Baidu trotzt dem widrigen Wirtschaftsumfeld

Mittwoch, 25. Juli 2012 14:17
Baidu Unternehmenslogo

(IT-Times) - Starke Quartalszahlen katapultierten am Vortag die Aktien des chinesischen Suchmaschinenmarktführers Baidu nach oben. Zeitweise lagen die Papiere mehr als zehn Prozent im plus.

Der Grund: Baidu konnte trotz eines schwächeren Wirtschaftsumfelds im vergangenen zweiten Quartal überzeugende Umsatz- und Gewinnzahlen vorlegen und einmal mehr die Gewinnerwartungen der Wall Street spürbar übertreffen. Analysten hatten im Vorfeld Bedenken, ob die schwächelnde chinesische Konjunktur auch Baidu treffen wird, ist das Unternehmen stark von Marketing- und Werbeausgaben chinesischer Firmen abhängig.

Im vergangenen zweiten Quartal 2012 war die chinesische Wirtschaft nur noch um 7,6 Prozent gewachsen - das niedrigste Wachstum seit Beginn der Finanzkrise. Im ersten Quartal 2012 hatte die chinesische Wirtschaft noch um 8,1 Prozent zugelegt. Trotz allem verzeichnet Baidu (Nasdaq: BIDU, WKN: A0F5DE) weiterhin Wachstumsraten von 50 bis 60 Prozent. Den Grund hierfür sehen Analysten zum einen in der starken Wettbewerbsposition sowie auch in der stetig steigenden Internetgemeinde Chinas.

Baidu gewinnt weiter Marktanteile
Zur Jahresmitte hatten mehr als 538 Millionen Chinesen Zugang zum Internet, ein Zuwachs von mehr als fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zudem konnte Baidu seinen Marktanteil im Reich der Mitte inzwischen auf 78,6 Prozent ausbauen, während der Marktanteil des größten Rivalen Google in China auf unter 16 Prozent gefallen ist (Quelle: Analysys International).

Immer mehr Chinesen rufen die Baidu-Suchmaschine über ihr Mobiltelefon bzw. Smartphone auf. Und genau darin sehen Analysten wie Barclays Expertin Alicia Yap die große Chance für Baidu, diesen Traffic zu monetarisieren. Erste Erfolge kann Baidu hier bereits vorweisen, hat sich die Zahl der Nutzer, welche die Baidu Mobile App heruntergeladen haben, inzwischen von neun Millionen im ersten Quartal 2012 auf 20 Millionen bis Ende Juni verdoppelt.

Baidu kommt mit Apple ins Geschäft
Die Zahlen könnten bald noch deutlicher steigen, denn Baidu ist als künftiger Apple-Partner mit an Board, wenn Apple sein neues Mobile-Betriebssystem iOS 6 im Herbst auf den Markt bringen wird. Apple hatte im Juni bestätigt, dass die Baidu-Suchmaschine als Option für das iPhone als auch für iPad-Kunden zur Verfügung stehen wird. Baidu und Apple werden sich die Werbeeinnahmen teilen, die durch die Baidu-Suchmaschine generiert werden.

Besonders lukrativ für Baidu könnte die Partnerschaft mit Apple dann werden, sollte der iPhone-Hersteller doch noch mit China Mobile ins Geschäft kommen.

Kurzportrait

Die im Jahre 2000 von Robin Li und Eric Xu gegründete Baidu ist die führende Internet-Suchmaschine Chinas. Das Unternehmen, mit Hauptsitz in Beijing bietet aber nicht nur Suchdienste, sondern auch Marketing-basierte Online-Services, wie Pay-for-Performance-Dienste (P4P-Services). Die Webseite, sowie Online-Werbeservices werden durch die Einheit Baidu Netcom betrieben und erbracht. Baidu sieht sich dabei als einer der ersten P4P-Servicedienstleister im Reich der Mitte, der solche Dienste anbietet. Ferner umfasst der Suchindex nach Firmenangaben mehr als eine Milliarde Webobjekte, wobei die Suchmaschine nicht nur nach Texten, sondern auch nach Fotos und Bilder, sondern auch nach MP3-Dateien fahndet.

Über die Einheit Baidu Online stellt das Unternehmen aber auch Suchtechnik und Services für Firmenkunden bereit. Mit Search Index bietet Baidu ein Tool für Medienprofis an, um Veränderungen bei häufig gesuchten Keywords zu erfassen. Ende 2009 stellte Baidu sein Werbesystem auf das neue System mit dem Namen Phoenix Nest um.

Bereits im Jahr 2004 übernahm Baidu.com mit Hao123 den weltgrößten Website-Index.

Mit Movie Search bietet das Unternehmen einen gebührenpflichtigen Service an, welcher das Herunterladen von Filmen erlaubt, die von lizenzierten Content-Anbietern zur Verfügung gestellt werden. Mit Baidu Post Bar betreibt Baidu.com eine Community- und Message-Plattform, bestehend aus mehr als eine Diskussionsforen. Ferner betreibt Baidu.com mit Baidu Union ein Netzwerk bestehend aus Webseitenangeboten dritter Unternehmen, womit die Suchmaschine dadurch seinen Bekanntheits- und Verbreitungsgrad erhöhen will. Mit Baidu Space stieg das Unternehmen Mitte 2006 zudem in den Blogger-Markt ein. Mit Baidupedia ist das Unternehmen gleichzeitig auch mit einem Online-Lexikon am Start. Mit Baidu Favorites, Baidu Video Search und Hao123.com startete das Unternehmen drei neue Angebote. Mit Baidu Knows betreibt Baidu.com den weltweit größten Frage- und Antwortservice. In 2008 ging Baidu.com mit seiner eigenen E-Commerce Plattform Youa.com sowie mit Baidu Japan im Land der aufgehenden Sonne an den Start. Daneben erwarb Baidu.com für rund 100 Mio. RMB eine 8,3%ige Beteiligung an dem Video- und Filmspezialisten UiTV.com. Mitte 2011 wurde zudem Chinas führende Reisesuchmaschine Qunar übernommen.

Zudem schloss Baidu.com Partnerschaften mit Hewlett-Packard, MTV Networks, Microsoft, EMI Music und Rakuten (Joint Venture im E-Commerce Bereich). Gemeinsam mit Rakuten betreibt Baidu das Joint Venture Rakuten China. Neben dem Hauptsitz in Beijing unterhält Baidu.com noch weitere Niederlassungen in Schanghai und Shenzen. Firmenmitgründer und CEO Robin Li hielt zuletzt noch eine Minderheitsbeteiligung am Unternehmen.

Zahlen

Für das zweite Quartal 2012 meldete Baidu einen Umsatzanstieg von 59,8 Prozent auf 5,46 Mrd. Renminbi oder 858,8 Mio. US-Dollar. Das operative Ergebnis verbesserte sich um 51,5 Prozent auf 2,82 Mrd. Renminbi. Ferner erwirtschaftete Baidu ein Nettoergebnis von 2,77 Mrd. Renminbi, was einer Steigerung von 69,6 Prozent entspricht.

Meldung gespeichert unter: Baidu

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