Baidu - überzeugende Mobile-Strategie lässt auf sich warten

Montag, 5. November 2012 14:00
Baidu Unternehmenslogo

(IT-Times) - Baidu-Aktien präsentierten sich zuletzt deutlich leichter, nachdem sich das Umsatzwachstum bei Chinas führende Suchmaschine verlangsamt hat. Zwar wuchsen die Umsätze im jüngsten Quartal noch um 50 Prozent, für das laufende vierte Quartal erwartet das Management aber nur noch ein Wachstum von 42 Prozent.

Qihoo holt auf - Baidu und Google leiden
Analysten und Marktbeobachter sehen dabei gleich mehrere Einflussfaktoren für das langsamere Wachstum verantwortlich. Zum einen hat sich das Wachstum der chinesischen Wirtschaft zuletzt auf 7,4 Prozent abgekühlt, zum anderen hat sich die Wettbewerbssituation verändert, nachdem auch der führende chinesische Antivirus-Softwarehersteller Qihoo 360 seit August mit seiner eigenen Suchmaschine (so.360.cn) am Start ist.

Die Qihoo-Suchmaschine zählt bereits zu den Top-5 Suchmaschinen in China, auch wenn Baidu (Nasdaq: BIDU, WKN: A0F5DE) seinen Marktanteil von 78,6 Prozent im dritten Quartal (Quelle: Analysys International) nochmals verteidigen konnte. Die neue Wettbewerbssituation traf Google offenbar stärker, kam der US-Branchengigant in China im dritten Quartal 2012 nur noch auf einen Marktanteil von 15,4 Prozent.

Baidu will in zwei Jahren im mobilen Internet zum Erfolg
Baidus größte Herausforderung dürfte jedoch der Wechsel der Surfgewohnheiten bei den Online-Nutzern sein, die zunehmend über das Smartphone oder den Tablet im Internet surfen. Zwar haben sich auch bei Baidu die mobilen Suchanfragen verdreifacht, gesteht Baidu CEO Robin Li zu, doch bislang ist es dem Unternehmen nicht ausreichend gelungen, den explodierenden mobilen Internetverkehr ausreichend zu monetarisieren.

Analysten und Marktbeobachter warten bislang vergeblich auf eine plausible und konkurrenzfähige Strategie von Baidu, um dieses Umsatzpotential zu heben. Dies könnte womöglich Jahre dauern, bis es Baidu gelingt, den Mobile-Traffic effektiv zu monetarisieren, fürchten Analysten. Der Grund: Das mobile Werbegeschäft dürfte angesichts verschiedener Mobile-Betriebssysteme (iOS, Android etc.) schwieriger zu erschließen sein, als das traditionelle Desktop-Geschäft. Zudem fehlt Baidu eine Plattform, von der aus der Internetkonzern sehen kann, was Nutzer auf dem Handy tun.

Zum mobilen Erfolg soll auch die mehrheitliche Übernahme des Videoportals iQiyi beitragen. Baidu will die Kontrolle über iQiyi dazu nutzen, um Videoinhalte künftig in eigene Suchergebnisse und Mobile-Services zu integrieren. Zudem soll iQiyi in die künftigen Baidu-Bilanzen konsolidiert werden.

Kurzportrait

Die im Jahre 2000 von Robin Li und Eric Xu gegründete Baidu ist die führende Internet-Suchmaschine Chinas. Das Unternehmen, mit Hauptsitz in Beijing bietet aber nicht nur Suchdienste, sondern auch Marketing-basierte Online-Services, wie Pay-for-Performance-Dienste (P4P-Services). Die Webseite, sowie Online-Werbeservices werden durch die Einheit Baidu Netcom betrieben und erbracht. Baidu sieht sich dabei als einer der ersten P4P-Servicedienstleister im Reich der Mitte, der solche Dienste anbietet. Ferner umfasst der Suchindex nach Firmenangaben mehr als eine Milliarde Webobjekte, wobei die Suchmaschine nicht nur nach Texten, sondern auch nach Fotos und Bilder, sondern auch nach MP3-Dateien fahndet.

Über die Einheit Baidu Online stellt das Unternehmen aber auch Suchtechnik und Services für Firmenkunden bereit. Mit Search Index bietet Baidu ein Tool für Medienprofis an, um Veränderungen bei häufig gesuchten Keywords zu erfassen. Ende 2009 stellte Baidu sein Werbesystem auf das neue System mit dem Namen Phoenix Nest um.

Bereits im Jahr 2004 übernahm Baidu.com mit Hao123 den weltgrößten Website-Index.

Mit Movie Search bietet das Unternehmen einen gebührenpflichtigen Service an, welcher das Herunterladen von Filmen erlaubt, die von lizenzierten Content-Anbietern zur Verfügung gestellt werden. Mit Baidu Post Bar betreibt Baidu.com eine Community- und Message-Plattform, bestehend aus mehr als eine Diskussionsforen. Ferner betreibt Baidu.com mit Baidu Union ein Netzwerk bestehend aus Webseitenangeboten dritter Unternehmen, womit die Suchmaschine dadurch seinen Bekanntheits- und Verbreitungsgrad erhöhen will. Mit Baidu Space stieg das Unternehmen Mitte 2006 zudem in den Blogger-Markt ein. Mit Baidupedia ist das Unternehmen gleichzeitig auch mit einem Online-Lexikon am Start. Mit Baidu Favorites, Baidu Video Search und Hao123.com startete das Unternehmen drei neue Angebote. Mit Baidu Knows betreibt Baidu.com den weltweit größten Frage- und Antwortservice. In 2008 ging Baidu.com mit seiner eigenen E-Commerce Plattform Youa.com sowie mit Baidu Japan im Land der aufgehenden Sonne an den Start. Daneben erwarb Baidu.com für rund 100 Mio. RMB eine 8,3%ige Beteiligung an dem Video- und Filmspezialisten UiTV.com. Mitte 2011 wurde zudem Chinas führende Reisesuchmaschine Qunar übernommen. Ende 2012 übernahm Baidu die Mehrheit am Videoportal iQiyi.

Zudem schloss Baidu.com Partnerschaften mit Hewlett-Packard, MTV Networks, Microsoft, EMI Music und Rakuten (Joint Venture im E-Commerce Bereich). Gemeinsam mit Rakuten betreibt Baidu das Joint Venture Rakuten China. Neben dem Hauptsitz in Beijing unterhält Baidu.com noch weitere Niederlassungen in Schanghai und Shenzen. Firmenmitgründer und CEO Robin Li hielt zuletzt noch eine Minderheitsbeteiligung am Unternehmen.

Zahlen

Baidu konnte seinen Umsatz im Zeitraum Juli bis September 2012 um 49,7 Prozent auf 6,251 Mrd. Renminbi (994,6 Mio. US-Dollar) steigern. Das Online-Marketing bei Baidu wuchs in diesem Zeitraum um 49,6 Prozent und generierte Umsatzerlöse in Höhe von 6,246 Mrd. Renminbi (RMB), 993,8 Mio. Dollar.

Die Anzahl der Marketing-Kunden erhöhte sich um 28,3 Prozent auf 390.000. Pro Kunde ermittelt sich für das dritte Quartal ein Umsatz von 16.000 RMB (2.546 Dollar), plus 16,8 Prozent verglichen mit dem Vorjahresquartal.

Meldung gespeichert unter: Baidu

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