eBay will mit Milliardenzukauf Amazon.com auf Distanz halten

Freitag, 29. April 2011 13:13
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(IT-Times) - Der weltweit führende Online-Marktplatz eBay (Nasdaq: EBAY, WKN: 916529) scheint die Trendwende geschafft zu haben. Dies deuten zumindest die Nutzerzuwächse auf eBay und dem Online-Zahlungsdienst PayPal an.

Während die Zahl der eBay-Nutzer um fünf Prozent auf knapp 96 Millionen Mitglieder kletterte, stieg die Zahl der PayPal-Nutzer um 16 Prozent auf knapp 98 Millionen. eBay-Chef John Donahoe wähnt sich daher auf den richtigen Weg. Nachdem die Einstellgebühren für Händler gesenkt und die eBay-Seite überarbeitet wurde, finden wieder mehr Internetsurfer den Weg auf den Online-Marktplatz der Amerikaner. Im US-Geschäft habe man den Wendepunkt klar erreicht, ist sich der eBay-Chef sicher.

Marktbeobachter und Analysten bewerten den Erfolg von eBay weniger euphorisch. Dabei verweisen die Analysten vor allem auf den großen Konkurrenten Amazon.com, der in den vergangenen Jahren eBay stetig Marktanteile abnehmen konnte. Auch andere E-Commerce Geschäftsmodelle wie beispielsweise Groupon erfreuen sich großer Beliebtheit und wachsen deutlich schneller als eBay.

GSI-Zukauf soll sich in 2012 positiv auswirken
Um mit Amazon.com & Co besser konkurrieren zu können, hat sich eBay im Vormonat dazu entschieden, den E-Commerce Spezialisten GSI Commerce für 2,4 Mrd. Dollar zu kaufen. GSI Commerce betreibt Webseiten für führende Händler wie Toys R Us, Bath & Body Works, wobei das Unternehmen lang laufende Verträge mit 180 Händlern unterhält. GSI Commerce bietet einen Rund-um-Service an und hilft Unternehmen nicht nur bei der Bestellabwicklung, sondern auch beim Versand der Ware. Insgesamt nutzen etwa 2.000 Marken weltweit die Dienste von GSI Commerce.

Noch aber ist das Geschäft nicht profitabel. GSI Commerce hatte im Jahr 2010 zwar 1,4 Mrd. Dollar umsetzen können, dabei war allerdings noch ein Nettoverlust von 36,5 Mio. Dollar entstanden. Rot waren auch die Zahlen im ersten Quartal 2011. Bei einem Umsatzanstieg um 19 Prozent auf 323,5 Mio. Dollar, stand am Quartalsende ein Nettoverlust von 13,6 Mio. Dollar zu Buche.

Bei eBay geht man daher davon aus, dass der Deal kurzfristig die Gewinnmargen belasten wird. Einen positiven Beitrag aus der Transaktion erhofft sich eBay dann erst im Jahr 2012. eBay sieht die Übernahme daher eher strategisch. GSI Commerce soll dabei helfen, dass der eBay Marktplatz für noch mehr Firmen interessanter wird.

PayPal-Geschäft fast eine Mrd. Dollar schwer
Trotz der Akquisition von GSI Commerce dürfte aber das Online-Zahlungsgeschäft in naher Zukunft die tragende Rolle bei eBay spielen. Die PayPal Division wuchs mit 23 Prozent deutlich schneller als das E-Commerce Geschäft und steuerte fast eine Mrd. Dollar zum Gesamtumsatz bei. Inzwischen zeichnet die Einheit für 39 Prozent der eBay-Erlöse verantwortlich und dürfte bald größer sein, als das E-Commerce Geschäft, glaubt eBay-Chef Donahoe…

Kurzportrait

Gegründet im Mai 1996 und ansässig in der kalifornischen Hightech-Schmiede San Jose stieg eBay schnell zu einem der führenden Internet-Unternehmen auf. Dabei setzt das Unternehmen auf Online-Auktionen, die aber ohne Lagerhaltung auskommt. Vielmehr vermittelt der Online-Anbieter lediglich zwischen Käufer und Verkäufer und betreibt hierfür eine Online-Plattform.

Heute besteht die eBay-Gemeinschaft aus mehr als 95 Millionen aktiven Nutzern und bietet daher das weltweit größte Publikum, wenn es um Versteigerungen von gebrauchten oder neuen Waren im Internet geht. Damit gilt eBay als einer der größten Online-Marktplätze weltweit. eBay ist auf mehreren Kontinenten in über 30 Ländern aktiv, wobei Internet-Nutzer Produkte in mehr als 18.000 Kategorien ersteigern können. Mit dem Produkt eBay Stores will der Online-Auktionator auch Geschäftskunden ansprechen, welche ihren eigenen Shopping-Bereich auf eBay einrichten wollen.

Durch die Übernahme von PayPal löste eBay sein eigenen Online-Zahlungssystem Billpoint ab und setzt ausschließlich auf PayPal. Der Online-Bezahldienst zählt inzwischen fast 98 Millionen Nutzer.

Später verstärkte sich eBay mit der Übernahme des Online-Angebots Half.com. Half.com bietet über die gleichnamige Internet-Seite stark reduzierte Waren zu Festpreisen an. Im Jahr 2003 übernahm eBay den führenden chinesischen Online-Auktionator EachNet, sowie Teile der Softwarefirma FreeMarkets. Gleichzeitig übernahm man den in Südkorea operierenden Online-Anbieter Internet Auctions Company. Die chinesische Eachnet wurde Ende 2006 wiederum in ein Joint Venture mit Tom Online eingebracht, an welchem eBay 49 Prozent hält.

Anschließend folgte die Übernahme der deutschen mobile.de. Später kaufte sich eBay mit der Übernahme von Baazee.com in den indischen Online-Auktionsmarkt ein. Ende 2004 übernahm eBay den holländischen Online-Kleinanzeigenmarkt Marktplaats.nl. Darüber hinaus beteiligte sich eBay mit 25 Prozent an den Kontaktanzeigenservice Craigslist.com. Im Dezember 2004 kaufte eBay schließlich den Online-Immobilienvermittler Rent.com. Anfang 2005 übernahm eBay den Kleinanzeigendienst Kijiji. Im Frühjahr 2005 übernahm eBay schließlich den Preisvergleichsdienst Shopping.com. Im gleichen Jahr wurde auch der VoIP-Spezialist Skype für rund vier Mrd. Dollar aufgekauft, wobei eBay im Oktober 2009 rund 65 Prozent der Skype-Anteile an Silver Lake Partners veräußerte.

Im Frühjahr 2006 verstärkte sich eBay durch die Übernahme des schwedischen Online-Auktionators Tradera.com. Mitte 2006 formte eBay gemeinsam mit dem Anbieter PCHome Online ein Joint Venture in Taiwan. Anfang 2007 kaufte eBay den Ticket-Dienst StubHub auf. Im Jahr 2008 folgten mit der Übernahme des Zahlungsdienstes "Bill Me Later" und den dänischen Anzeigenseiten dba.dk und bilbasen.dk weitere Zukäufe. Im Frühjahr 2009 übernahm eBay den südkoreanischen Online-Marktplatz Gmarket. Den übernommenen Kleinanzeigenservice Kijiji benannte eBay im Frühjahr 2010 in eBayClassifieds.com um. Mitte 2010 schluckte eBay die iPhone App RedLaser. Mit Critical Path und Milo.com wurden anschließend weitere Firmen übernommen. Ende 2010 schluckte eBay das Berliner Shopping-Portal Brands4friends für 150 Mio. Euro. Im Frühjahr 2011 kaufte eBay den E-Commerce Spezialisten GSI Commerce für 2,4 Mrd. Dollar. Zudem wurde der Mobile-Werbespezialist Where.com übernommen.

Zahlen

Für das vergangene Märzquartal meldet eBay einen Umsatzanstieg um 16 Prozent auf 2,5 Mrd. US-Dollar. Dabei konnte eBay seinen Nettogewinn um 20 Prozent auf 475,9 Mio. US-Dollar oder 36 US-Cent je Aktie steigern, nach einem Profit von 397,7 Mio. Dollar oder 30 US-Cent je Aktie in der Vorjahresperiode. Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen verdiente eBay im jüngsten Quartal 47 US-Cent je Aktie, einen Cent mehr als Analysten im Vorfeld erwartet hatten.

Das Marktplatzgeschäft kletterte dabei um 12 Prozent auf 1,55 Mrd. US-Dollar. Insgesamt wurden im jüngsten Quartal Waren und Produkte im Volumen von 14,5 Mrd. Dollar über eBay (Nasdaq: EBAY, WKN: 916529) gehandelt, ein Zuwachs von acht Prozent. Die Zahl der aktiven eBay-Nutzer zog um fünf Prozent auf 95,9 Millionen Mitglieder an, wobei eBay vor allem in Nordamerika, in England, Deutschland und in Australien wuchs.

Meldung gespeichert unter: E-Commerce

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