Dells zähes Comeback

Mittwoch, 12. März 2008 13:18
Dell

(IT-Times) Obwohl Dell (Nasdaq: DELL, WKN: 875403) im vergangenen Jahr eine Rekordzahl von mehr als 400 Auszeichnungen für Produkt-Design und Innovationen einheimsen konnte, hat sich dies bislang nicht in der Kursentwicklung niedergeschlagen.

Vielmehr geriet der Dell-Aktienkurs weiter unter Druck, nachdem das Unternehmen die Gewinnerwartungen verfehlte. Dennoch scheint sich ein Comeback der Texaner abzuzeichnen. Im vierten Quartal konnte Dell nach Angaben der Marktforscher aus dem Hause iSuppli am schnellsten unter den Top-6-Anbietern wachsen. So konnte Dell mit 11,3 Mio. PC-Systeme 14 Prozent mehr Systeme zur Auslieferung bringen, womit sich der Marktanteil des Branchenzweiten wieder auf 17,4 Prozent verbesserte.

Dell holt wieder leicht auf - HP bleibt an der Spitze
Der Marktanteilsgewinn scheint nicht zuletzt auf das stark wachsende internationale Geschäft zurückzuführen. Allein in den BRIC-Staaten wuchs das Geschäft zuletzt um 36 Prozent, während die Auslieferzahlen um 50 Prozent nach oben schossen. Auch die stärkere Präsenz im US-Einzelhandel durch Kooperationen mit Wal-Mart, Best Buy und Staples dürften Dell zuletzt im Privatkunden-Markt geholfen haben.

Trotz der jüngsten Erfolge bleiben Analysten und Marktbeobachter zurückhaltend, was die Erfolgsaussichten von Dell angeht. Friedman- Billings, Ramsey Analyst Clay Sumner glaubt, dass der Dell-Rivale Hewlett-Packard (HP) insbesondere im Firmenkundenmarkt Marktanteile zu Lasten von Dell gewonnen hat. Das Firmenkunden-Geschäft ist jedoch von großer Bedeutung, sind in diesem Bereich traditionell höhere Gewinnmargen erzielbar, als im Privatkunden-Markt. Es dürfte daher in den nächsten Quartalen entscheidend sein, ob Dell in den USA seine Vormachtstellung im Firmenkunden-Bereich gegen HP behaupten kann, glaubt Friedman-Experte Sumner.

Weitere Kostenanpassungen erwartet
Weit mehr Potential vermuten Analysten auf der Kostenseite, nachdem Dells operative Gewinnmargen im US-Konsumermarkt auf -2,4 Prozent gesunken waren. Neue Produktionsstätten in Polen sowie ein erweiterter Personalabbau scheinen nur die Spitze des Eisberges zu sein, mit dem Dell seine Kosten weiter senken will. Marktbeobachter gehen davon aus, dass diesen Schritten noch weitere folgen werden, um den Tanker Dell wieder auf Kurs zu bringen….

Kurzportrait

Der in Round Rock/Texas ansässige Computerhersteller Dell setzt insbesondere auf den Direktvertrieb seiner Produkte ohne Zwischenhandel, um so Kostenvorteile erzielen zu können. Im Jahr 2007 hat Dell aber seine Strategie geändert und verkauft seine PCs auch über den Einzelhandel (Wal-Mart etc.).Gegründet im Mai 1984 erlebte das Unternehmen unter seinem visionären Gründer Michael Dell insbesondere in den 90er Jahren einen rasanten Aufstieg. Michael Dell, welcher am längsten einer Company als CEO (Chief Executive Officer) vorsteht, kehrte erst jüngst wieder an die Führungsspitze zurück. Dell fertigt heute längst nicht mehr nur Desktop-Systeme, auch wenn der Desktop- und Notebookbereich mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes trägt. Inzwischen gehören auch Netzwerkrechner, Speichersysteme, Drucker und Workstations zum Produktportfolio der Texaner. Nach der Kooperation mit Lexmark, will Dell auch im Bereich Unterhaltungselektronik stärker Fuß fassen.

Daneben ist das Unternehmen durch seine PowerEdge-Produktlinie im Servermarkt vertreten, während sich das Unternehmen mit seinen PowerVault-Systemen im Speichermarkt engagiert. Mit seinem Precision-Workstations geht das Unternehmen einen von Sun dominierten Markt an. Die Desktop-Systeme der Reihe OptiPlex, sowie die Notebook-Serie Latitude sind dabei auf Geschäfts- und Firmenkunden zugeschnitten, während Dell mit seinen Dimension-PCs und Inspiron-Notebooks insbesondere private Anwender ansprechen will. Im High-End- und Spielesegment verstärkte sich Dell Anfang 2006 durch die Übernahme des PC-Spezialisten Alienware. Im Jahr 2007 kaufte Dell unter anderem die beiden Softwarespezialisten Zing Systems und ASAP Software zu. Zudem wurde der SaaS-Spezialist MessageOne übernommen.

Dell setzt in Sachen Vermarktung und Service vornehmlich auf seine gleichnamige Internet-Plattform. Über diesePlattform stellt das Unternehmen nicht nur Serviceleistungen und Support, wie den virtuellen Helfer Ask Dudley zur Verfügung, sondern erwirtschaftet gleichzeitig auch die Hälfte seiner Umsatzerlöse darüber. Insgesamt ist Dell heute mit mehr als 30.0000 technischen Support-Mitarbeitern in mehr als 170 Ländern weltweit präsent. Unternehmensgründer Michael Dell hält nach wie vor eine Minderheitsbeteiligung am Unternehmen.

Zahlen

Für das vergangene vierte Fiskalquartal 2008 meldet Dell zwar einen Umsatzanstieg auf 15,99 Mrd. US-Dollar, was einem Zuwachs von 10,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht, allerdings musste der PC-Hersteller dabei allerdings einen Gewinnrückgang hinnehmen. So schrumpfte der Gewinn zunächst um 6,4 Prozent auf 679 Mio. Dollar oder 31 US-Cent je Aktie.

Ausgenommen einmaliger Sonderfaktoren konnte Dell im jüngsten Quartal einen Nettogewinn von 34 US-Cent je Aktie realisieren und blieb damit hinter den Markterwartungen zurück. Analysten hatten zuvor mit Einnahmen von 16,27 Mrd. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von 36 US-Cent je Aktie kalkuliert.

So wuchs das Geschäft in den BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China im Schnitt um 36 Prozent, so Dell-Finanzchef Donald Carty. Auch im Notebook-Geschäft konnte Dell weiter zulegen. Hier kletterten die Erlöse um 24 Prozent.

Für das abschließende Fiskalquartal 2008 meldet Dell einen Umsatzanstieg auf 61,13 Mrd. Dollar, ein Zuwachs von 6,5 Prozent gegenüber 2007. Dabei konnte Dell seinen Gewinn auf 2,95 Mrd. Dollar steigern, nach einem Plus von 2,58 Mrd. Dollar im Jahr vorher.

Meldung gespeichert unter: Dell

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