Cloud Computing: Vom Modebegriff zur echten Alternative

Freitag, 12. September 2008 15:23
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(IT-TIMES) Es geht ein Geist um in der Computer- und Internetbranche. Und dieser Geist heißt "Cloud". Cloud-Computing ist wohl das große IT-Schlagwort des Jahres, auch wenn man diesen Begriff und noch viel mehr die Inhalte, die sich dahinter verbergen, kaum greifen kann. Aber genau darum geht es ja auch beim Thema Cloud.

Je nachdem, wer sich zum Thema äußert, definiert die Cloud - also die Wolke - ein wenig anders. Bei Softwareanbietern hört es sich anders an als bei Dienstleistern. Und die wiederum äußern sich anders zum Thema als die Anbieter von Netzwerktechniken und Infrastruktur. Am ehesten scheint es noch das Marktforschungsunternehmen Forrester Research passend zu definieren, wenn es sagt, dass Cloud Computing ein Pool aus abstrahierter hochskalierbarer und verwalteter IT-Infrastruktur sei, die Kundenanwendungen vorhält und nach Verbrauch abgerechnet wird.

Das bedeutet, dass der Anwender einer Software diese nicht mehr selbst auf eigener Hardware gespeichert hat. Vielmehr wird die Leistung der Soft- und der Hardware durch einen Dritten angeboten, der diese Leistungen aber auch anderen Kunden zur Verfügung stellt. Dadurch sind Anwendungen und Dokumente nicht mehr lokal gespeichert, sondern sind "irgendwo" in einer virtuellen Wolke abrufbar. Daher stamm dann auch der Begriff des Cloud Computing.

Chrome kann die Cloud zu jedem nach Hause bringen

Der Weg zu Dokumenten und Anwendungen kann dann von jedem Rechner der Welt gefunden werden. Hierzu braucht es dann nur einen Internetzugang und einen Webbrowser. Vor diesem Hintergrund ist auch die Einführung des Google-eigenen Browsers Chrome vor gut einer Woche zu verstehen. Damit treibt der Suchmaschinenspezialist die Idee des Cloud Computing auch im Privatanwenderbereich voran. Über Google lässt sich bereits ein komfortabler Kalender verwalten, Texte, Tabellen und Präsentationen können erstellt, bearbeitet und gespeichert werden und auch Tools, um Fotos zu bearbeiten und in Alben abzulegen, stehen bereits via Google bereit.

Das mag zunächst wenig revolutionär gelten. Hersteller von Hard- und Software stehen hierdurch jedoch vor ganz neuen Herausforderungen. Web-User - und da ist es nebensächlich, ob es sich hierbei um Privatkunden oder Unternehmen handelt - kaufen keine Hardware mehr und zahlen keine Lizenzen für Software. Vielmehr kaufen oder mieten sie die Kapazitäten und die Programmbausteine, die sie gerade benötigen. Das verschlangt die Strukturen bei den Anwendern ungemein. Es braucht im Endeffekt nur noch den Zugang ins Internet sowie einen Controller, wie die Tastatur oder ein Mobiltelefon. Alles andere liegt in der Wolke und ist dort auch abrufbar.

Die Cloud ändert die Nutzungsweise von Computern

Das kling noch ein wenig nach Science Fiction, wird aber sicher Realität, wenn sich bereits Branchengrößen wie Google, Microsoft oder aber Amazon ganz der Wolke verschrieben haben. Bei Microsoft geht man davon aus, dass die Wolke die Art und Weise verändern werde, wie man Computer nutzt. Unternehmen, die ihren Platz auf der Wolke behaupten wollen, müssten dabei aber schon eine gewisse Größe aufweisen, um den Ansprüchen dort gerecht zu werden.

Unternehmen bringen sich im Kampf um die Wolke bereits heute in Position. Microsoft hat sich hierzu bereits geäußert und möchte Nutzern per Computer oder Mobiltelefon mit einem Microsoft-Betriebssystem den Zugang in die Wolke ermöglichen. Man scheint sich in strategischen Fragestellungen also nun mit dem Thema Cloud auseinanderzusetzen und nicht mehr mit den Fragestellungen rund im Betriebssysteme, Onlinesuche oder Office-Programme. Zu den Pionieren in Sachen Cloud wird der Online-Händler Amazon gezählt. Amazon macht hierbei allerdings nichts anderes, als bestehenden eigenen Speicherplatz auch anderen Unternehmen zur Verfügung zu stellen. Die brauchen dann kein eigenes Rechenzentrum aufzubauen und zu managen sondern lagern diese Leistungen komplett an Amazon aus. Privatkunden hat das Unternehmen dabei allerdings anders als etwa Microsoft und Google (noch) nicht ins Visier genommen.

Cloud Computing wird wohl deshalb momentan zum großen Thema, weil nun endlich die Technologie mit den bereits länger vorhandenen großen Gedanken Schritt halten kann. Die Virtualisierung ist weit genug voran geschritten, ebenso das Bereitstellen von Software über ein Netzwerk mit den dazugehörigen Abrechnungsmodulen gilt gemeinhin als ausgereift. Unternehmen wie IBM stellen ihren Mitarbeitern bereits Zugriffe auf firmeninterne Clouds aus. So kann man sich binnen kürzester Zeit die Ressourcen zusammen stellen, die man als Anwender gerade braucht. Auch für Unternehmen, die neue Anwendungen testen wollen, können das innerhalb der Cloud. Der Vorteil: Sie brauchen sich keine eigene Infrastruktur hierfür anzuschaffen, sie buchen die notwendigen Ressourcen einfach aus der Cloud heraus und können Entwicklungszeiten so deutlich verringern. Allerdings gibt es noch immer - und das nicht zu Unrecht - Bedenken in Bezug auf Sicherheit, Verfügbarkeit, Kapazitäten und Servicequalität. Diese Bedenken sind noch lange nicht ausgeräumt, dürften den Erfolg der Cloud aber nicht zu bremsen vermögen.

Ausgerechnet die E-Mail soll es sein, die dem IT-Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Gartner zufolge dem Cloud Computing zum Boom verhelfen wird. Wie es heißt, wird die Zahl der kommerziellen Email-Arbeitsplätze, die auf Cloud Computing-Modellen basieren, von einem Prozent im Jahr 2007 auf 20 Prozent bis zum Jahr 2012 steigen. Ursache hierfür sind neben neuen Anbietern auch fallende Preise. Die Analysten erwarten gerade durch den Druck großer Anbieter auf den Cloud E-Mail-Markt eine weit reichende Neustrukturierung des gesamten E-Mail-Marktes.

HP, Intel und Yahoo arbeiten zusammen an ihrer Wolke

Und nicht nur des Email-Marktes. So hat auch der US-Drucker- und PC-Hersteller Hewlett-Packard gemeinsam mit Intel und Yahoo eine Initiative im Bereich Cloud Computing gestartet. Die drei Unternehmen wollen gemeinsam ein globales Datenzentrum errichten, um die Zusammenarbeit zwischen Industrie, Organisationen und Bildungseinrichtungen bei Entwicklungsprojekte im Bereich Internet-Anwendungen und Services zu fördern. Durch das von den drei Unternehmen eingerichtete Cloud Computing Test Bed soll eine Testumgebung für Internetanwendungen entstehen, um die Forschung an neuen Software-, Datencenter- und Hardwarelösungen zu forcieren.

Die drei Unternehmen sind hierfür Partnerschaften mit der Infocomm Development Authority of Singapore (IDA), sowie mit der University of Illinois und dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) eingegangen. Die Hosting- bzw. Testumgebung wird zunächst aus sechs sogenannten „Centers of Excellence“ bestehen. Jeder Standort wird demnach eine komplette Cloud Computing Infrastruktur beherbergen und hosten. Die entsprechende Hardware wird auf HP-Rechner mit Intel-Prozessoren basieren, die über 1.000 bis 4.000 Prozessorkerne verfügen, um die rechenintensiven Forschungsaufgaben zu bewältigen.

Auch AT&T will mitspielen

Auch der Telekommunikationsgigant AT&T Inc. steigt ebenfalls in das Geschäft mit Cloud Computing ein. Dabei sollen besonders Geschäftskunden angesprochen werden. AT&T plant die Einrichtung von insgesamt 38 Datenzentren. Davon sollen fünf Zentren als sogenannte „Super IDC“ aufgebaut werden und regionale Gateways darstellen. Für Europa wird ein solches Zentrum in Amsterdam entstehen. Die fünf übergeordneten Zentren dienen dazu, Rechnen- und Anwenderdienstleistungen mit virtualisierten Servern bereitzustellen. Allein für das Jahr 2008 wurde eine Mrd. US-Dollar für entsprechende Projekte eingeplant. Momentan nutzt AT&T das vorhandene Netz in erster Linie für so genanntes Synaptic Hosting. Hierbei werden Anwendungen und Computing-Ressourcen auf Servern und anderen Speichern verwaltet. Zum Einsatz kommen diese Dienste besonders bei Internetseiten mit einer extrem hohen Zugriffrate oder einem stark flukturierenden Datenvolumen. Gleichzeitig können aber auch hochauflösende Elemente oder dynamische Back-ups über diese Technik angeboten werden.

Und noch einmal Forrester Research: Demnach habe Cloud Computing das Potenzial, die IT-Strukturen in Unternehmen zu ändern. Die Zeit sei derzeit aber nur für das Angebot reif. Die Nachfrage reagiere noch skeptisch. Vor allem kleine Unternehmen seien es derzeit, die sich gut vorstellen können, IT-Dienste durch Cloud-Provider abzurufen. Damit die Cloud auch in großen Unternehmen eine echte Alternative zu bestehenden Strukturen darstellt, wird es wahrscheinlich noch dauern, bis es erste Referenzkunden gibt, die damit gute Erfahrungen gemacht haben werden.

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