Baidu will mit Youa.com dem Abschwung entgehen

Dienstag, 28. Oktober 2008 12:59
Baidu Youa Logo

(IT-Times) Trotz eines 91prozentigen Gewinnanstiegs gaben Baidu-Aktien (Nasdaq: BIDU, WKN: A0F5DE) zuletzt weiter nach. Obwohl Chinas führende Suchmaschine die Gewinnerwartungen deutlich übertreffen konnte, markierten die Papiere ein neues Jahrestief bei unter 180 US-Dollar.

Doch bislang hat die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise China kaum tangiert. Das Wirtschaftswachstum in China dürfte sich in diesem Jahr zwar auf unter zehn Prozent abkühlen, was der Regierung in Peking aber nicht ungelegen käme. In den vergangenen Jahren hatte Peking immer wieder versucht, das überhitzte Wachstum zu bremsen, um den Anstieg der Inflationsrate zu bekämpfen. Dieses Problem scheint sich nunmehr von selbst zu erledigen.

Dennoch muss auch China auf der Hut sein. Fallen die Wachstumsraten deutlich unter acht Prozent, könnte die Arbeitslosigkeit wieder steigen. Hintergrund ist der Umstand, dass rund 200 Mio. Chinesen vom Land in die Städte drängen, um sich Arbeitsplätze zu sichern.

Die langsameren Wachstumsraten dürften sich dabei auch auf Chinas Internet-Marktführer Baidu.com auswirken. Bislang hat Baidu.com die Auswirkungen der Finanzkrise dank der Olympischen Spiele kaum zu spüren bekommen. Der drohenden Abkühlung will das Unternehmen durch Expansion entfliehen. Nachdem Baidu mit seinem Social-Network Baidu Spaces gestartet ist und seine Video-Plattform vBaidu.com in Stellung gebracht hat, will das Unternehmen den E-Commerce Markt erobern.

Mit Youa.com gegen Taobao.com
Seit Monatsmitte ist Baidu.com mit seiner E-Commerce Plattform Youa.com präsent. Die neue Online-Seite soll vor allem Konsumenten ansprechen und zum Kauf von Produkten über das Internet einladen. Baidu.com zielt dabei direkt auf den Konkurrenten Taobao.com, der bislang den Markt für Online-Auktionen in China dominiert. Baidu.com hofft jedoch auf Synergieeffekte durch sein Suchmaschinen- und Marketinggeschäft und verspricht sich Einsparungen beim weiteren Ausbau des E-Commerce Geschäfts.

Zwar macht Baidu.com keine Angaben, wie viel Geld in den Aufbau des E-Commerce Geschäfts schon geflossen ist und noch fließen wird, jedoch sollen die Investitionen niedriger sein, als das Unternehmen für seine Expansion in Japan ausgab. Nachdem der geschlossene Beta-Test für Youa.com am 18. Oktober begonnen hat, steht die Plattform ab sofort für alle Internet-Nutzer offen, berichtet das Internet-Portal Sina. Damit ist eine weitere Front im Kampf um Marktanteile im Milliardenmarkt China eröffnet, auf dem Baidu.com zunehmend eine größere Rolle spielt…

Kurzportrait

Die im Jahre 2000 von Robin Li und Eric Xu gegründete Baidu.com ist die führende Internet-Suchmaschine Chinas. Das Unternehmen, mit Hauptsitz in der chinesischen Hauptstadt Beijing bietet aber nicht nur Suchdienste, sondern auch Marketing-basierte Online-Services, wie Pay-for-Performance-Dienste (P4P-Services). Die Webseite, sowie Online-Werbeservices werden durch die Einheit Baidu Netcom betrieben und erbracht. Baidu.com sieht sich dabei als einer der ersten P4P-Servicedienstleister im Reich der Mitte, der solche Dienste anbietet. Ferner umfasst der Suchindex nach Firmenangaben mehr als 800 Mio. Webobjekte, wobei die Suchmaschine nicht nur nach Texten, sondern auch nach Fotos und Bilder, sondern auch nach MP3-Dateien fahndet.

Über die Tochter Baidu Online stellt das Unternehmen aber auch Suchtechnik und Services für Firmenkunden bereit. Mit Search Index bietet Baidu ein Tool für Medienprofis an, um Veränderungen bei häufig gesuchten Keywords zu erfassen. Bereits im Jahr 2004 übernahm Baidu.com mit Hao123 den weltgrößten Website-Index. Darüber hinaus bietet das Unternehmen inzwischen auch eine Desktop-Suchmaschine an - die erste Desktop-Suchmaschine, die sowohl die chinesische als auch die englische Sprache unterstützt.

Mit Movie Search bietet das Unternehmen einen gebührenpflichtigen Service an, welcher das Herunterladen von Filmen erlaubt, die von lizenzierten Content-Anbietern zur Verfügung gestellt werden. Mit Baidu Post Bar betreibt Baidu.com eine Community- und Message-Plattform, bestehend aus mehr als eine Diskussionsforen. Ferner betreibt Baidu.com mit Baidu Union ein Netzwerk bestehend aus Webseitenangeboten dritter Unternehmen, womit die Suchmaschine dadurch seinen Bekanntheits- und Verbreitungsgrad erhöhen will. Mit Baidu Space stieg das Unternehmen Mitte 2006 zudem in den Blogger-Markt ein. Mit Baidupedia ist das Unternehmen gleichzeitig auch mit einem Online-Lexikon am Start. Mit Baidu Favorites, Baidu Video Search und Hao123.com startete das Unternehmen drei neue Angebote. Mit Baidu Knows betreibt Baidu.com den weltweit größten Frage- und Antwortservice. In 2008 ging Baidu.com mit seiner eigenen E-Commerce Plattform Youa.com an den Start. Daneben erwarb Baidu.com für rund 100 Mio. RMB eine 8,3%ige Beteiligung an dem Video- und Filmspezialisten UiTV.com.

Zudem schloss Baidu.com Partnerschaften mit Hewlett-Packard, MTV Networks, Microsoft und EMI Music. Neben dem Hauptsitz in Beijing unterhält Baidu.com noch weitere Niederlassungen in Schanghai und Shenzen. Firmenmitgründer und CEO Robin Li hielt zuletzt noch 26 Prozent der ausstehenden Anteile am Unternehmen.

Zahlen

Für das vergangene dritte Quartal 2008 meldet Baidu.com einen Umsatzanstieg um 85 Prozent auf 135,4 Mio. US-Dollar. Der Nettogewinn zog dabei um 91 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 51,2 Mio. Dollar oder 1,47 Dollar je Aktie an, nach einem Plus von 24,2 Mio. Dollar im Jahr vorher.

Mit den vorgelegten Zahlen konnte Baidu.com die Markterwartungen der Analysten übertreffen. Diese hatten im Vorfeld mit Einnahmen von 135 Mio. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von 1,28 Dollar je Aktie kalkuliert.

Meldung gespeichert unter: Baidu

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