Cisco Systems strauchelt - Unsicherheit sorgt für Krisenstimmung in der IT-Branche

Freitag, 13. August 2010 13:15
Cisco Systems Unternehmenslogo

(IT-Times) - Der weltgrößte US-Netzwerkausrüster Cisco Systems (Nasdaq: CSCO, WKN: 878841) schockte die Märkte am Vortag mit einem verhaltenen Ausblick auf das laufende dritte Quartal. Laut Aussagen von Cisco-Chef John Chambers habe man unterschiedliche Signale von Kunden erhalten. Chambers beschreibt die aktuelle Situation mit einer allgemeinen „ungewöhnlichen Unsicherheit“. Diese Aussagen reichten, um den Cisco-Aktienkurs um knapp zehn Prozent abstürzen zu lassen.

2011: Marktforscher fürchten Nullwachstum in der IT-Branche
An den Märkten fürchtet man nunmehr das Ende, des im vergangenen Jahr eingesetzten Aufschwungs. Vor allem Firmenkunden könnten bei den IT-Investitionen im zweiten Halbjahr stärker auf die Bremse treten, als erwartet. Daraufhin deuten auch die nach unten revidierten Prognosen des Marktforschers Gartner hin. Die Marktforscher hatten just ihren Ausblick für die IT-Industrie nach unten korrigiert.

Insgesamt gehen die Gartner-Marktforscher davon aus, dass die weltweiten IT-Ausgaben in diesem Jahr nur leicht auf 2,4 Billionen US-Dollar zulegen werden, nach 2,3 Billionen Dollar im Jahr 2009. Die Gartner-Analysten raten Unternehmen jedoch, Notfallpläne zu entwickeln und sich für ein mögliches Nullwachstum im Jahr 2011 zu rüsten.

IT-Industrie vor weiterer Konsoldierungswelle - Cisco vor Übernahme von Sonus Networks?
Sollte es tatsächlich im zweiten Halbjahr zu einer spürbaren Konjunkturabkühlung kommen, könnte Cisco eine mögliche Branchenkonsolidierung wieder für größere Zukäufe nutzen. Für den US-Netzwerkausrüster gehören Firmenzukäufe zur Kernstrategie, um weiter zu wachsen - allein zwischen 1993 bis heute wurden fast 100 Unternehmen übernommen. Zudem sitzt Cisco auf einer gut gefüllten Kriegskasse, die sich zum ersten Halbjahr 2010 auf 39,9 Mrd. US-Dollar summierte. Allein im jüngsten Quartal kamen 775 Mio. Dollar an frischen Mitteln hinzu.

Der letzte große Zukauf des Router-Herstellers liegt bereits fast ein Jahr zurück, als sich Cisco den Videokonferenzausrüster Tandberg einverleibte. Die Übernahme wurde im April abgeschlossen. Nachdem der US-Softwarehersteller Citrix Systems als mögliches Übernahmeziel von Cisco gehandelt wurde, ist in den vergangenen Wochen ein weiteres Unternehmen ins Visier der Spekulanten gerückt.

An der Wall Street kursieren Gerüchte, wonach Cisco derzeit die Fühler nach dem Netzwerkspezialisten Sonus Networks ausgestreckt haben und bereit sein soll, bis zu 6,0 US-Dollar je Sonus-Aktie zu bezahlen. Sonus bietet VoIP-Infrastrukturlösungen für Festnetz- und Mobilfunkunternehmen an und schaffte erst im jüngsten Quartal bei einem Umsatz von knapp 60 Mio. Dollar den Sprung in die Gewinnzone…

Kurzportrait

Gegründet im Jahre 1984 und in der kalifornischen Hightech-Schmiede San Jose ansässig, schaffte das Unternehmen vor allem in den 90er Jahren den Aufstieg zum Weltkonzern mit einem Jahresumsatzvolumen von mehr als 30 Mrd. Dollar. Bedingt durch eine aggressive Expansionspolitik - das Unternehmen kaufte allein von 1993 bis heute mehr als 90 Unternehmen - gelang es dem Hightech-Konzern auch in andere Geschäftsfelder zu expandieren. Heute operiert Cisco vor allem aus fünf Geschäftsbereichen heraus: USA und Kanada, Europäische Märkte, Emerging Markets, Asien Pazifik und Japan.

Nach der Übernahme von Andiamo Systems und Psionic Software in 2002, wurden in den vergangenen Jahren unter anderem die Software- und Netzwerkspezialisten Okena, SignalWorks, Linksys Group, Latitude Networks, Parc Technologies, Procket Networks, Actona Technologies, Protego Networks, der Netzwerkspezialist BCN Systems, Jahi Networks, NetSolve und der WLAN-Spezialist Airespace aufgekauft.

Im Mai setzte Cisco seine Einkaufstour fort und übernahm mit FineGround Networks einen WAN-Optimierer. Mit KiSS Technology A/S, Sheer Networks und Nemo Systems wurden im Jahresverlauf weitere Firmen zugekauft. Anfang 2006 schloss Cisco die Übernahme des set-top Box-Spezialisten Scientific-Atlanta ab. Danach folgten mit Meetinghouse Data Communications und der zwei Startup-Firmen Metreos und Audium kleinere Übernahmen. Gleichzeitig kaufte Cisco den InfiniBand-Spezialisten Topspin. Im Spätsommer erwarb Cisco schließlich mit 80 Prozent die Mehrheit an den Datensystemspezialisten Nuovo Systems.

Anfang 2007 schloss Cisco die Übernahme des Softwarespezialisten Tivella ab. Gleichzeitig kaufte Cisco den Sicherheitsspezialisten IronPort sowie den Anbieter von Web-Konferenzsysteme WebEx Communications und den Spezialisten BroadWare Technologies. Bis Mitte 2008 wurde der Home-Networking-Spezialist Pure Networks sowie die dänische DiviTech übernommen. Mit Jabber und PostPath folgten zwei weitere kleinere Zukäufe im Softwarebereich. Anfang 2009 wurde SaaS-Spezialist ScanSafe übernommen. Im Herbst 2009 gab Cisco die Übernahme des Videokonferenzspezialisten Tandberg bekannt, die in 2010 abgeschlossen wurde. Im Dezember 2009 schloss der Router-Hersteller die Übernahme von Starent Networks ab. In 2010 wurde der optische Netzwerkspezialist CoreOptics sowie MOTO Development übernommen.

Heute kontrolliert Cisco Systems nicht nur den Markt für Internet-Router, sondern gilt auch als einer der führenden Ausrüster der Telekomindustrie. Inzwischen entwickelt das Unternehmen aber nicht nur Router- und Switching-Technik, sondern bietet auch Lösungen rund um Server- und Management-Software, als auch Produkte rund um den Bereich Internet-Telefonie (VoIP) und Videokonferenzausrüstung an. Entwicklungen rund um das Segment optische Netzwerke, Sicherheitslösungen, sowie drahtlose Kommunikations- und Webkonferenzsysteme runden das Produktportfolio ab.

Zahlen

Für das vergangene Juliquartal meldet Cisco einen Umsatzanstieg um 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 10,84 Mrd. US-Dollar. Der Gewinn kletterte dabei um 79 Prozent auf 1,9 Mrd. US-Dollar oder 33 US-Cent je Aktie, nach einem Profit von 1,1 Mrd. Dollar oder 19 US-Cent je Aktie in der Vorjahresperiode.

Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen konnte Cisco im jüngsten Quartal einen Nettogewinn von 43 US-Cent je Aktie generieren und damit zumindest die Gewinnerwartungen der Analysten leicht übertreffen. An der Wall Street hatte man im Vorfeld mit einem Nettogewinn von 42 US-Cent je Aktie, aber mit Einnahmen von 10,88 Mrd. US-Dollar gerechnet.

Im jüngsten Quartal konnte Cisco einen positiven Cashflow von 3,2 Mrd. US-Dollar aus der operativen Geschäftstätigkeit generieren, wobei der Bestelleingang in 13 Ländern zweistellig wuchs. Insbesondere in Schwellenländern wuchs der Ordereingang um 35 Prozent. Darüber hinaus stellte Cisco im jüngsten Quartal 2.000 neue Mitarbeiter ein und kündigte an, weitere 3.000 Mitarbeiter in den nächsten Quartalen neu einstellen zu wollen.

Meldung gespeichert unter: Cisco Systems

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