Broadcom kämpft um Emulex - FCoE-Markt im Visier

Dienstag, 7. Juli 2009 12:54
Broadcom

(IT-Times) - Seit Ende April kämpft der US-Breitbandspezialist Broadcom (Nasdaq: BRCM, WKN: 913684) verzweifelt um die Gunst des US-Speicherchipausrüsters Emulex. Nachdem Emulex das Übernahmeangebot von Broadcom in Höhe von 9,25 Dollar je Aktie bzw. 764 Mio. Dollar ausschlug, hat der Breitband-Chiphersteller nochmals nachgelegt und bietet nunmehr 11,0 Dollar je Emulex-Anteil bzw. insgesamt 912 Mio. Dollar für das Unternehmen.

Emulex-Aktionäre hätten nunmehr zwei Wochen Zeit ihre Aktien anzudienen, heißt es bei Broadcom. Der Emulex-Verwaltungsrat wollte sich zu der verbesserten Offerte bislang nicht äußern. Der Emulex-Aktienkurs war zuletzt deutlich unter die Marke von zehn US-Dollar gesunken, nachdem Marktbeobachter eine Übereinkunft zwischen beiden Firmen eher für unwahrscheinlich hielten.

Die Offerte dürfte jedoch den Druck auf das Emulex-Management erhöhen, wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Analysten wie Wedbush Morgan Securities Experte Kaushik Roy halten eine Einigung auf einen Preis zwischen 12 und 14 Dollar für möglich.

Broadcom will im FCoE-Markt stärker Fuß fassen
Broadcom sieht durch die Übernahme von Emulex vor allem Wachstumschancen im vergleichsweise jungen Markt für Fiber Channel over Ethernet (FCoE) Lösungen. Dabei handelt es sich um eine neue Technologie, die Datenzentren dabei hilft, Internet-Verkehr effektiver zu managen. Mit dem Einsatz von FCoE lässt sich auch der häufig herrschende Kabelsalat in Rechenzentren signifikant reduzieren, so dass Rechner besser gekühlt werden können. Zudem wird durch FCoE Netzwerkvirtualisierung möglich, was den Unternehmen hilft, Hardware-Kosten zu sparen.

Die Zeit drängt, denn Broadcom droht in diesem Marktsegment technologisch in Rückstand zu geraten. Andere Wettbewerber wie Brocade, aber auch Cisco Systems sind in diesem Bereich bereits heute recht gut aufgestellt. Die Entwicklung eigener konkurrenzfähiger Lösungen in diesem Marktsegment würde Broadcom vermutlich Quartale oder sogar Jahre kosten.

Zudem ist die Anzahl der Übernahmekandidaten recht überschaubar. Lediglich QLogic könnte für Broadcom eine finanzierbare Alternative sein. Der Emulex-Wettbewerber wird allerdings an der Börse inzwischen auch schon mit 1,5 Mrd. Dollar bewertet. Die Alternativen sind für Broadcom eher begrenzt, so dass der Breitband-Spezialist de facto auf Emulex angewiesen ist, um im FCoE-Markt langfristig eine führende Rolle spielen zu können…

Kurzportrait

Die im kalifornischen Irvine ansässige Broadcom gilt als einer der führenden Entwickler von digitalen Breitbandchips. Das Unternehmen bietet dabei nicht nur Chipsätze für set-top Boxen, sondern auch entsprechende Speicherbausteine für Kabelmodems, Mobilfunktelefone und DVD- und DSL-Produkte an. Die von Broadcom entwickelten ICs (Integrated Circuits) finden in mehr als 90 Prozent aller angebotenen Kabelmodems Verwendung. Gleichzeitig bietet Broadcom aber auch Produkte rund um das Protokoll VoIP an, welches günstiges telefonieren über das weltweite Computernetz Internet ermöglicht. Ebenfalls im Produktprogramm von Broadcom: Spezielle Chipsätze, die vor allem im Zusammenhang mit Bluetooth-Produkten zum Einsatz kommen. Transceiver und Switches für optische Netze ergänzen das Produktportfolio von Broadcom ebenso.

Broadcom sorgte in den letzten Jahren vor allem durch seine aggressive Expansionsstrategie für Aufmerksamkeit. Mitte 1999 wurden mit Maverick Networks, Epigram, Armedia und HotHaus Technologies fünf Firmen übernommen. Im Jahr 2000 wurden gleich zehn Technologie-Unternehmen aufgekauft. Darunter BlueSteel Networks, ein Entwickler von Prozessoren, die unter anderem im Bereich Internet-Sicherheit eingesetzt werden. Mit der Übernahme von SiByte gelang Broadcom ein weiterer Coup, der die Produktlinie des Unternehmens im Bereich Netzwerk-Prozessoren nachhaltig stärken sollte. Im Jahr 2001 sorgte die Übernahme von ServerWorks, ein führender Anbieter von Komponenten für Server-Plattformen, für Schlagzeilen. Auch der Spezialist für optische Netzwerke Allayer Communications gehört inzwischen zur Broadcom-Unternehmensfamilie. Mit Mobilink Telecom, Gadzoox Networks und RAIDCore, kaufte Broadcom später weitere Firmen hinzu. Zudem wurden mit Sand Video, WIDCOMM und den Halbleiterspezialisten Zyray Wireless in 2004 weitere Akquisitionen getätigt. Im Jahr 2005 übernahm Broadcom den Bluetooth-Spezialisten Zeevo sowie den Ethernet-Spezialisten Siliquent Technologies. Anfang 2006 verstärkte sich Broadcom durch die Übernahme des Chipspezialisten Sandburst. Ende 2006 wurde der Netzwerkspezialist LVL7 hinzugekauft. Mitte 2007 verstärkte sich Broadcom im GPS-Chipbereich und übernahm den Spezialisten Global Locate. Anfang 2008 folgte die Übernahme des Blu-ray Spezialisten Sunext Design. Ende 2008 verstärkte sich Broadcom im Bereich digitaler TV-Chips und übernahm die DTV-Einheit von AMD. Seit Mitte 2009 versucht Broadcom den Speicherausrüster Emulex zu übernehmen.

Zu den Hauptabnehmern von Broadcoms Halbleitern zählen unter anderem der Mobilfunkspezialist Motorola, Hewlett-Packard, Cisco Systems und 3Com. Auch in der Nintendo-Konsole Wii kommen Broadcom-Chips zum Einsatz.

Zahlen

Für das vergangene Märzquartal meldet Broadcom einen Umsatzrückgang um 17 Prozent auf 853 Mio. US-Dollar, nach Einnahmen von 1,03 Mrd. Dollar im Jahr vorher. Dabei entstand zunächst ein Verlust von 92 Mio. Dollar oder 19 US-Cent je Aktie, nachdem Broadcom im Jahr vorher noch einen Profit von 74 Mio. Dollar oder 14 US-Cent je Aktie verbuchen konnte.

Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen konnte Broadcom einen Nettogewinn von acht US-Cent je Aktie realisieren und damit die Markterwartungen übertreffen. Analysten hatten im Vorfeld nur mit Einnahmen von 848 Mio. Dollar und mit einem Nettogewinn von drei US-Cent je Aktie kalkuliert.

Im operativen Geschäft erwirtschaftete Broadcom im ersten Quartal einen positiven Cashflow in Höhe von 91 Mio. Dollar, wodurch die Barreserven zum Quartalsende um weitere 64 Mio. Dollar auf nunmehr insgesamt 1,96 Mrd. Dollar anzogen.

Meldung gespeichert unter: Broadcom

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