E*Trade sieht keine Gefahr durch Bank of America

Donnerstag, 14. Dezember 2006 00:00

(IT-Times) Mitte Oktober sorgte die Ankündigung der Bank of America künftig gebührenfreie Aktienkäufe und Verkäufe für seine Kunden anbieten zu wollen, für Aufregung unter den Online-Brokern. Die Aktien der amerikanischen Online-Broker E*Trade Financial Group (NYSE: ET<ET.NYS>, WKN: 902447<ETR.FSE>) und Ameritrade brachen deutlich ein. Allein E*Trade verlor kurzzeitig mehr als 900 Mio. Dollar an Börsenwert.

Für Kunden mit einem Einlagevermögen von mindestens 25.000 Dollar will Bank of America künftig monatlich 30 kostenlose Online-Transaktionen abwickeln, hieß es bei der US-Bank Mitte Oktober. Das Angebot, dass zunächst auf wenige US-Bundesstaaten begrenzt ist, soll im Jahr 2007 landesweit ausgebaut werden, heißt es.

Dem Vorstoß von Bank of America will man bei E*Trade nicht folgen und keine ähnlichen Angebote offerieren, stellt E*Trade Finanzchef R. Jarrett Lilien klar. Man könne bei E*Trade bereits ab 6,99 Dollar pro Transaktion Aktien online handeln, so Lilien weiter, der vor allem auf die höhere Verzinsung der Online-Konten verweist, welche die niedrigeren Gebühren wieder wettmachen würden, argumentiert der E*Trade-Manager.

Auch bei Investmentbanken wie bei Goldman Sachs sieht man die Auswirkungen des Vorstoßes von Bank of America auf das Kerngeschäft der Online-Broker eher begrenzt. Goldman Sachs hält insbesondere die Abwertung der Online-Broker in Reaktion auf den jüngsten Vorstoß der BofA für übertrieben und stuft daher E*Trade-Aktien auf „kaufen“ nach oben.

Marktbeobachter sehen den Vorstoß mehr als Konkurrenz zu anderen führenden Banken wie der Citigroup und Wachovia. Hintergrund ist der Umstand, dass BofA für gewöhnlich eine andere Kundenschicht betreut, die in der Regel weniger Wert auf hoch entwickelte technologische Online-Handelsplattformen legt, an denen beispielsweise die loyalen Daytrader-Kunden von E*Trade & Co interessiert sind.

Kurzportrait

Die im Jahre 1992 von Bill Porter gegründete und im kalifornischen Manlo Park und in New York ansässige E*Trade Group revolutionierte den Markt für Online-Brokerage. Mit der Idee der einfachen und kostengünstigen Abwicklung von Wertpapieraufträgen konnte das Unternehmen bis heute mehr als 3,5 Mio. Kunden gewinnen.

Heute ist E*Trade neben dem Heimatmarkt USA in elf Ländern der Welt vertreten. So betreut das Unternehmen Kunden aus Kanada, Hongkong, Korea, Schweden, Deutschland und Großbritannien. Christos Cotsakos, welcher den Online-Broker seit 1996 leitete, gab im Jahr 2003 seinen Rücktritt bekannt. Cotsakos setzte vor allem auf die Expansion von E*Trade in andere Märkte. So entwickelte sich E*Trade von einem reinen Discount-Broker in den vergangenen Jahren zu einem umfassenden Online-Finanzdienstleister, der über seine Tochter E*Trade Bank auch traditionelle Bankdienstleistungen anbietet. Zum Dienstleistungsangebot gehören heute nicht nur das Kreditgeschäft, sondern auch eine Investmentabteilung, sowie der Bereich Vermögensverwaltung.

Kunden können ihre Aufträge nicht nur über die gleichnamige Online-Seite einreichen, sondern auch via Telefon Aufträge platzieren. Über die Online-Plattform stehen E*Trade-Kunden eine Reihe weiterer Web Services und Online-Hilfen zur Verfügung, welche dem Privatanleger bei seiner Anlageentscheidung unterstützen sollen. Neben dem Online-Dienst Clearstation kaufte das Unternehmen in der Vergangenheit eine Reihe von weiteren Finanzserviceanbietern. So folgte im Jahr 2002 die Übernahme des Online-Traders Tradescape. Ergänzend hierzu verstärkte E*Trade seine Präsenz an der Chicagoer Börse durch die Akquisition von Engleman Securities. Durch die Übernahme von Ganis Credit will E*Trade sein Kreditgeschäft weiter ausbauen. Zuvor übernahm E*Trade das Brokerhaus Demsey & Co. LLC. Übernahmegespräche mit dem kanadischen Online-Broker TD Waterhouse verliefen allerdings zuvor erfolglos. Stattdessen verstärkte sich E*Trade im Jahr 2005 mit der Übernahme von Brown & Co und dem Online-Broker Harrisdirect. Im Frühjahr 2006 übernahm E*Trade schließlich den Investmentberater Retirement Advisors of America.

Zahlen

Für das vergangene dritte Quartal meldet E*Trade einen Umsatzsprung auf 582 Mio. Dollar, was einem Plus von 39 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Dabei konnte E*Trade seinen Nettogewinn auf 153 Mio. Dollar oder 35 US-Cent je Aktie steigern, nachdem im Jahr vorher noch ein Plus von 107 Mio. Dollar oder 28 US-Cent je Aktie zu Buche stand.

An der Wall Street hatte man im Vorfeld allerdings mit Einnahmen von 595 Mio. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von 36 US-Cent je Aktie kalkuliert.

Im jüngsten Quartal konnte E*Trade 51.000 neue Retail-Kundenkonten hinzugewinnen. Gleichzeitig stieg das Vermögen der verwalteten Kundenkonten um 74 Prozent auf 185 Mrd. Dollar.

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