Bundesnetzagentur will Innovationssprung bei deutschen Netzinfrastrukturen

Dienstag, 23. März 2010 11:08
Bundesnetzagentur

P R E S S E M I T T E I L U N G

Bonn, 23. März 2010

Kurth: "Wir haben die einmalige Chance, durch leistungsfähige Breitband- und Energienetze eine Modernisierungswelle in der Wirtschaft anzustoßen"

Die Bundesnetzagentur sieht im raschen Aus- und Umbau der Netze in Deutschland eine Chance für kreative Investitionen in zahlreichen Sektoren. "Wenn wir jetzt Anstöße zur Erneuerung unserer Breitband- und Energienetze setzen, kann eine Welle von Innovationen ausgelöst werden, die es ermöglicht, die Wirtschaftskrise rasch zu überwinden", sagte der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, bei der Vorstellung des Jahresberichts 2009.

Die Bundesnetzagentur setzt dabei auf folgende Maßnahmen:

1. Die rasche Vergabe und Nutzung neuer Frequenzen (insgesamt 360 MHz) ab April dieses Jahres, die zum Ausbau der modernsten Funknetze in Europa führen werden. "Wir schaffen die Grundlage, dass das 'mobile Internet' und die Datenexplosion der kommenden Jahre bewältigt werden können", betonte Kurth.

2. Die Mobilisierung zahlreicher Initiativen zum Ausbau leistungsfähiger Glasfasernetze bis in die Häuser und Wohnungen. Hier will die Bundesnetzagentur die Synergien zwischen Telekommunikationsbranche und Energiewirtschaft sowie zwischen den unterschiedlichen Unternehmen und der kommunalen Ebene fördern und eine Kostenteilung beim Infrastrukturausbau erreichen. Ein neues Expertenforum (NGA-Forum) soll innerhalb eines Jahres Vorschläge zur Überwindung struktureller Hindernisse entwickeln.

3. Die Beschleunigung der Umstrukturierung von Energienutzung und Energieverbrauch durch intelligente Zähl- und Steuereinrichtungen und die schnelle Einführung von Stromtarifen auch für Haushaltskunden, die den Strompreis flexibel nach Angebots- und Nachfragesituation differenzieren. Hierzu hat die Bundesnetzagentur einen Bericht mit zahlreichen konkreten Vorschlägen erarbeitet.

4. Den zügigen Ausbau von Strom- und Gasfernleitungsnetzen, um den neuen Anforderungen des europäischen Wettbewerbs und den Veränderungen bei den Stromerzeugungsstrukturen (Off-Shore-Windparks) frühzeitig gerecht zu werden.

5. Die Förderung von Kooperationen bei den Stromübertragungsnetzen und die intensive Zusammenarbeit der Netzbetreiber, um Kosten insbesondere von Regel- und Ausgleichsenergien zu begrenzen und die Netze sicherer und leistungsfähiger zu machen.

6. Die Zusammenlegung von Marktgebieten im Gasmarkt und neue Kapazitätsbewirtschaftungsregeln, um mehr Liquidität und Wettbewerb zu schaffen.

Breitbandausbau durch Kooperation und Koinvestition

Zur gesamtwirtschaftlichen Bedeutung des Breitbandausbaus sagte Kurth: "Der Breitbandausbau wirkt sich nicht nur auf die Telekommunikationsbranche, sondern auch auf andere Wirtschaftszweige positiv aus. Gerade kleine und mittelständische Unternehmen sind heute auf breitbandige Anschlüsse angewiesen. Sie haben sich zu einer notwendigen Voraussetzung für den effizienten und reibungslosen Umgang mit Kunden und Geschäftspartnern entwickelt. Zudem wird durch Investitionen in die Breitbandinfrastruktur auch der notwendige Wandel im Energiebereich hin zu sog. intelligenten Energienetzen gestützt. Im Gegenzug kann der Breitbandausbau von Synergieeffekten durch die Nutzung von Infrastruktur, Kapital und Know-how der Energieversorger profitieren."

Eckpunktepapier zur Entwicklung im Telekommunikationsbereich

Die Bundesnetzagentur hat im Jahr 2009 mit ihren Aktivitäten einen Beitrag zu mehr Planungssicherheit und Transparenz geleistet. Sie hat Eckpunkte zu den regulatorischen Rahmenbedingungen für die Weiterentwicklung moderner Telekommunikationsnetze und die Schaffung einer leistungsfähigen Breitbandinfrastruktur entworfen und zur Konsultation gestellt. Außerdem hat sie Hinweise zur konsistenten Entgeltregulierung vorgestellt.

"Die Bundesnetzagentur wird die regulatorischen Rahmenbedingungen entsprechend den in den Eckpunkten enthaltenen Ausführungen so gestalten, dass sich der gesamte Bereich der Telekommunikation auch künftig unter wettbewerblichen Bedingungen positiv entwickeln kann", erläuterte Kurth.

Marktzahlen im Telekommunikationsbereich unterstreichen Bedeutung der Breitbandnetze

Die Bedeutung der Breitbandkommunikation wird durch die Marktzahlen bestätigt. "Während das Verkehrsvolumen schmalbandiger Verbindungen bis Ende 2009 weiter auf schätzungsweise zehn Mrd. Minuten gesunken ist, nimmt die Bedeutung der breitbandigen Übertragung deutlich zu. So wird das in Gigabyte (GB) gemessene breitbandige Verkehrsvolumen auch weiterhin signifikant steigen. Bis Ende 2009 erhöhte sich das Datenvolumen auf etwa 2,6 Mrd. GB. Die Verkehrssteigerung ist insbesondere darauf zurückzuführen, dass zunehmend datenintensive Anwendungen wie Fernsehen (IPTV) und Videoabrufe (VoD) über Breitbandanschlüsse realisiert werden. Darüber hinaus tragen IP-basierte Telefondienste zu dieser Entwicklung bei", berichtete Kurth.

Die Entwicklung des Nachfragewachstums bei neuen Breitbandanschlüssen hat sich in den Jahren 2008 und 2009 verlangsamt. Die Zahlen für diese Jahre sind geprägt von der zunehmenden Sättigung des Breitbandmarkts. Mit einem Plus von rd. 2,4 Mio. neuen Anschlüssen im Jahr 2009 reduzierte sich die Anzahl der Neuschaltungen um etwa 0,6 Mio. gegenüber dem Vorjahr. Es ist davon auszugehen, dass sich dieser Trend weiter fortsetzen wird.

Ende 2009 waren insgesamt rd. 25 Mio. Breitbandanschlüsse in Betrieb. Die Mehrzahl dieser Anschlüsse bietet derzeit Bandbreiten zwischen 2 Mbit/s und 10 Mbit/s im Downstream. Etwa ein Viertel der Breitbandanschlüsse ermöglicht bereits Geschwindigkeiten (Downstream) von mehr als 10 Mbit/s.

Mit insgesamt 22,4 Mio. geschalteten Anschlüssen und damit knapp 90 Prozent aller Breitbandanschlüsse bleibt DSL nach wie vor die dominierende Anschlusstechnologie, gefolgt von Breitbandanschlüssen über die Kabel-TV-Infrastruktur. Diese Technologie konnte in den letzten Jahren starke Zuwächse verzeichnen. Mit einem Bestand von rd. 2,3 Mio. Zugängen über das Kabelmodem steigt die Bedeutung dieser Anschlusstechnologie und führt somit zu einer Intensivierung des intermodalen Wettbewerbs. Auf die restlichen festnetz- und funkbasierten Anschlusstechnologien verteilten sich rd. 0,3 Mio. Anschlüsse. An der Gesamtzahl der Breitbandanschlüsse konnten die Wettbewerber der Deutschen Telekom AG (DT AG) bis Ende 2009 einen Vermarktungsanteil von ca. 53 Prozent erzielen.

Nachdem der DSL-Markt schon im Jahr 2008 trotz eines Zuwachses von 2,4 Mio. Anschlüsse auf insgesamt 20,9 Mio. Anschlüsse deutlich an Schwung verlor, bestätigen die Zahlen für das Jahr 2009 diese Entwicklung. Ende 2009 waren in Deutschland rd. 22,4 Mio. DSL-Anschlüsse in Betrieb. Die Anzahl der Neuschaltungen reduzierte sich somit gegenüber dem Vorjahr um etwa 0,9 Mio. Schaltungen.

Hinsichtlich der Kundenbeziehung entfielen Ende des Jahres 2009 rd. 11,5 Mio. DSL-Anschlüsse direkt auf die DT AG. Dies entspricht einem Vermarktungsanteil von rd. 51 Prozent. Die DT AG konnte im Verlauf der letzten Jahre ihre Position im DSL-Geschäft stabilisieren.

Im Bereich der von alternativen Anbietern vermarkteten DSL-Anschlüsse war das Segment des Wiederverkaufs (Resale) von DSL-Anschlüssen der DT AG stark rückläufig. Während es im Jahr 2007 noch einen Anteil von rd. 19 Prozent am DSL-Geschäft erzielte, betrug der Anteil im Dezember 2009 lediglich etwa sechs Prozent. Diese Entwicklung ist insbesondere auf eine Verlagerung der Vorleistungsnachfrage alternativer DSL-Anbieter zum Bitstromangebot der DT AG zurückzuführen. Ende 2009 basierten rd. 0,8 Mio. der von alternativen Anbietern vermarkteten DSL-Anschlüsse auf dem seit Juli 2008 erhältlichen Vorleistungsprodukt der DT AG.

Daneben haben vermehrt Vorleistungsprodukte alternativer Netzbetreiber an Bedeutung gewonnen. Diese stellen auf Basis des Zugangs zur TAL eigene Vorleistungsprodukte (Bitstrom, Anschluss- und Dienste-Resale) für DSL-Anbieter zur Verfügung.

Insbesondere entbündelte DSL-Anschlüsse (sog. Komplettanschlüsse) basieren entweder auf Vorleistungsprodukten alternativer Netzbetreiber oder auf Anmietungen der TAL. Bei derartigen Anschlüssen existiert parallel kein klassischer Telefonanschluss und die Telefonie wird ausschließlich IP-basiert abgewickelt. Nach Schätzungen der Bundesnetzagentur existierten Mitte 2009 rd. 3,1 Mio. derartige Komplettanschlüsse.

Wettbewerber der DT AG, die neben einem IP-Backbone auch über ein konzentrierendes Zugangsnetz verfügen, konnten bis zum Ende des Jahres 2009 Zugewinne von etwa 0,9 Mio. Anschlüssen erzielen. Mit insgesamt 8,7 Mio. Anschlüssen erlangten sie damit einen Anteil von rd. 39 Prozent an der Gesamtzahl der DSL-Anschlüsse, die sie entweder direkt an eigene Endkunden vertreiben oder als Vorleistungsprodukt anderen Anbietern zur Endkundenvermarktung überlassen.
 

Starker Zuwachs an Bandbreite in den Kabelnetzen

"Die rückkanalfähig ausgebauten Netze des Mediums Kabel-TV haben sich in den letzten Jahren sowohl preislich als auch technologisch zu einer echten Zugangsalternative gegenüber dem klassischen Festnetz entwickelt. Die zügige Modernisierung dieser Infrastruktur ist fast abgeschlossen und ermöglichte zum Jahresende 2009 theoretisch 24 Mio. Haushalten einen schnellen Internetzugang mit Bandbreiten von bis zu 120 Mbit/s", stellte Kurth dar.

Die Entwicklung hin zu höheren Bandbreiten zeigt ein Vergleich der Bandbreitennachfrage. Nutzten Ende 2008 noch 50 Prozent der Kabelkunden einen Internetzugang ab 10 Mbit/s, waren es zum Jahresende 2009 bereits über 70 Prozent. Bis Ende 2009 hatten sich 2,3 Mio. Kunden bei rd. 60 Kabelnetzbetreibern für diese Zugangsart entschieden. Rund jeder dritte Breitbandneukunde wählt zurzeit ein Internetangebot eines Kabelfernsehnetzbetreibers.
 

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