Autodesk kommt unter die Räder - Management-Fehler dämpfen Wachstum

Mittwoch, 29. August 2012 13:17
Autodesk

(IT-Times) - Autodesk-Aktionäre hatten zuletzt wenig Freude an ihren Papieren. Nachdem der weltgrößte Hersteller schwache Quartalszahlen meldete und mit einem verhaltenen Ausblick enttäuschte, brachen die Papiere um knapp 20 Prozent ein.

Autodesk (Nasdaq: ADSK, WKN: 869964) schreibt die schwächere Geschäftsentwicklung in erster Linie der schwachen allgemeinen Wirtschaftslage in Zentraleuropa (Deutschland) zu. Insbesondere das Geschäft in Südeuropa sei schwach ausgefallen, auch die Geschäfte in BRIC-Ländern waren durchwachsen. Während Autodesk in China und Russland weiter wuchs, zeigten sich Schwächen in Brasilien und Indien, so das Management im Conference Call.

Analysten machen Management-Fehler für die Schwäche verantwortlich
Analysten sehen darin aber nur die halbe Wahrheit. Experten wie Barclays Analyst Raimo Lenschow und Stifel Nicolaus Experte Blair Abernethy verweisen darauf, dass Autodesk zuletzt einige strukturelle Änderungen im Vertrieb vorgenommen hat. Anstatt sich auf Regionen zu konzentrieren, wurde der Fokus mehr auf Industrien gelegt. Dies habe offenbar zu Konfusionen im Vertrieb geführt und Entscheidungen innerhalb des Unternehmens hinausgezögert, glaubt Barclays Experte Lenschow.

RBC Capital Markets Experte Matthew Hedberg sieht Management-Probleme als Hauptgrund für die Schwierigkeiten im Unternehmen. 70 Prozent des Problems seien auf spezifische Unternehmensentscheidungen zurückzuführen, nur 30 Prozent auf die Weltwirtschaft, glaubt der Analyst.

Als Ergebnis des schwachen Quartals hat Autodesk weitere Maßnahmen eingeleitet. Unter anderem soll die Belegschaft um 520 Mitarbeiter reduziert werden, um den Trend Richtung Cloud und Mobile Computing Rechnung zu tragen. In der zweiten Fiskaljahreshälfte 2013 will Autodesk dagegen wieder 250 Mitarbeiter in wachstumsstarken Bereichen neu einstellen.

Autodesk kauft im PLM-Bereich zu
Als künftige Wachstumsmotoren im Autodesk-Geschäft gelten Cloud-basierte Lösungen wie das Product Lifecycle Management (PLM) Produkt Autodesk PLM 360. Man habe eine Reihe von PLM-Deals im jüngsten Quartal sowohl mit mittelständischen, als auch mit Großkonzernen abschließen können, heißt es bei Autodesk.

Zudem hat sich Autodesk in diesem Bereich nochmals verstärkt, wie am Vortag bekannt wurde. Für einen nicht näher genannten Betrag wurde der PLM-Spezialist Inforbix aufgekauft. Bei Inforbix LLC handelt es sich um ein Software-Unternehmen, dass sich auf Cloud-basierte SaaS-Lösungen konzentriert.

Durch die Übernahme konnte Autodesk auch den Inforbix-Mitgründer Oleg Shilovitsky für das Unternehmen gewinnen. Shilovitsky soll künftig als Senior Direktor von PLM and Data Management fungieren und Autodesk 360 Cloud Services vorantreiben.

Bis sich diese Bemühungen auszahlen, dürfte es wohl noch eine Weile dauern. Analysten rechnen erst im nächsten Jahr wieder mit deutlich besseren Zahlen.

Kurzportrait

Gegründet im Jahre 1982 und ansässig im kalifornischen San Rafael ist Autodesk vor allem für seine CAD-Softwarereihe AutoCAD weltweit bekannt. Das Flagschiffprodukt AutoCAD trägt etwa ein Drittel der gesamten Umsätze des Unternehmens. AutoCAD wird vor allem für professionelles 3D-Modelling eingesetzt, um nicht nur industrielle Produkte am Bildschirm entstehen zu lassen, sondern auch Architekten bei ihrer Arbeit zu unterstützen.

Um seine Marktstellung auch in ähnlichen Bereichen zu festigen, wurden in den letzten Jahren weitere Unternehmen übernommen. Darunter Firmen wie Discreet Logic, Buzzsaw und RedSpark. Später kaufte Autodesk den CAD-Spezialisten Linius Technologies und den Anbieter von Design-Software VIA Development.

Insgesamt operiert Autodesk heute aus vier Geschäftsbereichen heraus: Platform Solutions and Emerging Business (PSEB), Architecture, Engineering and Construction (AEC), Manufacturing (MFG) und Media and Entertainment (M&E).

Durch die Übernahme von Caice Software versucht Autodesk sein Produktangebot im Bereich Transport- und Logistiksoftware auszubauen. Anschließend kaufte Autodesk den 3D-Softwareanbieter MechSoft Technology. Auch der deutsche Data-Management-Spezialist COMPASS systems GmbH sowie c-Plan AG, Colorfront Ltd. und Solid Dynamics gehören inzwischen zum Autodesk-Konzern. Im Herbst 2005 folge dann die Übernahme des 3D-Grafisoftwareentwicklers Alias. Anfang 2006 übernahm Autodesk den Projekt-Management-Softwareanbieter Constructware. Auch im Jahr 2007 blieb Autodesk weiter auf Einkaufstour und schluckte die Spezialisten Opticore, NavisWorks, Skymatter (Mudbox) und PlassoTech. Anfang 2008 schloss Autodesk die Zukäufe Robobat, Camel Software und Hanna Strategies LLC ab. Gleichzeitig wurden die Spielsoftwarespezialisten Kynogon SA, REALVIZ, Square One Research, Green Building Studio, Moldflow und 3D Geo übernommen. Mit Softimage, Logimetrix und BIMWorld folgten Ende 2008 weitere Zukäufe. Ende 2009 schluckte Autodesk das israelische Startup PlanPlatform. Mitte 2010 kaufte Autodesk den schwedischen Gaming-Technikspezialisten Illuminate Labs. In 2011 verstärkte sich Autodesk durch die Übernahme von Scaleform und Blue Ridge Numerics, Pixlr, Instructables, MAP Software, Horizontal Systems und T-Splines. Mitte 2012 folgte die Übernahme des PLM-Spezialisten Inforbix.

Autodesk ist heute in nahezu allen bedeutenden Wirtschaftsregionen der Welt präsent. Die Produkte werden in mehr als 160 Ländern durch ein Netz bestehend aus 1.700 Händler vertrieben. Neben dem Stammhaus in Kalifornien, unterhält die Gesellschaft noch weitere Niederlassungen in Asien, Afrika, Lateinamerika und in Europa. Das Unternehmen erzielt derzeit mehr die Hälfte der Umsätze außerhalb der USA. Insgesamt gilt Autodesk heute als einer der größten Softwareanbieter weltweit. Die Kalifornier betreuen heute mehr als sechs Millionen Anwender weltweit.

Zahlen

Meldung gespeichert unter: Computer Aided Design (CAD)

© IT-Times 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Unternehmen / Branche folgen
Unsere Nachrichten auf Ihrer Website

Sie haben die Möglichkeit, mit unserem Webmaster-Nachrichten-Tool die Nachrichten von IT-Times.de kostenlos auf Ihrer Internetseite einzubauen.

Zugeschnitten auf Ihre Branche bzw. Ihr Interesse.

Unternehmen / Branche folgen
Unsere Nachrichten auf Ihrer Website

Sie haben die Möglichkeit, mit unserem Webmaster-Nachrichten-Tool die Nachrichten von IT-Times.de kostenlos auf Ihrer Internetseite einzubauen.

Zugeschnitten auf Ihre Branche bzw. Ihr Interesse.

Folgen Sie IT-Times auf ...