Axel Springer wachsen neue Standbeine

Dienstag, 14. August 2007 13:52
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(IT-Times) Die Axel Springer AG (WKN: 550135) braucht man eigentlich nicht vorstellen. Jeder kennt das Konzern-Flagschiff mit den vier Buchstaben und einem nicht ganz einwandfreien Ruf. Doch es würde ein falsches Bild entstehen, den Springer-Verlag nur auf die größte deutsche Boulevard-Zeitung zu reduzieren. Dahinter steht ein international operierender Medienkonzern, der wie viele andere gleichgeartete Konglomerate, mit den Widrigkeiten der Zeit zu kämpfen hat. Damit wären wir schon wieder bei der Konzern-Gallionsfigur, denn hier lässt sich exemplarisch verbildlichen, welche Klippen das Traditionsunternehmen zu umschiffen hat.

Bild wollen immer weniger sehen
Es war 1952, als Axel Springer in der noch jungen Bundesrepublik eine damals für Deutsche ungewohnt wirkende Publikation aus der Taufe hob: Bild. Eine neuartig wirkende Zeitung, auf den kleinen Mann zugeschnitten. Das Boulevardblatt erfreute sich schnell wachsender Beliebtheit und einige Skandale trugen zum nicht ganz so sauberen Image bei. 55 Jahre später gibt es Bild immer noch, aber die Zeiten haben sich geändert. Immer mehr Menschen haben Internet, fast jeder hat ein Handy und so ziemlich alle haben mindestens einen Fernseher zu Hause. Das Mediennutzungsverhalten der Bevölkerung ist in einem Wandel begriffen, den vor allem die Zeitungen zu spüren bekommen. Die Auflage von Bild sank von 4,55 Millionen Exemplaren im ersten Quartal 1998 auf 3,44 Millionen im Vergleichzeitraum 2007 (Quelle: Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern/IVW).

Auch andere Publikationen, die nicht dem Boulevard-Bereich zuzuordnen sind, dürften betroffen sein: Seit 1991 ging die verkaufte Auflage der Tages, Wochen- und Sonntagszeitungen von 27,3 Millionen auf 21,2 Millionen Exemplare im Jahr 2006 (Quelle: Schütz/IVW) zurück. Auch die Werbeaufwendungen sowie der Anteil der Zeitungen im Werbemarkt ist rückläufig. Im Print-Bereich sind es allenfalls die Zeitschriften, die stellenweise für Zuwächse sorgen.
       
Kommt der Prophet nicht zum Berg...
Um die Entwicklung auf dem Heimatmarkt zu kompensieren, wagen viele Unternehmen den Schritt ins Ausland. Bei Axel Springer liegt der Fokus auf Frankreich, Spanien, der Schweiz sowie dem Ostblock. Über diese Strategie wird das eigentliche Wachstum im Konzern generiert. In der ersten Hälfte des laufenden Geschäftsjahres legte der Auslandsumsatz um 25,9 Prozent auf 233,9 Mio. Euro zu und erreichte mit einem Anteil von 19,4 Prozent am Konzernumsatz einen neuen Höchststand – allerdings wurden hier einige neue Beteiligungen erstmals konsolidiert. Zum Vergleich: Insgesamt wuchs dieser Wert nur um 3,1 Prozent auf rund 1,2 Mrd. Euro an, womit im Inland ein Umsatzrückgang zu verzeichnen war.  

Der Handlungsdruck scheint bei Springer insgesamt sehr groß. Allein im ersten Halbjahr 2007 wurden mehr als 500 Mio. Euro investiert. Neben dem Auslandsgeschäft kommt einem zweiten Wachstumsmarkt dabei eine zentrale Bedeutung zu. Im Online-Bereich werden - wenn auch noch auf vergleichbar geringem Niveau - hohe Wachstumsraten beim Werbeaufkommen erzielt. 2006 wurden hier Netto-Werbeeinnahmen in Höhe von 495 Millionen Euro generiert, was einer Steigerung von 49,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht (Quelle: Netto-Werbeeinnahmen erfassbarer Werbeträger/ZAW). Ein Ende ist hier nicht abzusehen, denn mit dem viel umjubelten Web 2.0 dürfte diese Entwicklung noch nicht abgeschlossen sein.

Neben Investitionen in die Portale bild.t-online.de, welt online und computerbild.de wurden einige Übernahmen getätigt. Springer erwarb Anteile an der wallstreet:online AG (50,1 Prozent), der wallstreet:online Capital AG (75 Prozent), hamburg.de GmbH & Co. KG (51 Prozent) und dem Frauenportal auFeminin.com (41 Prozent). Die 100prozentige Tochter immonet, ein Immobilienportal, übernahm wohnfinder.de und die 49,9prozentige Beteiligung stepstone, ein Jobportal, erstand die österreichische jobfinder.at. Außerdem erfolgte mit 60 Prozent der Einstieg bei dem Online-Vermarkter zanox.de AG.

Im Online-Bereich hat der Konzern ehrgeizige Ziele. Stiegen die Pro-Forma-Erlöse aus bestehenden und akquirierten Onlinegeschäften im ersten Halbjahr 2007 um 50 Prozent auf rund 102 Millionen Euro, so ist für das Gesamtjahr ein Wert von 200 Millionen Euro avisiert. Bis 2010 soll das Segment den Umsatz mehr als verdoppeln.

Meldung gespeichert unter: Axel Springer

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