Dell setzt Restrukturierungskurs fort

Freitag, 19. September 2008 12:31
Dell

(IT-Times) Die globale Konjunkturkrise hat in dieser Woche auch den zweitgrößten PC-Hersteller Dell (Nasdaq: DELL, WKN: 875403) erfasst. Das Unternehmen sieht insbesondere auf der Seite des Endnutzers eine schwächere Nachfrage im laufenden Quartal. Laut Dell-Finanzchef Brian Gladden sei die Schwäche breit angelegt und auf keine spezifischen Dell-Produkte begrenzt.

Von der Schwäche sei sowohl das US-Geschäft, wie auch das Geschäft in Europa und Asien betroffen, heißt es. Nachdem Dell zuletzt seine Preise aggressiv gesenkt hatte, um in neuen Märkten Fuß zu fassen, ruderten die Texaner jüngst zurück und erhöhten die Preise wieder, um die Profitabilität zu verbessern. Dies könnte manche Kunden abgeschreckt haben, die sich an die niedrigen Preise bereits gewöhnt hatten, glauben Marktbeobachter.

Der an die Spitze des Konzerns zurückgekehrte Firmengründer Michael Dell kämpft seit Monaten, um den einstigen Marktführer wieder auf die Erfolgsstraße zurückzuführen. Nachdem Dell seine Direktverkaufsstrategie angepasst hatte und nunmehr auch im Einzelhandel Flagge zeigt, steht nunmehr der Verkauf der eigenen Fertigungsfabriken auf dem Programm.

Wistron will Dell-Fabriken kaufen
Nachdem Medien in den Wochen zuvor bereits heftig über einen bevorstehenden Verkauf spekuliert haben, nimmt eine solche Transaktion nunmehr konkrete Züge an. Wie der taiwansche Auftragshersteller Wistron am Freitag bestätigt, erwäge man einen Teil der Dell-Fabriken zu kaufen. Die Entscheidung hänge vom Standort der jeweiligen Fabriken und natürlich vom Preis ab, heißt es aus dem Wistron-Management.

Dell-Sprecher Francis Huan wollte sich zunächst nicht weiter äußern, meinte jedoch, dass Dell ständig nach Verbesserungen in seinem Supply Chain Management Prozess Ausschau halten würde. Marktbeobachter glauben, dass ein Verkauf in den nächsten 18 Monaten über die Bühne gehen wird, wobei Dell nicht nur einen Teil, sondern möglicherweise auch alle Fabriken abgeben könnte.

Wistron scheint dabei ein idealer Kandidat. Beim US-Brokerhaus Merrill Lynch glaubt man, dass Wistron damit sein Geschäft mit Dell weiter ausbauen und im Gegenzug auch mehr Aufträge erhalten wird. Dell könnte im Gegenzug seine Kostenbasis weiter straffen und seine Gewinnmargen stabil halten bzw. leicht steigern.

HP setzt schon länger auf Auftragshersteller
Mit dem Verkauf könnte Dell mit dem PC-Marktführer Hewlett-Packard gleichziehen. HP hat bereits in den letzten Jahren seine Produktion Zug um Zug an Auftragshersteller ausgelagert und so seine Kosten gesenkt. HP baut heute weniger als die Hälfte seiner PCs in den eigenen Fabriken, so HP Senior Vice President Tony Prophet. Glaubt man Medienberichten aus Taiwan, will HP bald weitere 13 bis 14 Mio. Notebook-Einheiten an taiwansche Hersteller auslagern. Die entsprechenden Aufträge sollen an Quanta, Wistron, Inventec und Foxconn Electronics gehen, heißt es.

Zwar gelten die eigenen Fabriken der beiden Branchengrößen Dell und HP als effizient, doch als kosteneffektivste Lösung hat sich inzwischen die Auslagerung der Produktion an Dritthersteller erwiesen. Ein Trend, den Dell zu spät erkannt hat und nun nacharbeiten muss…

Kurzportrait

Der in Round Rock/Texas ansässige Computerhersteller Dell setzt insbesondere auf den Direktvertrieb seiner Produkte ohne Zwischenhandel, um so Kostenvorteile erzielen zu können. Im Jahr 2007 hat Dell aber seine Strategie geändert und verkauft seine PCs auch über den Einzelhandel (Wal-Mart etc.).Gegründet im Mai 1984 erlebte das Unternehmen unter seinem visionären Gründer Michael Dell insbesondere in den 90er Jahren einen rasanten Aufstieg. Michael Dell, welcher am längsten einer Company als CEO (Chief Executive Officer) vorsteht, kehrte erst jüngst wieder an die Führungsspitze zurück. Dell fertigt heute längst nicht mehr nur Desktop-Systeme, auch wenn der Desktop- und Notebookbereich mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes trägt. Inzwischen gehören auch Server, Speichersysteme, Drucker und Workstations zum Produktportfolio der Texaner. Nach der Kooperation mit Lexmark, will Dell auch im Bereich Unterhaltungselektronik stärker Fuß fassen.

Daneben ist das Unternehmen durch seine PowerEdge-Produktlinie im Servermarkt vertreten, während sich das Unternehmen mit seinen PowerVault-Systemen im Speichermarkt engagiert. Mit seinem Precision-Workstations geht das Unternehmen einen von Sun dominierten Markt an. Die Desktop-Systeme der Reihe OptiPlex, sowie die Notebook-Serie Latitude sind dabei auf Geschäfts- und Firmenkunden zugeschnitten, während Dell mit seinen Dimension-PCs und Inspiron-Notebooks insbesondere private Anwender ansprechen will. Im High-End- und Spielesegment verstärkte sich Dell Anfang 2006 durch die Übernahme des PC-Spezialisten Alienware. Im Jahr 2007 kaufte Dell unter anderem die beiden Softwarespezialisten Zing Systems und ASAP Software zu. Zudem wurde der SaaS-Spezialist MessageOne übernommen.

Dell setzt in Sachen Vermarktung und Service vornehmlich auf seine gleichnamige Internet-Plattform. Über diesePlattform stellt das Unternehmen nicht nur Serviceleistungen und Support, wie den virtuellen Helfer Ask Dudley zur Verfügung, sondern erwirtschaftet gleichzeitig auch die Hälfte seiner Umsatzerlöse darüber. Insgesamt ist Dell heute mit mehr als 30.0000 technischen Support-Mitarbeitern in mehr als 170 Ländern weltweit präsent. Unternehmensgründer Michael Dell hält nach wie vor eine Minderheitsbeteiligung am Unternehmen.

Zahlen

Dell meldet für das vergangene Juliquartal einen Umsatzanstieg um elf Prozent auf 16,4 Mrd. US-Dollar, der Gewinn schrumpfte allerdings um 17 Prozent auf 616 Mio. Dollar oder 31 US-Cent je Aktie, nach einem Plus von 746 Mio. Dollar oder 32 US-Cent je Aktie im Jahr vorher.

Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen konnte Dell einen Nettogewinn von 33 US-Cent je Aktie realisieren und blieb damit hinter den Gewinnerwartungen der Wall Street zurück. Analysten hatten zuvor mit einem Plus von 36 US-Cent je Aktie, bei Einnahmen von 15,9 Mrd. Dollar kalkuliert.

Meldung gespeichert unter: Dell

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