Baidu nutzt seine Chance - Konkurrenz bleibt außen vor

Freitag, 30. April 2010 12:32
Baidu Unternehmenslogo

(IT-Times) - Mit einem Kursplus von mehr als 14 Prozent gehörten die Aktien der chinesischen Suchmaschine Baidu (Nasdaq: BIDU, WKN: A0F5DE) am Vortag zu den Hauptgewinnern an der New Yorker Nasdaq. Das Unternehmen hatte seinen Nettogewinn um 165 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigern und mit einem Profit von 2,02 Dollar je Aktie die Gewinnerwartungen der Analysten regelrecht in den Schatten gestellt.

Baidu profitierte im jüngsten Quartal vor allem vom Teilrückzug Googles. Der Suchmaschinenmarktführer hatte im Januar angekündigt, einen Rückzug aus China prüfen zu wollen. Seit kurzem leitet Google seine chinesischen Besucher auf seine Hongkong-Seite um.

Baidu gewinnt wieder Marktanteile
Dieser Schachzug wirkte sich zuletzt deutlich negativ auf die Entwicklung der Marktanteile aus. Während Googles Marktanteil nach Angaben der Marktforscher aus dem Hause Analysys International zuletzt auf rund 31 Prozent gefallen ist, kletterte der Marktanteil Baidus von 58,4 Prozent im vierten Quartal 2009 auf 64 Prozent im ersten Quartal 2010.

Auch Baidu-Chef Robin Li gab unumwunden zu, dass man vom Semi-Ausstiegs Google marginal profitiert habe. Allerdings merkt der charismatische Baidu-Chef an, dass sich die der chinesische Suchmaschinenmarkt erst am Anfang seiner Entwicklung befinde. Die Stärke von Baidu sei vor allem auf die Umsetzung der eigenen Strategien und Visionen zurückzuführen und nicht allein auf die Wettbewerbssituation, stellt der Manager klar.

Tatsächlich hatte Baidu im Dezember die Integration seines neuen Werbe-Auktionssystems Phoenix Nest erfolgreich abschließen können. Phoenix Nest dürfte zu einer besseren Monetarisierung und einer höheren Kundenzufriedenheit bei Baidu-Kunden führen, glauben Analysten und Marktbeobachter.

Auch CLSA-Analystin Elinor Leung glaubt an einen weiteren Erfolg von Baidu. Google dürfte über einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren weiter Marktanteile verlieren, wodurch ein Drittel der Werbeausgaben an Baidu übergehen dürfte, prophezeit die Analystin.

Neue Online-Angebote sollen für weiteres Wachstum sorgen
Daneben erwarten Marktbeobachter, dass Baidu mit weiteren kostenlosen Online-Services seine Nutzerbasis erweitern wird. Bestes Beispiel ist dabei Baidus neue Dokument-Sharing-Seite Baidu Wenku (wenku.baidu.com), die im November 2009 online ging. Die Plattform verzeichnete seither ein explosives Wachstum, wobei inzwischen bereits 1,3 Millionen Dokumente hochgeladen wurden. Der Service verzeichnete zuletzt geschätzte vier Millionen aktive Nutzer und dürfte bis Ende 2010 die Marke von zehn Millionen knacken.

Auch die neue Videoplattform Qiyi.com hat sein volles Potential noch nicht ausgeschöpft. Nach dem Vorbild von Hulu, einer amerikanischen Videoplattform, die zuletzt stark zulegen konnte, sollen auf Qiyi.com vor allem hochqualitative Filme und Dokumentationen und TV-Shows gezeigt werden. Da das führende Videoportal YouTube in China bereits geblockt wird, hat Baidu auch hier freie Bahn…

Kurzportrait

Die im Jahre 2000 von Robin Li und Eric Xu gegründete Baidu Inc ist die führende Internet-Suchmaschine Chinas. Das Unternehmen, mit Hauptsitz in der chinesischen Hauptstadt Beijing bietet aber nicht nur Suchdienste, sondern auch Marketing-basierte Online-Services, wie Pay-for-Performance-Dienste (P4P-Services). Die Webseite, sowie Online-Werbeservices werden durch die Einheit Baidu Netcom betrieben und erbracht. Baidu sieht sich dabei als einer der ersten P4P-Servicedienstleister im Reich der Mitte, der solche Dienste anbietet. Ferner umfasst der Suchindex nach Firmenangaben mehr als eine Milliarde Webobjekte, wobei die Suchmaschine nicht nur nach Texten, sondern auch nach Fotos und Bilder, sondern auch nach MP3-Dateien fahndet.

Über die Einheit Baidu Online stellt das Unternehmen aber auch Suchtechnik und Services für Firmenkunden bereit. Mit Search Index bietet Baidu ein Tool für Medienprofis an, um Veränderungen bei häufig gesuchten Keywords zu erfassen. Ende 2009 stellte Baidu sein Werbesystem auf das neue System mit dem Namen Phoenix Nest um.

Bereits im Jahr 2004 übernahm Baidu.com mit Hao123 den weltgrößten Website-Index. Darüber hinaus bietet das Unternehmen inzwischen auch eine Desktop-Suchmaschine an.

Mit Movie Search bietet das Unternehmen einen gebührenpflichtigen Service an, welcher das Herunterladen von Filmen erlaubt, die von lizenzierten Content-Anbietern zur Verfügung gestellt werden. Mit Baidu Post Bar betreibt Baidu.com eine Community- und Message-Plattform, bestehend aus mehr als eine Diskussionsforen. Ferner betreibt Baidu.com mit Baidu Union ein Netzwerk bestehend aus Webseitenangeboten dritter Unternehmen, womit die Suchmaschine dadurch seinen Bekanntheits- und Verbreitungsgrad erhöhen will. Mit Baidu Space stieg das Unternehmen Mitte 2006 zudem in den Blogger-Markt ein. Mit Baidupedia ist das Unternehmen gleichzeitig auch mit einem Online-Lexikon am Start. Mit Baidu Favorites, Baidu Video Search und Hao123.com startete das Unternehmen drei neue Angebote. Mit Baidu Knows betreibt Baidu.com den weltweit größten Frage- und Antwortservice. In 2008 ging Baidu.com mit seiner eigenen E-Commerce Plattform Youa.com sowie mit Baidu Japan im Land der aufgehenden Sonne an den Start. Daneben erwarb Baidu.com für rund 100 Mio. RMB eine 8,3%ige Beteiligung an dem Video- und Filmspezialisten UiTV.com.

Zudem schloss Baidu.com Partnerschaften mit Hewlett-Packard, MTV Networks, Microsoft, EMI Music und Rakuten (Joint Venture im E-Commerce Bereich). Neben dem Hauptsitz in Beijing unterhält Baidu.com noch weitere Niederlassungen in Schanghai und Shenzen. Firmenmitgründer und CEO Robin Li hielt zuletzt noch eine Minderheitsbeteiligung am Unternehmen.

Zahlen

Um 165 Prozent konnte Baidu im vergangenen ersten Quartal 2010 sein Nettoergebnis steigern. Damit entwickelte sich das Nettoergebnis von Baidu überproportional zum Umsatz, der sich um 59,6 Prozent gegenüber dem Vergleichsquartal des Vorjahres verbesserte. 1,29 Mrd. Renminbi (rund 189,6 Mio. US-Dollar) Umsatz im ersten Quartal 2010 stehen Umsatzerlösen von 810,19 Mio. Renminbi in den ersten drei Monaten 2009 gegenüber.

Das operative Ergebnis stieg im gleichen Zeitraum von 198,05 Mio. Renminbi auf 530,81 Mio. Renminbi. Vor Steuern legte das Ergebnis von 208,01 Mio. Renminbi auf 551,23 Mio. Renminbi zu. Als Nettoergebnis des ersten Quartals 2010 nannte Baidu 480,53 Mio. Renminbi. Umgerechnet konnte Baidu im ersten Quartal einen Nettogewinn von 70,4 Mio. Dollar oder 2,02 Dollar je Aktie erwirtschaften und damit die Markterwartungen der Analysten deutlich in den Schatten stellen. Diese hatten im Vorfeld mit Einnahmen von 180 Mio. Dollar sowie mit einem Plus von 1,50 Dollar je Aktie kalkuliert.

Meldung gespeichert unter: Baidu

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