Apple verschläft den Netbook-Boom

Freitag, 23. Januar 2009 12:57
Apple

(IT-Times) Der US-Computerhersteller Apple (Nasdaq: AAPL, WKN: 865985) hält sich trotz US-Rezession und weltweiter Konjunkturkrise weiterhin wacker. Konsumenten kaufen trotz der Krise weiterhin Macintosh-Computer, iPods und iPhones, was dem Unternehmen im jüngsten Quartal noch einmal zu einem Gewinnanstieg verhalf.

Doch die Ruhe täuscht. So könnte sich der Lebenszyklus des iPod-Musikplayers bald seinem Höhepunkt nähern. Zwar konnte Apple im jüngsten Quartal nochmals eine Rekordzahl von 22,7 Mio. iPods absetzen, doch in den USA fielen die Erlöse bereits um drei Prozent und das im lukrativen Weihnachtsgeschäft. Apple COO Tim Cook räumt dann auch ein, dass der Zuwachs bei den iPod-Erlösen hauptsächlich in der letzten Dezemberwoche außerhalb der USA zu Stande kam.

Wettbewerb auf den Mobilfunkmarkt wird stärker
Auch verkaufte das Unternehmen mit 4,4 Mio. iPhones weniger Apple-Handys, als erwartet. Analysten hatten in diesem Zusammenhang mit einem Absatz von bis zu fünf Mio. Geräte gerechnet. Zwar verkauft Apple sein Kult-Handy inzwischen in mehr als 70 Ländern weltweit, im wichtigen Wachstumsmarkt China ist man mit dem iPhone aber nach wie vor nicht vertreten.

Zudem dürfte im Jahr 2009 eine ganze Armada neuer Android-Handys auf den Markt kommen, die das neue Google-Betriebssystem nutzen. Der taiwansche G1-Hersteller HTC hatte im November nochmals seine Absatzprognose für das G1 auf eine Mio. Einheiten nach oben geschraubt. Wann Apple beim iPhone nochmals nachlegen wird, steht noch nicht fest. Die Ankündigung eines iPhone nano zur MacWorld blieb jedenfalls aus.

Apple bei Netbooks bislang nur Zuschauer
Auch im Boommarkt Netbooks bleibt Apple vorerst nur Zuschauer. Der Markt für derartige Geräte, die unter 500 US-Dollar kosten, war zuletzt sehr stark gewachsen, wobei viele Konsumenten aber auch Firmen in Zeiten der Rezession eher auf teure Notebooks verzichten und lieber auf günstigere Netbooks setzen.

Laut Apple-Manager Cook beobachte man bislang den Markt. Dennoch seien diese Produkte leistungsmässig nicht so stark, wie es sich Kunden gerne wünschen, begründet der Apple-Manager die Zurückhaltung. Zudem verweist der Manager auf weitere Nachteile wie schmale Displays und kleine Keyboards. Insgesamt ist man bei Apple der Meinung, dass sich Kunden nicht dauerhaft mit diesen Produkten zufriedengeben werden.

Ein vielleicht folgenschwerer Fehler. Zwar steuerte der Netbook-Bereich bislang nur etwa drei Prozent der gesamten PC-Industrie bei, wächst aber rasant. In 2008 wurden weltweit rund zehn Mio. solcher Mini-Notebooks verkauft, davon allein fünf Mio. im vierten Quartal, so die Marktforscher des Hauses IDC.

Die vornehme Zurückhaltung bei Apple könnte aber noch einen weiteren Grund haben. Netbooks werfen eine deutlich geringere Gewinnmarge ab und sind damit deutlich weniger lukrativ als teure Notebooks. Eine Überheblichkeit, die Apple noch teuer zu stehen kommen könnte, wenn asiatische PC-Hersteller wie Acer & Co den Markt von unten aufrollen…

Kurzportrait

Apple leitete zu Beginn der 80er Jahre die Revolution bei Personalcomputern ein. Bereits in den 70er Jahren stellte das Unternehmen mit dem Apple II einen Vorläufer zum heutigen Personalcomputer vor. Ein Jahrzehnt später folgte mit dem Macintosh einer der ersten Desktop-Systeme auf den Markt, welcher sich auch für die breite Masse der Anwender eignete.

Nach einem Auf und Ab in der Unternehmensgeschichte und der Rückkehr von Steven Jobs, gelang Apple erneut die Wende. Heute präsentiert sich das kalifornische Unternehmen als Anbieter von innovativen Desktop-Geräten und Unterhaltungselektronik, welche vor allem durch ihr ausgefallenes Design nicht nur Aufmerksamkeit erregen, sondern auch in Sachen Technik überzeugen.

Apple bietet nicht nur Computer und Laptops an, sondern mit dem iPod auch einen tragbaren Musik-Player, mit dem der PC-Hersteller innerhalb kurzer Zeit zum Marktführer wurde. Inzwischen konnte Apple bereits deutlich mehr als 100 Millionen Einheiten seines Verkaufsschlagers iPod absetzen. Der inzwischen auch in Europa und Asien gestartete Musik-Download-Service iTunes gilt als der bisher erfolgreichste legale Online-Musikdienst. So wurden seit Beginn des Dienstes bereits über drei Mrd. Musik-Songs aus dem Netz geladen. Mit Final Cut Pro und iMovie will das Unternehmen vor allem auch Multimedia-Spezialisten ansprechen. Die kostenlose Anwendung iPhoto soll Fotofreunde eine Hilfestellung beim Sichten und Bearbeiten von entsprechendem Fotomaterial an die Hand geben. Neben verschiedenen Softwareanwendungen für den Mac, setzt das Unternehmen aber auch auf eine leistungsstarke Hardware und auf ein eigenes Betriebssystem. Mit der Ankündigung, künftig auch Intel-Chips in seinen Systemen verbauen zu wollen, sorgte Apple im Jahr 2006 für Aufsehen in der Branche. Anfang 2007 stieg Apple mit dem iPhone auch in den Mobilfunkmarkt ein. Mitte 2008 folgte mit dem iPhone 3G ein Nachfolger mit GPS- und UMTS-Unterstützung. Gleichzeitig stellte man mit Apple TV eine neue set-top Box für das Wohnzimmer vor. Mit dem iPod Touch präsentierte Apple zuletzt einen neuen portablen Media-Player mit einem Touchscreen-Display. Anfang 2008 präsentierte Apple mit dem MacBook Air den damals weltweit dünnsten Notebook-PC.

Über die 100%ige Apple-Tochter FileMaker bietet der Computerhersteller aber auch Datenbanksoftware an. Zuletzt stellte das Unternehmen mit dem iPod Shuffle und dem Mac Mini kostengünstige Einstiegsvarianten seiner Flagschiffprodukte vor.

Zahlen

Für das vergangene vierte Quartal 2008 meldet Apple einen leichten Umsatzzuwachs von sechs Prozent auf 10,2 Mrd. US-Dollar. Der Nettogewinn kletterte dabei leicht um zwei Prozent auf 1,61 Mrd. US-Dollar oder 1,78 Dollar je Aktie, nach einem Plus von 1,58 Mrd. Dollar oder 1,76 Dollar je Aktie im Jahr vorher. Die Bruttomargen blieben stabil bei 34,7 Prozent.

Mit diesen Zahlen konnte Apple zunächst die Markterwartungen übertreffen. Analysten hatten im Vorfeld zunächst nur mit Einnahmen von 9,75 Mrd. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von 1,39 Dollar je Anteil kalkuliert.

Im Kerngeschäft Computerverkauf konnte Apple den Absatz seiner Macintosh-Computer nochmals um neun Prozent auf 2,52 Mio. Geräte steigern. Gleichzeitig setzte Apple rund 22,73 Mio. iPods ab, obwohl die Erlöse in den USA um drei Prozent schrumpften. Insbesondere das Auslandsgeschäft trug dazu bei, dass Apple trotzdem eine Rekordzahl von iPods absetzen konnte.

Meldung gespeichert unter: Apple

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