centrotherm hofft auf Aufträge aus China - Ausrüstermarkt vor Konsolidierung?

Donnerstag, 24. September 2009 13:07
centrotherm photovoltaics

(IT-Times) - Der deutsche Solarausrüster centrotherm photovoltaics AG (WKN: A0JMMN) steht weiter zu seiner Jahresumsatzprognose, wonach das Unternehmen trotz der Krise im Solarmarkt weiterhin einen Jahresumsatz zwischen 500 und 550 Mio. Euro erwartet.

Zuletzt belastete die Insolvenz des Kunden Itarion die Bilanz des Unternehmens. Während der Umsatz von centrotherm im vergangenen zweiten Quartal noch kräftig wuchs, hinterließ die Krise beim Auftragseingang deutliche Spuren. Dieser brach zuletzt auf 14,5 Mio. Euro ein. Dennoch gibt sich centrotherm-Chef Robert Hartung optimistisch, das Jahr 2009 mit einem Auftragsbestand von einer Mrd. Euro beenden zu können.

Solarboom in China beflügelt das Geschäft
Grund für den Optimismus ist unter anderem der Solarboom in China. Etliche Firmen wie Yingli Green arbeiten bereits an der Kapazitätsgrenze und sind gezwungen, ihre Produktion weiter auszubauen. Mit staatlichen Förderprogrammen für Betreiber und Hersteller von Solaranlagen sowie mit günstigen Kreditkonditionen schieben die Chinesen den einheimischen Solarmarkt an.

Davon profitieren auch deutsche Unternehmen. Bereits heute kaufen chinesische Hersteller wie der Marktführer Suntech Spezialmaschinen von deutschen Solarausrüstern im Wert von 300 Mio. Euro jährlich, bestätigte Suntech-Chef Shi Zhengrong jüngst nochmals in einem Interview mit der Financial Times. Der Manager fordert die deutschen Solarzellen- und Modulehersteller gleichzeitig dazu auf, ihre Produktion nach China zu verlagern, anstatt über die chinesische Billig-Konkurrenz zu jammern.

Fakt ist, dass die Produktionskosten in Deutschland deutlich teurer sind als in Asien. Analysten aus dem Hause Goldman Sachs sehen daher eine Verlagerungswelle auf Deutschland zukommen. Chinesische Hersteller haben derzeit etwa einen Kostenvorteil von 30 Prozent gegenüber den europäischen Herstellern, so die Investmentbanker aus dem Hause UBS.

Centrotherm ein Übernahmekandidat?
Mit der fortschreitenden Entwicklung des Solarmarktes rücken Solarausrüster wieder stärker in den Vordergrund. Noch müssen die Chinesen den Großteil der Ausrüstung in Deutschland und anderswo einkaufen, doch dies könnte sich schon bald ändern, denn auch der Markt für Solarausrüstung gilt inzwischen als dicht fragmentiert und reif für eine Konsolidierung. Neben Branchengrößen wie Roth & Rau und Manz Automation, tummeln sich in diesem Bereich neben centrotherm eine Vielzahl weiterer Unternehmen wie Meyer Burger, Oerlikon, die Schmid Gruppe, Ulvac, GT Solar und Von Ardeen und nicht zu vergessen der weltweit führende Solarausrüster Applied Materials.

Centrotherm-Chef Robert Hartung schließt deshalb in einem Interview mit Dow Jones nicht aus, dass centrotherm selbst Ziel einer Übernahme werden könnte, sollte es wie von Marktforschern erwartet, tatsächlich im nächsten Jahr zu einer Konsolidierung im Solarmarkt kommen…

Kurzportrait

Die in Blaubeuren ansässige centrotherm photovoltaics AG ging im Jahre 1976 aus der gegründeten centrotherm Elektrische Anlagen GmbH + Co. KG hervor. Das Unternehmen sieht sich heute als einer der weltweit führenden Anbieter von Technologien, Ausrüstung und zur Herstellung von Solarsilizium, Solarzellen und Dünnschichtmodulen. Centrotherm bietet dabei die komplette Produktpalette an, die für die Herstellung von Siliziumprodukten bis zur fertigen Solarzelle benötigt wird.

Centrotherm operiert im Wesentlichen von zwei Geschäftsbereichen heraus. Der Geschäftsbereich Solarzellen bietet schlüsselfertige Produktlinien für die Produktion von kristallinen Solarzellen und Dünnschichtmodulen an. Dienstleistungen rund um die Fertigung von Solarzellen runden das Produktangebot ab.

Im Geschäftsbereich Solarsilizium bietet centrotherm über seine Tochter centrotherm SiTec GmbH Engineering Dienstleistungen und Ausrüstung für die Herstellung von Solarsilizium an, womit Solarzellenhersteller ihre eigene Rohstoffversorgung decken können. Auch die auf Vakuumtechnik und Plasmatechnologien spezialisierte FHR Anlagenbau GmbH ist eine Tochter der centrotherm. Inzwischen bietet centrotherm über seine Tochter GP Solar auch optische Messsysteme (GP Solar Inspect) an, welche die Qualitätskontrolle bei Wafer- und Solarzellen- sowie Modulprodukten verbessern sollen.

Im November 2008 verstärkte sich centrotherm im Siliziumbereich und schluckte den Maschinenbauer Michael Glatt Maschinenbau GmbH. Die Gesellschaft gilt als Marktführer im Bereich Druckbehälter und Apparate, die auch in der Produktion von Solarsilizium zum Einsatz kommen. Zuvor hatte centrotherm bereits den Solarsilizium-Spezialisten SolMic GmbH hinzugekauft.

Neben dem Hauptsitz in Deutschland, ist centrotherm auch mit Niederlassungen im Ausland aktiv. Im Jahr 2008 hat das Unternehmen mit der 100%igen Tochter centrotherm photovoltaics Italia S.R.L. eine Niederlassung in Italien gegründet. Mit der 100%igen Tochter centrotherm photovoltaics USA Inc ist das Unternehmen auch in den USA präsent. Zu den namhaften Kunden der Gesellschaft zählen Branchengrößen wie Q-Cells, Er-Sol, Sunways oder Suniva.

Zahlen

Für die ersten sechs Monate 2009 meldet centrotherm einen Rekordumsatz von 264,1 Mio. Euro. Das entspricht gleichzeitig einem Zuwachs von 88,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Nahezu auf dem gleichen Niveau wie die Umsatzentwicklung bewegte sich die Ergebnisseite; zumindest vor Abschreibungen. Beim EBITDA verzeichnete centrotherm ein Ergebnis von 35,8 Mio. Euro, welches 90 Prozent über dem Vorjahreswert lag und einer EBITDA-Marge von 13,5 Prozent (plus 0,1 Prozentpunkte).

Meldung gespeichert unter: centrotherm photovoltaics

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