Dell erschließt sich neue Möglichkeiten und eröffnet neue Baustelle

Mittwoch, 30. September 2009 13:10
Dell

(IT-Times) - Bereits seit Monaten wurde über einen möglichen großen Zukauf des weltweit zweitgrößten PC-Herstellers Dell (Nasdaq: DELL, WKN: 875403) spekuliert (IT-Times berichtete). Nunmehr hat der US-Computerbauer Nägel mit Köpfen gemacht.

3,9 Mrd. Dollar ließen sich die Texaner nunmehr die Übernahme von Perot Systems kosten, womit Dell den gleichen Weg einschlägt, den zuvor schon der Rivale Hewlett-Packard (HP) durch die Übernahme von EDS gegangen war. Im Analystenlager überwiegt allerdings die Meinung, dass Dell mit dem Zukauf zu viel für die Expansion im IT-Sektor bezahlt hat. Zudem fürchten Analysten, dass Dell durch den Vorstoß im Gegensatz zu HP keine großen Synergieeffekte erzielen kann.

Dell verringert Abhängigkeit vom PC-Geschäft
HP zahlte bei seiner Übernahme lediglich das 0,6-fache der zu erwartenden EDS-Umsätze, während Dell einen Preis zahlt, der Perot mit dem 1,4-fachen des zu erwartenden Jahresumsatzes bewertet. Auch J.P. Morgan Analyst Mark Moskowitz hält den Preis für zu hoch, bewertet den Dell-Vorstoß aber insgesamt positiv. Dell sei damit weniger von seinem PC-Geschäft abhängig und könne so auf wiederkehrende Umsätze durch das IT-Servicegeschäft hoffen.

Tatsächlich werden PCs immer billiger und der intensive Wettbewerb lässt die Gewinnmargen der Hersteller schrumpfen, die mit Kostensenkungsmaßnahmen versuchen, diese Entwicklung abzufedern. PC-Hersteller suchen daher seit geraumer Zeit nach neuen Möglichkeiten, ihre Umsatzbasis stärker zu diversifizieren, um die Abhängigkeit vom zyklischen PC-Geschäft zu verringern. Eine Expansion in den IT-Servicebereich liegt dabei nahe, lassen sich verwandte Geschäftsbereiche miteinander kombinieren und so Synergien erzielen. Dell rechnet durch den Zusammenschluss dann auch mit Kosteneinsparungen von sechs bis acht Prozent. Im Fiskaljahr 2012 soll sich der Zukauf dann auch positiv auf die Gewinnentwicklung auswirken.

IT-Servicemarkt soll trotz Krise weiter zulegen
Neben einer gefestigten Position im Geschäft mit großen Firmenkunden, hofft Dell auch vom Aufschwung im IT-Sektor profitieren zu können. Nachdem der weltweit IT-Servicesektor im vergangenen Jahr von 745 Mrd. US-Dollar auf 806 Mrd. Dollar geklettert war, rechnen die Gartner-Marktforscher damit, dass der weltweite IT-Servicemarkt im Jahr 2012 die Marke von einer Billion US-Dollar knacken wird.

Davon könnte auch der Computerbauer Dell profitieren, der mit einem Schlag seine Präsenz in der IT-Hochburg Indien verstärkt, denn Perot Systems beschäftigt bereits rund ein Drittel seiner Mitarbeiter in dem aufstrebenden IT-Land. Dennoch wird Dell zunächst beweisen müssen, ob die zu erwartenden Synergieeffekte - Stichwort Integration - so einfach zu realisieren sind…

Kurzportrait

Der in Round Rock/Texas ansässige Computerhersteller Dell setzt insbesondere auf den Direktvertrieb seiner Produkte ohne Zwischenhandel, um so Kostenvorteile erzielen zu können. Im Jahr 2007 hat Dell aber seine Strategie geändert und verkauft seine PCs auch über den Einzelhandel (Wal-Mart etc.).Gegründet im Mai 1984 erlebte das Unternehmen unter seinem visionären Gründer Michael Dell insbesondere in den 90er Jahren einen rasanten Aufstieg. Michael Dell, welcher am längsten einer Company als CEO (Chief Executive Officer) vorsteht, kehrte erst jüngst wieder an die Führungsspitze zurück. Dell fertigt heute längst nicht mehr nur Desktop-Systeme, auch wenn der Desktop- und Notebookbereich mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes trägt. Inzwischen gehören auch Server, Speichersysteme, Drucker und Workstations zum Produktportfolio der Texaner. Nach der Kooperation mit Lexmark, will Dell auch im Bereich Unterhaltungselektronik stärker Fuß fassen.

Daneben ist das Unternehmen durch seine PowerEdge-Produktlinie im Servermarkt vertreten, während sich das Unternehmen mit seinen PowerVault-Systemen im Speichermarkt engagiert. Mit seinem Precision-Workstations geht das Unternehmen einen von Sun dominierten Markt an. Die Desktop-Systeme der Reihe OptiPlex, sowie die Notebook-Serie Latitude sind dabei auf Geschäfts- und Firmenkunden zugeschnitten, während Dell mit seinen Dimension-PCs und Inspiron-Notebooks insbesondere private Anwender ansprechen will. Im High-End- und Spielesegment verstärkte sich Dell Anfang 2006 durch die Übernahme des PC-Spezialisten Alienware. Im Jahr 2007 kaufte Dell unter anderem die beiden Softwarespezialisten Zing Systems und ASAP Software zu. Zudem wurde der SaaS-Spezialist MessageOne übernommen. Anfang 2009 schluckte Dell die Microsoft-Beratungseinheit Allin Copr. Im Herbst 2009 gab Dell ein Milliardenübernahmeangebot für den IT-Servicespezialisten Perot Systems ab.

Dell setzt in Sachen Vermarktung und Service vornehmlich auf seine gleichnamige Internet-Plattform. Über diesePlattform stellt das Unternehmen nicht nur Serviceleistungen und Support, wie den virtuellen Helfer Ask Dudley zur Verfügung, sondern erwirtschaftet gleichzeitig auch die Hälfte seiner Umsatzerlöse darüber. Insgesamt ist Dell heute mit mehr als 30.0000 technischen Support-Mitarbeitern in mehr als 170 Ländern weltweit präsent. Unternehmensgründer Michael Dell hält nach wie vor eine Minderheitsbeteiligung am Unternehmen.

Zahlen

Die Umsätze schrumpften im vergangenen Juliquartal um 22 Prozent auf 12,8 Mrd. US-Dollar. Während das Unternehmen den PC-Absatz an Privatkunden um 17 Prozent steigern konnte, gingen die Auslieferungen an Firmenkunden zurück. So meldet Dell im Bereich Consumer-PCs einen Umsatzrückgang um neun Prozent auf 2,9 Mrd. Dollar, während das Geschäft mit Firmenkunden um 32 Prozent auf 3,3 Mrd. Dollar einbrach. Im Geschäft mit der öffentlichen Hand setzte Dell mit 3,8 Mrd. Dollar um 16 Prozent weniger um als im Vorjahr. Gegenüber dem Vorquartal zogen die Umsätze in diesem Geschäftsbereich aber schon wieder um 20 Prozent an.

Der Gewinn ging insgesamt um 23 Prozent auf 472 Mio. Dollar oder 24 US-Cent je Aktie zurück, nachdem Dell im Jahr vorher noch einen Profit von 616 Mio. Dollar oder 31 US-Cent je Aktie erwirtschaften konnte. Die jüngsten Gewinnzahlen beinhalten Restrukturierungskosten in Höhe von 87 Mio. Dollar oder vier US-Cent je Aktie. Analysten hatten im Vorfeld bei Dell nur mit Einnahmen von 12,6 Mrd. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von 23 US-Cent je Aktie gerechnet.

Dank Kosteneinsparungen konnte Dell seine Bruttomargen wieder auf 18,7 Prozent vom Umsatz steigern. Der operative Cashflow summierte sich im jüngsten Quartal auf 1,1 Mrd. Dollar, wodurch Dell das Quartal mit Barreserven von 12,7 Mrd. Dollar beenden konnte.

Meldung gespeichert unter: Dell

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