Deutsche Telekom: Wohin geht die Einkaufstour?

Freitag, 9. Mai 2008 13:18
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(IT-Times) Die Deutsche Telekom AG (WKN: 555750) kann sich freuen. Nach soliden Zahlen für das erste Quartal, gab es positive Nachrichten für das Bonner Unternehmen, das zuletzt vor allem wegen Aktionärsklagen in der Presse stand. Die Bundesnetzagentur wird das Missbrauchsverfahren bezüglich der Bereitstellung der „letzten Meile“ einstellen.

Damit scheint eine Baustelle weniger und die Telekom kann wieder zum Tagesgeschäft übergehen. Telekom-Chef René Obermann hat ohnehin alle Hände zu tun, dem rosa Riesen neues Leben einzuhauchen. Dies ist vor allem deshalb notwendig, weil das Unternehmen nach wie vor rasant Kunden im Festnetzbereich verliert und sich auch im Mobilfunkgeschäft aufgrund der Sättigungstendenzen das Wachstum verlangsamt.

Sprint Nextel - mehr Risiken als Chancen
Die Hoffnungen ruhen daher auf eine ausgeglückelte Akquisitionsstrategie, um dem Wachstum auf die Sprünge zu helfen. So wird die Telekom mit Amerikas drittgrößtem Mobilfunker Sprint Nextel in Verbindung gebracht. Laut US-Medienberichte könnte die Telekom bis zu 33,7 Mrd. Euro bzw. 52 Mrd. Dollar für Sprint Nextel bieten und damit die beiden Branchengrößen AT&T und Verizon Wireless herausfordern.

Während UniCredit Bank Analyst Thomas Friedrich eine derartige Übernahme begrüßt, hegen andere Marktbeobachter wie Theo Kitz, Analyst bei der Merck Finck Privatbank in München erhebliche Zweifel. Der Analyst verweist insbesondere auf die unterschiedlichen Mobilfunknetze der beiden Unternehmen. Während die Deutsche Telekom auf dem GSM-Standard setzt, nutzt Sprint den in den USA und Asien populären CDMA-Standard. Nextel vertraut wiederum auf den von Motorola entwickelten iDEN-Standard.

Kitz hofft daher, dass die Telekom sich nicht zu einem Milliardengebot für Sprint Nextel hinreißen lässt, denn etwaige Synergien aus dem Zusammenschluss dürften nur schwer zu heben sein. Gleichzeitig ist fraglich, ob die US-Regulierungsbehörden und der Kongress einer Übernahme durch die Telekom so einfach zustimmt, schließlich hält der deutsche Staat nach wie vor rund ein Drittel der Telekom-Anteile.

Auch wenn der US-Mobilfunkmarkt zuletzt noch wuchs, hat der Markt die Glanzzeiten des Wachstums längst überschritten. Sollte der Kampf um Neukunden weiter zunehmen, dürften auch in den USA die Preise sinken, was sich negativ auf die Gewinnmargen auswirken würde.

MTN und Millicom die interessanteren Alternativen?
Doch was tun? Die Telekom braucht einen Erfolg, soll der Aktienkurs auf lange Sicht das Tal der Tränen verlassen. Hohes Wachstum versprechen derzeit nur Telekom- und Mobilfunkfirmen, die in Schwellenländern Asiens, Lateinamerikas und Afrikas aktiv sind. Als interessanteres Übernahmeziel könnte sich daher die südafrikanische MTN Group erweisen.

Das mit Mobilfunkaktivitäten in Afrika präsente Unternehmen glänzt mit starken zweistelligen Wachstumsraten und wird derzeit mit rund 24 Mrd. Euro an der Börse bewertet. Der Telekom steht noch eine ungenutzte Kreditlinie von rund 21,2 Mrd. Euro zur Verfügung, so dass eine Übernahme wohl finanztechnisch realisierbar wäre.

Noch günstiger zu haben wäre der wachstumsstarke Mobilfunkspezialist Millicom International Cellular. Das Unternehmen ist in wichtigen wachstumsstarken Ländern in Lateinamerika, Asien und Afrika aktiv und wird derzeit mit rund 12 Mrd. US-Dollar an der Börse bewertet.

Die Zeit drängt allerdings, denn bislang unterschätzte Mobilfunkanbieter wie China Mobile und America Movil treten zunehmend als Global Player auf und sind bereits heute in wachstumsstarken Zukunftsmärkten von morgen gut vertreten...

Kurzportrait
Die Deutsche Telekom AG ist Europas größtes Telekommunikationsunternehmen. Der Konzern ist in die Sparten T-Mobile (Mobilfunk), T-Com (Festnetz und Internet) sowie T-Systems (Geschäftskunden) gegliedert. Über T-Home bietet die Telekom Breitbandangebote für Privatkunden an. Zum Portfolio des Unternehmens gehören Mobilfunkdienstleistungen aller Art, die Bereitstellung von Festnetz- und Internetzugängen sowie der Wiederverkauf von Internetzugängen (Wholesale). Das Geschäftsfeld T-Systems ist auf mittelständische, große und internationale agierende Geschäftskunden ausgerichtet, wobei auch IT-Dienstleistungen erbracht werden. Zudem bietet die Telekom über das neue VDSL-Hochgeschwindigkeitsnetz auch Internetfernsehen und terrestrisches Fernsehen an. Im Markt für günstige DSL-Anschlüsse ist das Unternehmen durch die Tochter Congstar vertreten.

Die Deutsche Telekom AG ist aus der Telekommunikationssparte der Deutschen Bundespost hervorgegangen. Anfang 1995 erfolgte die Umwandlung in eine AG, im November 1996 der Börsengang. In der Folgezeit wurde die internationale Expansion vorangetrieben, Schwerpunkte waren Ost- und Südosteuropa. Aber auch in Asien erwarb man einige Beteiligungen, die bis 2003 jedoch wieder allesamt abgestoßen wurden.

Der Kapitalarm der Telekom, T-Venture gehört zu den größten Kapitalgebern in Europa. T-Venture investiert in junge wachstumsstarke Unternehmen, die Synergien für die Telekom-Sparten T-Com, T-Systems, oder T-Mobile versprechen.

Eine der spektakulärsten Transaktionen war die Übernahme des US-Mobilfunknetzbetreibers Voicestream Wireless für rund 40 Mrd. US-Dollar im Jahr 2001, welches unter dem Namen T-Mobile USA mit aufgegangen ist. Im Herbst 2007 verstärkte sich die Telekom in den Niederlanden und erwarb für 1,33 Mrd. Euro den niederländischen Mobilfunker Orange Niederlande. Zudem verstärkte die Telekom seine Präsenz in den USA durch die Übernahme der amerikanischen SunCom Wireless für 1,6 Mrd. US-Dollar. Zudem wurde das Immobilien-Portal ImmobilienScout24 vollständig übernommen. Damit gehört die gesamte Scout24-Gruppe zum Magenda-Konzern: Autoscout24, Friendscout24, Local24 und Jobs.de. Anfang 2008 expandierte Telekom in Griechenland und gab Pläne bekannt, sich an Hellenic Telecom (OTE) für 2,5 Mrd. Euro mit 20 Prozent zu beteiligen.

Kooperationspartner sind unter anderem Apple (exklusiver Vertrieb des iPhones in Deutschland), BT, EnBW, sowie der FC Bayern (Sponsoring), Microsoft und Yahoo.

Das TV-Kabelnetz wurde in den vergangenen Jahren sukzessive abgestoßen. Heute hält der Bund direkt und indirekt noch rund 30 Prozent an dem Unternehmen.

Zahlen
Umgesetzt hat der Bonner Telekommunikationsriese im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2008 14,978 Mrd. Euro, ein Rückgang von 3,1 Prozent verglichen mit dem Vorjahr. Entfallen sind dabei 7,254 Mrd. Euro auf das Inland und 7,724 Mrd. Euro auf das Ausland.

Meldung gespeichert unter: Telekommunikationsnetzbetreiber (Carrier)

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