Baidu gerät ins Straucheln - Google holt auf

Mittwoch, 28. Oktober 2009 13:26
Baidu Unternehmenslogo

(IT-Times) - Die Aktien des chinesischen Suchmaschinenmarktführers Baidu (Nasdaq: BIDU, WKN: A0F5DE) brachen zuletzt deutlich ein, nachdem das Unternehmen für das laufende vierte Quartal einen sequentiellen Umsatzrückgang befürchtet.

Hintergrund ist die Umstellung auf die neue Internet-Werbetechnik Phoenix Nest. Das neue System soll die bisherige Werbeplattform zum 1. Dezember 2009 ablösen, wobei das alte System dann abgeschaltet werden soll. Damit zwingt Baidu Werbetreibende zum Wechsel auf die neue Werbetechnik.

Analystenhäuser wie Goldman Sachs bemängeln dagegen die Strategie des chinesischen Suchmaschinenmarktführers, könnte die Übergangsphase bei Werbetreibenden für Konfusion sorgen und dadurch die Wachstumsdynamik insgesamt schwächen. Baidu.com erhofft sich durch die Umstellung auf Phoenix Nest vor allem mehr Klicks auf Werbeanzeigen und damit langfristig höhere Einnahmen.

Bis sich diese Umstellung allerdings positiv auf der Ergebnisseite niederschlagen wird, dürfte es allerdings noch dauern. Analysten rechnen mit positiven Auswirkungen der Umstellung erst im zweiten Quartal 2010. Dann soll sich das Wachstum wieder beschleunigen.

Google holt in China auf
Insgesamt konnte Baidu seine Marktführerschaft im vergangenen dritten Quartal 2009 verteidigen. Mit einem Marktanteil von 63,9 Prozent beansprucht Baidu weiterhin den Löwenanteil für sich, so die Marktforscher aus dem Hause Analysys International. Insgesamt wuchs der chinesische Internet-Suchmaschinenmarkt im dritten Quartal 2009 auf 2,0 Mrd. Yuan bzw. auf 293 Mio. US-Dollar - ein Zuwachs von 38 Prozent.

Trotz der Dominanz von Baidu zeigen die Zahlen aber auch, dass der große Rivale Google weiter aufholt. Die Amerikaner hatten zuletzt ihre Bemühungen in China verstärkt, was sich zuletzt in Form von höheren Marktanteilen auszahlte. Die Analysys-Marktforscher schreiben Google inzwischen einen Marktanteil von 31,3 Prozent im dritten Quartal zu, nach 29,1 Prozent im Vorquartal.

Durch die hastige und verfrühte Umstellung auf die neue Internet-Werbetechnik lädt Baidu.com Google ungewollt zu weiteren Marktanteilsgewinnnen ein. Diese Einladung dürfte der amerikanische Suchmaschinengigant dankend annehmen, zumal Google aufgrund seiner hohen Profitabilität auch über notwendigen finanziellen Ressourcen verfügt, um Baidu.com in China herauszufordern…

Kurzportrait

Die im Jahre 2000 von Robin Li und Eric Xu gegründete Baidu Inc ist die führende Internet-Suchmaschine Chinas. Das Unternehmen, mit Hauptsitz in der chinesischen Hauptstadt Beijing bietet aber nicht nur Suchdienste, sondern auch Marketing-basierte Online-Services, wie Pay-for-Performance-Dienste (P4P-Services). Die Webseite, sowie Online-Werbeservices werden durch die Einheit Baidu Netcom betrieben und erbracht. Baidu.com sieht sich dabei als einer der ersten P4P-Servicedienstleister im Reich der Mitte, der solche Dienste anbietet. Ferner umfasst der Suchindex nach Firmenangaben mehr als 800 Mio. Webobjekte, wobei die Suchmaschine nicht nur nach Texten, sondern auch nach Fotos und Bilder, sondern auch nach MP3-Dateien fahndet.

Über die Tochter Baidu Online stellt das Unternehmen aber auch Suchtechnik und Services für Firmenkunden bereit. Mit Search Index bietet Baidu ein Tool für Medienprofis an, um Veränderungen bei häufig gesuchten Keywords zu erfassen. Bereits im Jahr 2004 übernahm Baidu.com mit Hao123 den weltgrößten Website-Index. Darüber hinaus bietet das Unternehmen inzwischen auch eine Desktop-Suchmaschine an - die erste Desktop-Suchmaschine, die sowohl die chinesische als auch die englische Sprache unterstützt.

Mit Movie Search bietet das Unternehmen einen gebührenpflichtigen Service an, welcher das Herunterladen von Filmen erlaubt, die von lizenzierten Content-Anbietern zur Verfügung gestellt werden. Mit Baidu Post Bar betreibt Baidu.com eine Community- und Message-Plattform, bestehend aus mehr als eine Diskussionsforen. Ferner betreibt Baidu.com mit Baidu Union ein Netzwerk bestehend aus Webseitenangeboten dritter Unternehmen, womit die Suchmaschine dadurch seinen Bekanntheits- und Verbreitungsgrad erhöhen will. Mit Baidu Space stieg das Unternehmen Mitte 2006 zudem in den Blogger-Markt ein. Mit Baidupedia ist das Unternehmen gleichzeitig auch mit einem Online-Lexikon am Start. Mit Baidu Favorites, Baidu Video Search und Hao123.com startete das Unternehmen drei neue Angebote. Mit Baidu Knows betreibt Baidu.com den weltweit größten Frage- und Antwortservice. In 2008 ging Baidu.com mit seiner eigenen E-Commerce Plattform Youa.com an den Start. Daneben erwarb Baidu.com für rund 100 Mio. RMB eine 8,3%ige Beteiligung an dem Video- und Filmspezialisten UiTV.com.

Zudem schloss Baidu.com Partnerschaften mit Hewlett-Packard, MTV Networks, Microsoft und EMI Music. Neben dem Hauptsitz in Beijing unterhält Baidu.com noch weitere Niederlassungen in Schanghai und Shenzen. Firmenmitgründer und CEO Robin Li hielt zuletzt noch 26 Prozent der ausstehenden Anteile am Unternehmen.

Zahlen

Für das vergangene dritte Quartal 2009 meldet Baidu einen Umsatz von 1,27 Mrd. chinesischen Renminbi (RMB). Dies entspricht rund 187,3 Mio. US-Dollar. Der Umsatz belief sich im Vergleichszeitraum 2008 auf 919 Mio. RMB und auch im Rückblick auf das zweite Quartal 2009 mit einem Umsatz von 1,09 Mrd. RMB konnte eine deutliche Steigerung erreicht werden. Das operative Ergebnis schlug mit 521,44 Mio. RMB zu Buche und drückt ebenfalls eine deutliche Zunahme gegenüber dem Wert von 368,30 Mio. RMB in Q3 2008 aus.

Das Nettoergebnis des dritten Quartals 2009 betrug 492,86 Mio. RMB. Auch hier zeigt sich die positive Entwicklung, da im Vorjahresquartal 347,85 Mio. RMB erwirtschaftet wurden. Das Ergebnis je Aktie belief sich im dritten Quartal 2009 auf 14,23 RMB (Q3 2008: 10,15 Renminbi). Umgerechnet konnte Baidu.com einen Nettogewinn von 2,01 Dollar je Aktie realisieren und damit die Markterwartungen der Analysten deutlich übertreffen. Diese hatten im Vorfeld nur mit einem Plus von 1,83 Dollar je Aktie gerechnet.

Meldung gespeichert unter: Suchmaschinen

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