Ericsson noch nicht über den Berg

Mittwoch, 22. Oktober 2008 12:36
Ericsson Unternehmenslogo

(IT-Times) Der schwedische Telekom- und Mobilfunkausrüsters LM Ericsson (Nasdaq: ERIC, WKN: 850001) konnte im jüngsten Quartal mit überraschend starken Zahlen aufwarten und die Markterwartungen übertreffen. Doch die Euphorie über die guten Zahlen verpuffte schnell. Nach einem Kurssprung am Montag brachen die Papiere zuletzt in New York wieder um rund 14 Prozent ein.

Marktbeobachter und Investoren trauen dem Zahlenwerk nicht. Zwar ließ Ericsson-Chef Carl-Henric Svanberg verlauten, dass man bislang nicht von den Auswirkungen der weltweiten Finanzkrise betroffen sei, jedoch sei schwer absehbar, wie sich die Krise in den nächsten Quartalen noch auf die Telekombranche auswirken werde, so der Manager.

Eine schnelle Wende scheint damit nicht in Sicht, zumal der Gewinn bei Ericsson in den vergangenen fünf Quartalen rückläufig war. Inzwischen haben die Schweden ein Restrukturierungsprogramm aufgelegt, in dessen Rahmen 4.000 Stellen wegfallen sollen. Die Maßnahmen sollen die Kosten im Jahr 2009 um etwa vier Mrd. schwedische Kronen (SEK) reduzieren.

Während das Geschäft in Westeuropa zuletzt schwächelte, hofft Ericsson im Jahr 2009 auf China und Indien. Indien und die USA sind bereits heute die größten Absatzmärkte von Ericsson - China soll demnächst dazugehören. Hintergrund ist die landesweite Einführung von 3G-Mobilfunkservices in China im nächsten Jahr. Dies erfordert große Investitionen der Mobilfunknetzbetreiber wie China Mobile, die bereits Ericsson-Kunden sind.

Ericsson könnte bei Nortel zuschlagen
Dennoch dürfte die jetzige Konjunkturkrise zu einer weiteren Konsolidierung in der Branche führen. Ericsson gibt sich dabei zwar noch zurückhaltend, jedoch deutet Ericsson-Chef Svanberg auch an, dass die schwierigen Zeiten auch Möglichkeiten eröffnen würden. Als Übernahmekandidat wird bereits der kanadische Telekomausrüster Nortel Networks gehandelt. Ericsson gilt dabei als Übernahmeinteressent Nummer eins.

Nachdem Nortel sein Ethernet Network-Geschäft mit optischer Netzausrüstung verkaufen will, könnte eine Übernahme für Ericsson interessanter werden. Zum einen könnte sich Ericsson so wieder stärker dem CDMA-Markt zuwenden und zum anderen seine Marktposition in Nordamerika sowie im europäischen UMTS-Markt weiter stärken…

Kurzportrait

Gegründet im Jahre 1918 und ansässig im schwedischen Stockholm, bietet LM Ericsson Telephone Company (Ericsson) Mobilfunk- und Kommunikationsservices weltweit an. Der Konzern ist im Wesentlichen in drei Hauptgeschäftsbereiche strukturiert. Der Bereich Systeme umfasst dabei die Segmente Mobile Networks, Fixed Networks und Professional Services. Der Bereich Phones deckt das Vertriebsgeschäft mit Mobiltelefonen an Endnutzern ab. Der Bereich andere Operationen (other Operations) umfasst eine Reihe von Einheiten, darunter die Divisionen Ericsson Mobile Platforms, Network Technologies, Enterprise und Power Modules.

Über das 50:50 Joint Venture Sony Ericsson stellen die Schweden Mobilfunktelefone her. In China ist Ericsson unter anderem mit dem Joint Venture Nanjing Ericsson Panda Communications Company präsent. Über den Geschäftsbereich Systems vermarktet Ericsson Infrastruktur-Lösungen wie GSM- und WCDMA-Systeme. Transport- und andere Hardwaresysteme ergänzen diesen Geschäftsbereich. Im Geschäftssegment Mobile Networks vermarktet Ericsson Mobilfunklösungen. Dabei bietet Ericsson nicht nur 2G-, 2,5G- und 3G-Mobilfunklösungen an, sondern auch Upgrade-Systeme an. Der Geschäftsbereich Fixed Networks umfasst das Geschäft mit traditionellen Festnetzanbietern. Ericsson bietet dabei umfassende Multi-Serviceplattformen, wobei zum Beispiel das AXE-System inzwischen in mehr als 135 Ländern weltweit eingesetzt wird.

In den letzten Jahren kaufte Ericsson verstärkt zu. So wurde im Jahr 2005 der schwedische Systemintegrator Teleca OSS AB sowie das Telekom-Geschäft von Marconi übernommen. Ende 2006 verstärkte sich Ericsson im Netzwerkbereich durch die Übernahme von Redback Networks, wobei auch die Firmen Tandberg und Entrisphere sowie UIQ übernommen wurden. Über UIQ wollen Motorola und Sony Ericsson in Zukunft zusammenarbeiten und in die Weiterentwicklung der UIQ Plattform investieren. Mitte 2007 übernahm Ericsson den deutschen Softwareanbieter LHS AG. Gleichzeitig wurde der Plattform-Provider Drutt Coporation übernommen. Anfang 2008 trennte sich Ericsson von seinem PBX-Firmenkundengeschäft und verkauft dieses an die kanadische Aastra Technologies.

Unter dem Geschäftsbereich Professional Services fasst Ericsson die Bereiche Wartung und Beratung zusammen. Auch die Integration und das Management von Services gehören zu diesem Aufgabenbereich. Daneben lizenziert Ericsson auch Bluetooth-Technologie an andere Hersteller. WLAN-Technik und mobile Intranet-Lösungen sollen das mobile Büro Wirklichkeit werden lassen und die Produktpalette der Schweden abrunden.

Zahlen

Für das vergangene Septemberquartal berichtete Ericsson von einem Umsatzanstieg auf 49,2 Mrd. schwedische Kronen bzw. 6,6 Mrd. US-Dollar, nach Einnahmen von 43,5 Mrd. Kronen im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Der Nettogewinn brach dabei um 28 Prozent auf 2,84 Mrd. Kronen bzw. 378 Mio. US-Dollar ein, nachdem Ericsson im Jahr vorher noch einen Nettogewinn von 4,0 Mrd. Kronen ausgewiesen hatte. Negativ machten sich insbesondere Restrukturierungsaufwendungen in Höhe von 2,0 Mrd. Kronen bzw. 270 Mio. US-Dollar bemerkbar. Diese seien Teil eines umfassenden Restrukturierungsplans, der die Kosten um 4,0 Mrd. Kronen bzw. 672 Mio. Dollar jährlich senken soll.

Meldung gespeichert unter: Ericsson

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