Conergy - gefangen in der Hoffnungslosigkeit

Dienstag, 28. September 2010 13:02
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(IT-Times) - Der Hamburger Solarkonzern Conergy AG (WKN: 604002) konnte zwar jüngst den größten Solarpark Norddeutschlands in Betrieb nehmen, doch werden positive Unternehmensmeldungen immer wieder durch alarmierende Nachrichten konterkariert.

Binnen weniger Wochen haben sich mit Dr. Andreas von Zitzewitz und mit Jörg Spiekerkötter gleich zwei hochrangige Manager aus dem Unternehmen zurückgezogen. Mit von Zitzewitz verliert Conergy den designierten Vorstandschef, während mit Spiekerkötter der fungierende Finanzvorstand das Unternehmen verlässt. Damit ist die Nachfolge an der Führungsspitze wieder offen, nachdem eigentlich der bisherige Vorstandschef Dieter Ammer im Oktober zurücktreten wollte.

Refinanzierungsfrage bleibt weiter offen
Aber nicht nur in personeller Hinsicht steht Conergy vor großen Problemen. Zwar konnte Conergy sich mit den Gläubigerbanken in letzter Minute auf eine Verlängerung der Kredite in dreistelliger Millionenhöhe bis Ende 2011 einigen, wodurch eine vorzeitige Insolvenz zunächst abgewendet schien, doch gerettet ist das Unternehmen damit noch lange nicht. Vielmehr bleibt die Frage offen, wie das Unternehmen sein mittel- bis langfristiges Wachstum refinanzieren will.

Neben der Finanzierungsfrage, scheint auch die Konkurrenz aus China übermächtig. Zwar investiert auch Conergy in modernere Produktionsanlagen, die einen höheren Wirkungsgrad ermöglichen sollen, doch mit einem Investitionsvolumen von fünf Mio. Euro im Werk in Frankfurt (Oder) fällt der Kapazitätsausbau im Vergleich zur chinesischen Konkurrenz eher gering aus.

Wettbewerber aus China weiter auf dem Vormarsch
Internationale Marktbeobachter sehen in den Wettbewerbern aus China die Hauptkonkurrenten für die deutsche Solarindustrie. Die chinesischen Solarspezialisten genießen nicht nur Kostenvorteile, sondern können auch auf wohlwollende finanzielle Unterstützung von Seiten der Banken hoffen. Bestes Beispiel hierfür ist der führende chinesische Solar-Waferhersteller LDK Solar, der mittlerweile auch in die Fertigung von Solarzellen eingestiegen ist.

Durch einen Rahmenvertrag mit der China Development Bank Corporation (CDB) sicherte sich LDK Solar jüngst den Zugriff auf Kreditlinien in Höhe von 60 Mrd. Renminbi (RMB) bzw. 8,9 Mrd. US-Dollar in den nächsten fünf Jahren. Dieses Geld soll dem Unternehmen für weitere Expansionszwecke zur Verfügung stehen, heißt es.

Kein Vergleich zu den Summen, die deutschen Anbietern für Expansionspläne zur Verfügung stehen. Vor allem für angeschlagene Anbieter wie Conergy, die ohnehin mit Finanzierungsproblemen kämpfen, ein schier hoffnungsloses Unterfangen…

Kurzportrait

Das Solarunternehmen Conergy wurde im Jahr 1998 durch den ehemaligen Vorstand Hans-Martin Rüter gegründet und ist ein voll integrierter Solarkonzern, der sowohl Solar-Wafer, Solarzellen und Solarmodule im eigenen Haus produziert und weltweit vertreibt. Das Unternehmen hat sich dabei auf die Installation, Projektierung und Produktion von Solarsystemen und anderen Erneuerbare Energien spezialisiert. Schwerpunkt ist jedoch der Vertrieb von Photovoltaik-Produkten. Inzwischen generiert Conergy mehr als Hälfte seiner Umsätze im Ausland.

Zum Produktportfolio von Conergy gehören nicht nur Solarmodule, sondern auch Nachführsysteme, Befestigungssysteme, (SunTopp III) für Aufdachsysteme, sowie String-Wechselrichter (Conergy IPG Serie) als auch Zentral- und Insel-Wechselrichter. Daneben bietet Conergy auch ein entsprechendes Anlagenüberwachungssystem (Conergy SunReader und Conergy SmartControl) an, die den reibungslosen Betrieb der installierten Solaranlage überwachen soll.

Heute ist Conergy mit seinem Geschäft in 20 Ländern auf fünf Kontinenten aktiv. Insgesamt operiert Conergy von zwei Hauptgeschäftssegmenten heraus. Während die Conergy Solarsysteme produziert, installiert und projektiert, bietet die Tochter Epuron GmbH (vormals voltwerk AG) Projektentwicklung und die Finanzierung von erneuerbaren Energieprojekte an. Epuron unterzeichnete in 2008 eine Joint Venture Vereinbarung mit der australischen Macquarie Capital Group, über die Finanzierung eines Windkraftprojektes mit einer Leistung von 1.000 Megawatt.

Seine Wafer, Solarzellen und Solarmodule produziert Conergy an seinem neuen Produktionsstandort in Frankfurt an der Oder. Zudem bezieht Conergy Solar-Wafer vom amerikanischen Hersteller MEMC. Den Vertrieb hat das Unternehmen im Jahr 2008 neu strukturiert und die beiden Geschäftseinheiten für Unernehmen (Conergy) und Privatkunden (SunTechnics) miteinander verschmolzen. Insgesamt zählt das Conergy-Vertriebsnetz mehr als 100 Installationsbetriebe, die mit dem Solarspezialisten zusammenarbeiten.

Nachdem das Unternehmen in 2007 in finanzielle Schieflage geriet, versucht das Unternehmen durch eine Kapitalerhöhung wieder auf die Erfolgsstraße zurückzukehren, nachdem sich das Unternehmen durch eine zu starke Expansion verhoben hatte.

Zahlen

Meldung gespeichert unter: Conergy

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