Solar einen Umsatzanstieg auf 660 Mio. US-Dollar, nach Einnahmen von 610 Mio. Dollar in der Vorjahresperiode. Dabei musste First Solar einen Nettoverlust von 413,1 Mio. Dollar oder 4,78 Dollar je Aktie ausweisen, nachdem der US-Solarkonzern im Vorjahr noch einen Nettogewinn von 155,9 Mio. Dollar oder 1,80 Dollar je Aktie erwirtschaften konnte. Vor allem Abschreibungen auf verschiedene Komponenten und Wertberichtigungen im Bezug auf die Übernahme von OptiSolar und NextLight hätten die Ergebnisse belastet.

Meldung gespeichert unter: Dünnschicht-Solarmodule (Thin-Film)

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