eBay räumt auf - Kerngeschäft im Vordergrund

Freitag, 24. April 2009 13:12
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(IT-Times) Der weltweit führende Online-Marktplatz eBay (Nasdaq: EBAY, WKN: 916529) will mit einer klaren Strategie in die Zukunft gehen und sich künftig mehr auf sein Kerngeschäft konzentrieren. Nachdem StumbleUpon und eBay zuvor angekündigt haben, künftig getrennte Wege zu gehen, soll im nächsten Jahr auch die Internet-Telefonieeinheit Skype durch ein IPO an die Börse gebracht werden.

Als nächstes Opfer der neuen eBay-Strategie machen Marktbeobachter und Analysten wie Bernstein Research Experte Jeffrey Lindsay bereits den Ticket-Händler StubHub aus. eBay hatte den Online-Händler vor etwas mehr als zwei Jahren für 307 Mio. Dollar gekauft, doch der Ticket-Markt befindet sich im Wandel. Der Marktführer Ticketmaster will seine Einheit TicketsNow ausgliedern, um die Kartellwächter zu beschwichtigen. Damit dürfte sich der Wettbewerb in der Branche weiter verschärfen.

Positiv wird von Marktbeobachtern hingegen die Übernahme des südkoreanischen Online-Händlers Gmarket bewertet. eBay hat sich bereits 67 Prozent an Gmarket gesichert und durch die Kombination mit seiner südkoreanischen Einheit Internet Auction steigt eBay zum Marktführer in Südkorea auf.

MercadoLibre nächstes Übernahmeziel?
Als nächster logischer Schritt könnte die Übernahme von MercadoLibre auf dem Programm stehen. Der bisherige eBay-Partner, an dem die Amerikaner zuletzt 18,37 Prozent der Anteile hielten, ist der marktführende Online-Marktplatz in Lateinamerika. MercadoLibre ist insbesondere in Argentinien, Brasilien, Chile, Kolumbien, Ecuador, Mexiko, Peru, Uruguay und in Venezuela aktiv und kam Ende 2008 bereits auf knapp 34 Mio. registrierte Nutzer.

Für eine Übernahme durch eBay spricht nicht nur das dynamische Wachstum in Lateinamerika, sondern auch der Umstand, dass MercadoLibre bereits profitabel ist. Bei einem Quartalsumsatz von 33 Mio. Dollar erwarten Analysten bei den Argentiniern im Märzquartal einen Nettogewinn von zehn US-Cent je Aktie. Zuletzt wurde MercadoLibre mit rund eine Mrd. Dollar an der Börse bewertet, womit eine Übernahme für eBay durchaus finanzierbar scheint, sitzt der Online-Auktionspionier auf Barreserven von 3,2 Mrd. Dollar.

Mit einer Übernahme könnte eBay auch die Niederlage, die das Unternehmen im Boommarkt China erlitten hat, vergessen machen. Im Reich der Mitte wurde der ehemalige Marktführer inzwischen vom lokalen Spezialisten Taobao.com verdrängt und musste sich im Rahmen eines Joint Ventures mit der Tom Online neu orientieren. Mit einem Zukauf würden auch die Umsatzziele von eBay in greifbare Nähe rücken. Für 2011 peilt der Online-Marktplatz nämlich einen Jahresumsatz von 10 bis 12 Mrd. US-Dollar an, womit das Unternehmen zu zweistelligen Wachstumsraten zurückkehren würde...

Kurzportrait

Gegründet im September 1995 und ansässig in der kalifornischen Hightech-Schmiede San Jose stieg eBay schnell zu einem der führenden Internet-Unternehmen auf. Dabei setzt das Unternehmen auf Online-Auktionen, die aber ohne Lagerhaltung auskommt. Vielmehr vermittelt der Online-Anbieter lediglich zwischen Käufer und Verkäufer und betreibt hierfür eine Online-Plattform.

Heute besteht die eBay-Gemeinschaft aus mehr als 88 Mio. aktiven Nutzern und bietet daher das weltweit größte Publikum, wenn es um Versteigerungen von gebrauchten oder neuen Waren geht. Damit gilt eBay gleichzeitig auch als die weltweit größte Shopping-Seite im Internet. Auf mehreren Kontinenten weltweit in über 30 Ländern aktiv, können Internet-Nutzer Produkte in mehr als 18.000 Kategorien ersteigern. Mit dem Produkt eBay Stores will der Online-Auktionator auch Geschäftskunden ansprechen, welche ihren eigenen Shopping-Bereich auf eBay einrichten können.

Um die Zahlungsabwicklung so einfach und sicher wie möglich zu gestalten, bietet eBay entsprechende Services an. Durch die Übernahme von PayPal löste eBay sein eigenen Online-Zahlungssystem Billpoint ab und setzt voll auf PayPal. Später verstärkte sich eBay mit der Übernahme des Online-Angebots Half.com. Half.com bietet über die gleichnamige Internet-Seite stark reduzierte Waren zu festen Preisen an. Im Jahr 2003 übernahm eBay den führenden chinesischen Online-Auktionator EachNet, sowie Teile der Softwarefirma FreeMarkets. Gleichzeitig übernahm man den in Südkorea operierenden Online-Anbieter Internet Auctions Company. Die chinesische Eachnet wurde Ende 2006 wiederum in ein Joint Venture mit Tom Online eingebracht, an welchem eBay 49 Prozent hält.

Anschließend folgte die Übernahme der deutschen mobile.de. Später kaufte sich eBay mit der Übernahme von Baazee.com in den indischen Online-Auktionsmarkt ein. Ende 2004 übernahm eBay den holländischen Online-Kleinanzeigenmarkt Marktplaats.nl. Darüber hinaus beteiligte sich eBay mit 25 Prozent an den Kontaktanzeigenservice Craigslist.com. Im Dezember 2004 kaufte eBay schließlich den Online-Immobilienvermittler Rent.com. Anfang 2005 übernahm eBay den Treffpunktservice Kijiji. Die Einheit kaufte wiederum die deutsche Opusforum.org. Im Frühjahr 2005 übernahm eBay schließlich den Preisvergleichsdienst Shopping.com. Im gleichen Jahr wurde auch der VoIP-Spezialist Skype für rund vier Mrd. Dollar aufgekauft.

Im Frühjahr 2006 verstärkte sich eBay durch die Übernahme des schwedischen Online-Auktionators Tradera.com. Gleichzeitig stellte das Unternehmen mit eBay Express ein neues Online-Shop-Konzept vor, über dieses Neuwaren unter Ausschluss des Bieterverfahrens erworben werden können. Mitte 2006 formte eBay gemeinsam mit dem Anbieter PCHome Online ein Joint Venture in Taiwan. Anfang 2007 kaufte eBay den Ticket-Dienst StubHub auf. Im Jahr 2008 folgten mit der Übernahme des Zahlungsdienstes „Bill Me Later“ und den dänischen Anzeigenseiten dba.dk und bilbasen.dk weitere Zukäufe. Im Frühjahr übernahm eBay den südkoreanischen Online-Marktplatz Gmarket für 1,2 Mrd. Dollar.

Zahlen

Für das vergangene Märzquartal meldet eBay einen Umsatzrückgang um acht Prozent auf 2,02 Mrd. US-Dollar. Die Erlöse aus dem Marktplatz-Geschäft, welches das Geschäft auf eBay, StubHub und Shopping.com umfassen, brachen um 18 Prozent auf 1,22 Mrd. Dollar ein. Den Einbruch führt eBay unter anderem auch auf den starken US-Dollar zurück, was sich besonders negativ bemerkbar macht, da eBay 54 Prozent seiner Erlöse im Ausland erzielt.

Der Gewinn sank im jüngsten Quartal um 22 Prozent auf 357,1 Mio. Dollar oder 28 US-Cent je Aktie, nach einem Plus von 459,7 Mio. Dollar oder 34 US-Cent je Aktie im Jahr vorher. Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen konnte eBay einen Nettogewinn von 39 US-Cent je Aktie realisieren und damit die Markterwartungen übertreffen. Analysten hatten im Vorfeld mit Einnahmen von 1,94 Mrd. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von 33 US-Cent je Aktie gerechnet.

Die operative Gewinnmarge sank im jüngsten Quartal auf 30,7 Prozent vom Umsatz, nach 32,0 Prozent im Vorjahreszeitraum. Insgesamt konnte eBay im jüngsten Quartal einen freien Cashflow von 578 Mio. Dollar generieren und das Quartal mit liquiden Mitteln von 3,1 Mrd. Dollar beenden.

Die Zahl der aktiven Marktplatz-Nutzer zog im jüngsten Quartal um zwei Prozent auf 88,3 Mio. Teilnehmer an, ein Zeichen, dass eBay wieder neue Händler für seine Online-Plattform gewinnen konnte. Dennoch ging das Handelsvolumen auf den eBay-Seiten zurück. So fiel das Transaktionsvolumen um 16 Prozent auf 10,8 Mrd. Dollar. Wie im Vorquartal wurden 51 Prozent der Geschäfte auf eBay über Online-Auktionen abgewickelt. Der Rest des Umsatzes wurde über den Verkauf von Produkten zum Festpreis erwirtschaftet.

Meldung gespeichert unter: eBay

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