Dell - kommt mit AMD die Wende?

Montag, 22. Mai 2006 00:00

(IT-Times) Seit Mitte vergangenen Jahres kennt der Aktienkurs des weltgrößten PC-Herstellers Dell (Nasdaq: DELL<DELL.NAS>, WKN: 875403<DLCA.FSE>) nur einen Weg und zwar den nach unten. Notierten Dell-Papiere vor einem Jahr noch über 40 US-Dollar, markierten die Titel jüngst ein neues Jahrestief bei knapp 24 Dollar.

Dell verliert Marktanteile

Marktbeobachter sehen die Misere bei Dell im Zusammenhang mit einem deutlich stärker werdenden Wettbewerb. So haben Mitbewerber, wie Hewlett-Packard, Acer oder Chinas Lenovo ihre Kostenstruktur angepasst und können Modelle nunmehr ebenfalls zu äußerst konkurrenzfähigen Preisen am Markt anbieten und damit das Direkt-Vertriebsgeschäftsmodell der Texaner untergraben.

Leuchtendes Beispiel ist hier der Druckerhersteller Hewlett-Packard (HP). HP konnte unter Führung des neuen CEOs Mark Hurd zuletzt seine Erlöse im PC-Geschäft um zehn Prozent steigern, während Dell lediglich ein Umsatzplus von sechs Prozent im PC-Geschäft verbuchte. Die Marktforscher aus dem Hause Gartner sehen HPs Marktanteil nunmehr bei 14,9 Prozent, nach 13,8 Prozent in der Vorjahresperiode. Die Zugewinne von HP gingen unter anderem zu Lasten von Dell, dessen Marktanteile leicht auf 16,5 Prozent schrumpften.

Dell setzt auf niedrigere Preise und AMD

Um den Schwund bei den Marktanteilen zu stoppen, will Dell künftig auch AMD-Chips in seinen Server verbauen. Damit vollzieht Dell einen historischen Wandel, der nach Meinung von Marktbeobachtern die PC-Industrie nachhaltig verändern könnte. Zuvor setzte Dell ausschließlich auf Intel-Chips, was auch mit dazu beigetragen hat, dass Intel in der Vergangenheit bis zu 90 Prozent des PC-Prozessormarktes kontrollierte.

Ob Dell mit dem jüngsten Schritt der Befreiungsschlag gelingt, wird im Analystenlager eher bezweifelt. Bislang will Dell nur bei bestimmten Servern AMD-Chips einsetzen, was nach Angaben von Bernstein-Analyst Toni Sacconaghi nur ein Prozent des Gesamtumsatzes der Texaner darstellt. So wird erwartet, dass Dell in den nächsten Quartalen möglicherweise auch AMD-Chips in Desktop-PCs und Notebook-Computer verbauen wird. Zudem will Dell künftig auch niedrigere Gewinnmargen in Kauf nehmen, um durch niedrigere Preise wieder schneller wachsen zu können, was zunächst die Gewinne belasten dürfte.

Kurzportrait

Der in Round Rock/Texas ansässige Computerhersteller Dell setzt insbesondere auf den Direktvertrieb seiner Produkte ohne Zwischenhandel, um so Kostenvorteile erzielen zu können. Gegründet im Mai 1984 erlebte das Unternehmen unter seinem visionären Gründer Michael Dell insbesondere in den 90er Jahren einen rasanten Aufstieg. Michael Dell, welcher am längsten einer Company als CEO (Chief Executive Officer) vorsteht, führte sein Unternehmen ganz nach oben in die erste Liga der Technologiekonzerne und gab jüngst den Führungsstab an Kevin Rollins ab. Dell fertigt heute längst nicht mehr nur Desktop-Systeme, auch wenn der Desktop- und Notebookbereich mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes trägt. Inzwischen gehören auch Netzwerkrechner, Speichersysteme, PDA-Computer, Drucker und Workstations zum Produktportfolio der Texaner. Auch im Bereich Unterhaltungselektronik wollen die Texaner verstärkt Fuß fassen.

Daneben ist das Unternehmen durch seine PowerEdge-Produktlinie im Servermarkt vertreten, während sich das Unternehmen mit seinen PowerVault-Systemen im Speichermarkt engagiert. Mit seinem Precision-Workstations geht das Unternehmen einen von Sun dominierten Markt an. Die Desktop-Systeme der Reihe OptiPlex, sowie die Notebook-Serie Latitude sind dabei auf Geschäfts- und Firmenkunden zugeschnitten, während Dell mit seinen Dimension-PCs und Inspiron-Notebooks insbesondere private Anwender ansprechen will. Im High-End- und Spielesegment verstärkte sich Dell Anfang 2006 durch die Übernahme des PC-Spezialisten Alienware.

Dell setzt in Sachen Vermarktung und Service vornehmlich auf seine gleichnamige Internet-Plattform. Über diese Internet-Plattform stellt das Unternehmen nicht nur Serviceleistungen und Support, wie den virtuellen Helfer Ask Dudley zur Verfügung, sondern erwirtschaftet gleichzeitig auch die Hälfte seiner Umsatzerlöse darüber. Insgesamt ist Dell heute mit mehr als 30.0000 technischen Support-Mitarbeitern in mehr als 170 Ländern weltweit präsent. Unternehmensgründer Michael Dell hält nach wie vor eine Minderheitsbeteiligung am Unternehmen. Neben der Kooperation mit dem Druckerhersteller Lexmark, gab das Unternehmen zuletzt den Einstieg in den Markt für Unterhaltungselektronik bekannt.

Zahlen

Für das vergangene erste Fiskalquartal 2007 meldete Dell zwar einen Umsatzanstieg auf 14,2 Mrd. Dollar, was einem Zuwachs von sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht, gleichzeitig musste der PC-Hersteller jedoch auch einen Gewinnrückgang auf 762 Mio. Dollar oder 33 US-Cent je Aktie verkraften. Im Vorjahr stand an dieser Stelle noch ein Plus von 934 Mio. Dollar oder 37 US-Cent je Aktie zu Buche.

Mit den vorgelegten Zahlen konnte Dell die zurückgeschraubten Erwartungen des Marktes erfüllen. An der Wall Street hatte man im Vorfeld mit Einnahmen von 14,2 Mrd. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von 33 US-Cent je Aktie kalkuliert.

Nach Angaben von Marktforschern aus dem Hause IDC und Gartner musste Dell im ersten Quartal 2006 Marktanteile abgeben. Während Dell seine Auslieferungszahlen um zehn Prozent steigern konnte, wuchs die Industrie um 13 Prozent, wobei der Hauptrivale Hewlett-Packard sogar 22 Prozent mehr PCs ausliefern konnte.

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