Conergy vor dem Turnaround?

Montag, 15. September 2008 13:36
Conergy

(IT-Times) Der Hamburger Solarspezialist Conergy AG (WKN: 604002) kämpft um seine Reputation und die Rückkehr in die Gewinnzone. Trotz der zuletzt eingeleiteten Maßnahmen dürfte jedoch noch ein langer Weg vor dem Unternehmen liegen, bis der integrierte Solarkonzern vollständig saniert ist.

Nachdem das Unternehmen durch eine zu schnelle Expansion in eine gefährliche finanzielle Schieflage geriet, haben inzwischen die Aufräumarbeiten begonnen. Das Unternehmen will sich dem Segment Photovoltaik widmen und hat den Verkauf der Geschäftsbereiche rund um Geothermie, Solarthermie, Windkraftwerke und Bioenergie eingeleitet. Der Verkauf der Sparten dürfte in den nächsten Wochen endgültig abgeschlossen sein, womit sich Conergy voll auf das Geschäft mit dem Vertrieb von Photovoltaik-Produkten konzentrieren kann.

Neue Fabrik kämpft mit Anlaufschwierigkeiten
Doch genau hier hatte Conergy zuletzt mit Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen. Verzögerungen im Zusammenhang mit der Massenproduktion in seiner neuen Fabrik in Frankfurt/Oder zwangen Conergy nunmehr einen Partner ins Boot zu holen. Die südkoreanische LG Electronics beabsichtigt, 75 Prozent der Fabrik zu erwerben, während Conergy mit 25 Prozent beteiligt bleibt. Durch diesen Schachzug hofft Conergy nach Informationen des Handelsblatts die Probleme im Zusammenhang mit der Massenproduktion von Solarmodulen in den Griff zu bekommen und damit die Produktion weiter hochzufahren.

Zwar ist LG Electronics der zweitgrößte Elektronikhersteller in Südkorea, doch große Erfahrungen in der Solarindustrie hat das Unternehmen bislang nicht. Vielmehr hat LG erst im Mai 2008 den Einstieg in das Marktsegment angekündigt, dass auch für LG Electronics noch neu ist. Ob die Südkoreaner den Hamburgern technologisch wirklich weiterhelfen können, bleibt abzuwarten.

Auch steht noch nicht fest, wie viel Geld Conergy durch den Deal wirklich zufließen wird. Conergy hat in die bislang weltweit einzige voll integrierte Massenproduktionsanlage rund 250 Mio. Euro investiert. Nach Schätzungen der Zeitung Maeil Business dürfte LG Electronics rund 183 Mio. US-Dollar für die mehrheitliche Übernahme der Fabrik bezahlt haben.

Dieses Geld benötigt Conergy dringend, um seinen Sanierungskurs weiter fortzuführen und die Eigenkapitalquote von zuletzt nur sechs Prozent zu heben und die Verschuldung von 600 Mio. Euro abzubauen. Ob das Sanierungskonzept aufgeht, dürfte sich frühestens im Jahr 2009 zeigen. Dann dürfte das Konzept von Conergy auf eine harte Probe gestellt werden, denn Marktbeobachter rechnen dann mit einem deutlichen Preisrutsch bei Solarmodulen von zehn bis 20 Prozent…

Kurzportrait

Das Solarunternehmen Conergy wurde im Jahr 1998 durch den ehemaligen Vorstand Hans-Martin Rüter gegründet und ist ein voll integrierter Solarkonzern, der sowohl Solar-Wafer, Solarzellen und Solarmodule im eigenen Haus produziert und weltweit vertreibt. Das Unternehmen hat sich dabei auf die Installation, Projektierung und Produktion von Solarsystemen und anderen Erneuerbare Energien spezialisiert. Schwerpunkt ist jedoch der Vertrieb von Photovoltaik-Produkten.

Zum Produktportfolio von Conergy gehören nicht nur Solarmodule, sondern auch Nachführsysteme, Befestigungssysteme, (SunTopp III) für Aufdachsysteme, sowie String-Wechselrichter (Conergy IPG Serie) als auch Zentral- und Insel-Wechselrichter. Daneben bietet Conergy auch ein entsprechendes Anlagenüberwachungssystem (Conergy SunReader und Conergy SmartControl) an, welches den reibungslosen Betrieb der installierten Solaranlage sorgen soll.

Heute ist Conergy mit seinem Geschäft in mehr als 20 Ländern auf fünf Kontinenten aktiv. Insgesamt operiert Conergy von zwei Hauptgeschäftssegmenten heraus. Während die Conergy Solarsysteme produziert, installiert und projektiert, bietet die Tochter Epuron GmbH (vormals voltwerk AG) Projektentwicklung und die Finanzierung von erneuerbaren Energieprojekte an. Epuron unterzeichnete in 2008 eine Joint Venture Vereinbarung mit der australischen Macquarie Capital Group, über die Finanzierung eines Windkraftprojektes mit einer Leistung von 1.000 Megawatt.

Seine Wafer, Solarzellen und Solarmodule produziert Conergy an seinem neuen Produktionsstandort in Frankfurt an der Oder. Im Bereich der Produktion von Solarmodulen will Conergy künftig auch mit der südkoreanischen LG Electronics zusammenarbeiten. Den Vertrieb hat das Unternehmen im Jahr 2008 neu strukturiert und die beiden Geschäftseinheiten für Unernehmen (Conergy) und Privatkunden (SunTechnics) miteinander verschmolzen. Insgesamt zählt das Conergy-Vertriebsnetz mehr als 100 Installationsbetriebe, die mit dem Solarspezialisten zusammenarbeiten.

Nachdem das Unternehmen in 2007 in finanzielle Schieflage geriet, versucht das Unternehmen durch eine Kapitalerhöhung wieder auf die Erfolgsstraße zurückzukehren, nachdem sich das Unternehmen durch eine zu starke Expansion verhoben hatte.

Zahlen

Ein Umsatzplus von 87 Prozent gegenüber dem Vorjahr erwirtschaftete Conergy im ersten Halbjahr 2008. Im vergangenen zweiten Quartal 2008 hat Conergy 379 Mio. Euro umgesetzt, nach 178 Mio. Euro im Vorjahresquartal ein Anstieg um 112 Prozent. Der größten Anteil erzielte Conergy dabei erstmals im Ausland, wo die Hamburger 339 Mio. Euro umsetzten, im Vorjahresquartal bezifferte sich der Umsatz im Ausland noch auf 83 Mio. Euro.

Der Rohertrag lag im zweiten Quartal 2008 bei 47 Mio. Euro und damit einen Prozentpunkt unter der Rohertragsmarge von 13 Prozent des Vorjahres. Das EBITDA allerdings konnte im zweiten Quartal erstmals in die schwarzen Zahlen gehievt werden und betrug eine Mio. Euro nach minus 27 Mio. Euro im Vorjahresquartal. Nach Steuern ergibt sich für das zweite Quartal 2008 ein Verlust von 23 Mio. Euro, nach 18 Mio. Euro in 2007. Der Cash-Flow lag bei 45 Mio. Euro nach 66 Mio. Euro im Vorjahresquartal.

Meldung gespeichert unter: Conergy

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