Cisco Systems bleibt auf Expansionskurs

Freitag, 2. Oktober 2009 13:27
Cisco Systems Unternehmenslogo

(IT-Times) - Der US-Netzwerkgigant Cisco Systems (Nasdaq: CSCO, WKN: 878841) hat mit einem Paukenschlag für Schlagzeilen gesorgt. Rund drei Mrd. US-Dollar lässt sich das Unternehmen die Verstärkung im Markt für Videokonferenzsysteme kosten.

Nachdem das Unternehmen im Jahr 2007 den Spezialisten für Online-Webkonferenzsysteme WebEx Communications geschluckt hat, wagt der Router-Hersteller nunmehr den nächsten Schritt. Mit der Übernahme der norwegischen Tandberg verstärkt sich Cisco im Videokonferenzausrüstermarkt für kleine und mittelständische Kunden. Bislang bediente Cisco mit seinem TelePresence-Produkt vor allem große Firmenkunden, tat sich bislang aber schwer in diesem Markt. Grund hierfür sind unter anderem die hohen Preise der Produkte, die für Mittelständler kaum erschwinglich sind. Während das Cisco-System rund 250.000 US-Dollar kostet, sind Tandberg-Produkte schon ab 7.500 US-Dollar zu haben.

Cisco steigt zum Marktführer bei Videokonferenzausrüstung auf
Entsprechend schwer tat sich Cisco bislang gegen Wettbewerber wie Tandberg, Polycom, LifeSize und Hewlett-Packard. Nachdem Tandberg als Marktführer im Bereich Videokonferenzsysteme und Ausrüstung galt, dürfte nunmehr Cisco diese Rolle zukommen. Jefferies-Analyst Bill Choi geht davon aus, dass Cisco und Tandberg gemeinsam nunmehr auf einen Marktanteil von 50 Prozent in diesem Bereich kommen.

Cisco-Chef John Chambers sieht den Zukauf dann auch weniger unter dem Gesichtspunkt von Kosten- und Synergieeffekten. Vielmehr dürfte sich der Deal erst im Fiskaljahr 2011 positiv auf die Gewinnentwicklung auswirken. Viel wichtiger ist jedoch die mit dem Zukauf verbundene Expansion in ein neues Marktsegment. Der Markt für Videokonferenzsysteme ist inzwischen ein Milliardengeschäft. Nachdem Videokonferenzausrüster im Jahr 2007 rund 1,3 Mrd. US-Dollar umgesetzt haben, dürfte das Marktvolumen im Jahr 2013 die Marke von 5,5 Mrd. US-Dollar überschreiten, so die Marktforscher aus dem Hause Wainhouse Research.

Von den jährlichen Wachstumsraten von über 21 Prozent will natürlich auch Cisco profitieren. Mit dem jüngsten Zukauf hat sich der Router-Hersteller dann auch ideal positioniert, glaubt auch Ira Weinstein, Analyst bei Wainhouse Research, der Cisco durch den jüngsten Coup nunmehr als klaren Marktführer in diesem Bereich sieht.

Cisco deutet weitere Zukäufe an
Mit dem jüngsten Vorstoß will sich Cisco aber keineswegs zufrieden geben, wie Cisco-Chef John Chambers gegenüber Reuters andeutet. Demnach werde Cisco auch nachdem Tandberg-Zukauf weiterhin eine aggressive Akquisitionsstrategie verfolgen. Dabei deutet der Manager weitere Zukäufe in den nächsten 12 Monaten an…

Kurzportrait

Gegründet im Jahre 1984 und in der kalifornischen Hightech-Schmiede San Jose ansässig, schaffte das Unternehmen vor allem in den 90er Jahren den Aufstieg zum Weltkonzern mit einem Jahresumsatzvolumen von mehr als 30 Mrd. Dollar. Bedingt durch eine aggressive Expansionspolitik – das Unternehmen kaufte allein von 1993 bis heute mehr als 85 Unternehmen – gelang es dem Hightech-Konzern auch in andere Geschäftsfelder zu expandieren. Nach der Übernahme von Andiamo Systems und Psionic Software in 2002, wurden in den vergangenen Jahren unter anderem die Softwarespezialisten Okena, SignalWorks und Linksys Group aufgekauft. Im Jahr 2003 folgte bereits die Übernahme von Latitude Networks, einem Spezialisten für Web-Konferenzsysteme. Im Jahr 2004 kaufte Cisco den Softwarespezialisten Parc Technologies, sowie den Router-Spezialisten Procket Networks und den Speicher- und Softwareanbieter Actona Technologies. Ende 2004 übernahm Cisco dann den Sicherheitsspezialisten Protego Networks. Gleichzeitig schluckte Cisco die Netzwerkspezialisten BCN Systems, Jahi Networks und NetSolve. Anfang 2005 kaufte Cisco den WLAN-Spezialisten Airespace. Im Mai setzte Cisco seine Einkaufstour fort und übernahm mit FineGround Networks einen WAN-Optimierer. Mit KiSS Technology A/S, Sheer Networks und Nemo Systems wurden im Jahresverlauf weitere Firmen zugekauft. Anfang 2006 schloss Cisco die Übernahme des set-top Box-Spezialisten Scientific-Atlanta für 6,9 Mrd. Dollar ab. Danach folgten mit Meetinghouse Data Communications und der zwei Startup-Firmen Metreos und Audium kleinere Übernahmen. Gleichzeitig kaufte Cisco den InfiniBand-Spezialisten Topspin. Im Spätsommer erwarb Cisco schließlich mit 80 Prozent die Mehrheit an den Datensystemspezialisten Nuovo Systems. Anfang 2007 schloss Cisco die Übernahme des Softwarespezialisten Tivella ab. Gleichzeitig kaufte Cisco den Sicherheitsspezialisten IronPort sowie den Anbieter von Web-Konferenzsysteme WebEx Communications und den Spezialisten BroadWare Technologies. Bis Mitte 2008 wurde der Home-Networking-Spezialist Pure Networks sowie die dänische DiviTech übernommen. Mit Jabber und PostPath folgten zwei weitere kleinere Zukäufe im Softwarebereich. Im Herbst 2009 gab Cisco die Übernahme des Videokonferenzspezialisten Tandberg bekannt.

Heute kontrolliert Cisco Systems nicht nur den Markt für Internet-Router, sondern gilt auch als einer der führenden Ausrüster der Telekomindustrie. Inzwischen entwickelt das Unternehmen aber nicht nur Router- und Switching-Technik, sondern bietet auch Lösungen rund um Server- und Management-Software, als auch Produkte rund um den Bereich Internet-Telefonie (VoIP) an. Entwicklungen rund um das Segment optische Netzwerke, Sicherheitslösungen, sowie drahtlose Kommunikations- und Webkonferenzsysteme runden das Produktportfolio ab.

Zahlen

Für das vergangene vierte Fiskalquartal 2009 berichtet Cisco von einem Umsatzrückgang um 18 Prozent auf 8,5 Mrd. US-Dollar. Gegenüber dem Vorquartal zogen die Einnahmen aber schon wieder um 4,6 Prozent an. Der Gewinn brach zunächst um 46 Prozent auf 1,1 Mrd. US-Dollar oder 19 US-Cent je Aktie ein, nachdem der Router-Hersteller im Jahr vorher noch 2,0 Mrd. Dollar oder 33 US-Cent je Aktie verdiente.

Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen konnte Cisco einen Nettogewinn von 31 US-Cent je Aktie einfahren und damit die Markterwartungen der Analysten übertreffen, die im Vorfeld nur mit einem Nettogewinn von 29 US-Cent je Aktie gerechnet hatten.

Insgesamt erwirtschaftete Cisco im jüngsten Quartal einen positiven Cashflow in Höhe von 2,0 Mrd. Dollar, nach 3,5 Mrd. Dollar im Jahr vorher. Die Barreserven bzw. liquiden Mittel summierten sich zum Fiskaljahresende auf 35 Mrd. Dollar. Für das somit abgeschlossene Fiskaljahr 2009 meldet Cisco einen Umsatzrückgang um neun Prozent auf 36,1 Mrd. Dollar. Der Nettogewinn summierte sich dabei auf 8,0 Mrd. Dollar oder 1,35 Dollar je Aktie.

Markt und Wettbewerb

Meldung gespeichert unter: Cisco Systems

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