Applied Materials stärkt seine Position im Markt

Halbleiterausrüstung

Donnerstag, 26. September 2013 14:05
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(IT-Times) - Applied Materials und Tokyo Electron sorgten am Dienstag für einen Paukenschlag, der die Halbleiterausrüsterindustrie nachhaltig verändern und voraussichtlich zu einer weiteren Konsolidierungswelle führen wird.

Amerikas größter Chipausrüster Applied Materials (Nasdaq: AMAT, WKN: 865177) wird Japans größten Halbleiterausrüster Tokyo Electron im Rahmen eines Aktientausches für mehr als sieben Mrd. US-Dollar übernehmen. Dadurch wird ein neuer Industrie-Titan mit einer Marktkapitalisierung von 29 Mrd. US-Dollar entstehen. Der Deal soll im zweiten Halbjahr 2014 abgeschlossen werden.

Kostenersparnis von 500 Mio. Dollar erwartet
Wie das neue Unternehmen künftig heißen soll, steht noch nicht fest. Fix ist jedoch, dass Applied Materials CEO Gary Dickerson das fusionierte Unternehmen künftig leiten wird, dessen Freund Tetsuro Higashi, seines Zeichens CEO bei Tokyo Electron, wird als Chairman fungieren. Beide Manager erhoffen sich hohe Einsparungen und Synergieeffekte durch den Deal. Binnen drei Jahren soll der Zusammenschluss zu Kosteneinsparungen von 500 Mio. US-Dollar führen.

Zudem werden die beiden Unternehmen zur absoluten Nummer eins im Markt für Halbleiterausrüstung aufsteigen und damit den niederländischen Chip-Ausrüster ASML Holdings hinter sich lassen. ASML hatte sich zuvor durch die Übernahme des Konkurrenten Novellus Systems verstärkt.

Regulierungsbehörden müssen dem Deal noch zustimmen
Zwar dürften die Aktionäre dem Merger wohl zustimmen, die Regulierungsbehörden werden aufgrund der Größe den Deal jedoch genauer unter die Lupe nehmen. Applied Material Chairman Mike Splinter gibt sich dennoch zuversichtlich, dass der Deal grünes Licht von den Regulierungsbehörden erhalten wird.

Die Zuversicht ist nicht unbegründet, kämpft die Ausrüsterbranche seit Jahren mit rückläufigen Umsätzen und Gewinnen. Hintergrund ist die Flaute im PC-Markt. Die größten Kunden für Applied Materials und Tokyo Electron sind Intel, Taiwan Semiconductor Manufacturing Corp (TSMC) und Samsung. Die drei großen Industrie-Player haben ihre Investitionen in neues Chip-Equipment zuletzt zurückgefahren, nachdem Konsumenten immer mehr zu Smartphones und Tablets greifen.

Applied Materials gilt als Hauptprofiteur
Dementsprechend hat sich das Anforderungsprofil an die Halbleiterausrüster verändert. Die Chip-Industrie fordert immer mehr low-cost Chips mit weniger Stromverbrauch, sowie System-on-Chip-Systeme, anstatt Einzellösungen. Auch dürfte der Smartphone-Boom den Trend hin zu neuen Materialen forcieren.

Um diese steigenden Anforderungen erfüllen zu können, müssen die Chiphersteller mehr in Forschung und Entwicklung investieren. Für kleine Halbleiterausrüster wird es schwieriger diese höheren Ausgaben zu stemmen, für einen größeren Konzern ist dies einfacher. Sifel Nicolaus Analyst Patrick Ho erwartet dann auch, dass Applied Materials von dem Zusammenschluss am meisten profitieren wird, was sich auch im jüngsten Kurssprung widerspiegelt.

Kurzportrait

Die bereits im Jahre 1967 gegründete und im kalifornischen Santa Clara ansässige Applied Materials gilt als weltweit führender Anbieter von Halbleiter- und Solarausrüstungsanlagen. Das Unternehmen bietet aber nicht nur Herstellungsanlagen für die Fertigung von Halbleitern an, sondern auch Software, welche die Beschichtung und die Produktion von Halbleitern überwachen. Gleichzeitig bietet das Unternehmen auch Testanlagen an, welche die gefertigten Mikrochips nicht nur auf ihre Funktionsweise hin überprüfen, sondern womit sich auch ganze Produktionsabläufe und Fertigungszyklen simulieren lassen. Insgesamt operiert Applied heute aus vier Kerngeschäftsbereichen heraus: Silicon Systems Group, Applied Global Services (AGS), Display sowie Energy and Environmental Solutions (EES).

Im asiatischen Raum erwirtschaftet Applied heute mehr als 70 Prozent seiner gesamten Umsatzerlöse. Im Jahre 1993 stieg das Unternehmen mit dem Überschreiten der Umsatzgrenze von einer Mrd. US-Dollar zum weltweiten Marktführer im Bereich der Fertigungsanlagen für Halbleiter auf. In den letzten Jahren verstärkte sich Applied Materials durch zahlreiche Übernahmen. Ende 2007 verstärkte sich Applied durch die Übernahme des italienischen Solar- und Halbleiterausrüsters Baccini S.p.A. Ende 2009 übernahm Applied den Chip-Spezialisten Semitool. Im Mai 2011 kaufte Applied für 4,9 Mrd. Dollar den Konkurrenten Varian Semiconductor. Im Herbst 2013 gab Applied Materials den Zusammenschluss mit dem Konkurrenten Tokyo Electron bekannt. Applied Materials-Aktionäre werden mit 68 Prozent die Mehrheit an der neuen Gesellschaft halten.

Mit etwa 14.000 Mitarbeitern und über 90 Niederlassungen in 13 Ländern erwirtschaftete das Unternehmen zuletzt einen Jahresumsatz von mehr als fünf Mrd. US-Dollar. Zu den größten Kunden des Unternehmens zählt unter anderem der Halbleitergigant Intel als auch TMSC und Samsung. Im Solarausrüstermarkt betreut das Unternehmen inzwischen ebenfalls viele Kunden.

Zahlen

Für das vergangene dritte Fiskalquartal 2013 meldet Applied durchwachsene Zahlen. So ging der Umsatz um 16 Prozent auf 1,98 Mrd. US-Dollar zurück, nachdem Applied im Jahr vorher Einnahmen von 2,34 Mrd. Dollar erwirtschaften konnte. Der Nettogewinn fiel um 23 Prozent auf 168 Mio. US-Dollar oder 14 US-Cent je Aktie, nach einem Profit von 218 Mio. US-Dollar oder 17 US-Cent je Aktie im Jahr vorher.

Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen konnte Applied einen bereinigten Nettogewinn von 18 US-Cent je Aktie erwirtschaften und blieb damit hinter den Markterwartungen der Analysten zurück. An der Wall Street hatte man im Vorfeld mit Einnahmen von 2,06 Mrd. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von 19 US-Cent je Aktie gerechnet.

Meldung gespeichert unter: Applied Materials

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