Apple verliert seinen wichtigsten Innovationsmotor - Zukunft in Gefahr?

Montag, 10. Oktober 2011 13:05
Steven Paul Jobs

(IT-Times) - Apple ohne Steve Jobs - bis vor einem Jahr noch kaum vorstellbar. Nunmehr ist dieser Zustand traurige Realität. Bei Investoren sorgten die jüngsten Entwicklungen bei Apple für große Verunsicherung.

Zum einen wird mit Steve Jobs eine Ikone und ein Zukunftsvisionär fehlen, der nicht nur das Technikzeitalter der letzten zehn Jahre mit seinen Ideen und Produkten geprägt, sondern auch die Konkurrenz in Form von Nokia und Hewlett-Packard regelrecht vorgeführt hat. Zum anderen enttäuschte Apple zuletzt durch die Einführung des iPhone 4S, nachdem viele Beobachter mit einem neuen iPhone 5 gerechnet hatten.

Stattdessen verliert sich Apple (Nasdaq: AAPL, WKN: 865985) in Patentstreitigkeiten mit Samsung und anderen Android-Konkurrenten, um den Vormarsch des Google-Betriebssystems im Mobile-Segment aufzuhalten, anstatt mit weiteren Innovationen zu glänzen.

iPhone 4S doppelt so schnell wie der Vorgänger - hohe Nachfrage zeichnet sich ab
Analysten verweisen darauf, dass das iPhone 4S vor allem mit seinen inneren "Werten" überzeugt, die nicht sofort auffallen. So ist das iPhone 4S zwei Mal so schnell wie das iPhone 4, weiß Ticonderoga Analyst Brian White. Das iPhone 4S sei zudem leistungsstärker und komme mit interessanten neuen Features wie Siri daher, was viele iPhone-Besitzer zum Neukauf bzw. Wechsel bewegen dürfte, glaubt White.

Tatsächlich zeichnet sich bereits eine hohe Nachfrage nachdem neuen Apple-Telefon ab. Der Mobilfunk-Carrier AT&T will binnen 12 Stunden bereits mehr als 200.000 Vorbestellungen für das neue Apple-Handy erhalten haben. Apple selbst gibt inzwischen die Lieferzeit mit ein bis zwei Wochen an. Zur Markteinführung am 14. Oktober in den USA und in Deutschland dürften lange Schlangen vor den Apple Stores gewiss sein.

Ob damit nur dem Apple-Kult Rechnung getragen, oder die hohe Nachfrage wirklich Bestand haben wird, dürfte sich erst im Weihnachtsgeschäft zeigen, denn dann muss das iPhone 4S mit anderen Android-Smartphones wie dem Nexus Prime von Samsung konkurrieren. Glaubt man US-Medienberichten, wird Samsung mit dem Nexus Prime dann zum ersten Mal ein technisch überlegenes Handy präsentieren, dass sogar das iPhone 4S in den Schatten stellt.

IHS-Analysten: Apple lässt große Chance aus
Mit der Markteinführung des iPhone 4S hat es Apple ferner versäumt, ein echtes low-end Modell auf den Markt zu bringen, um im boomenden Einstiegssegment Fuß zu fassen, bemängeln die Industrieanalysten aus dem Hause IHS iSuppli.

Zwar hat Apple den Preis für seine älteren iPhone-Modelle gesenkt, doch hatten Analysten im Vorfeld neben dem iPhone 5 auch mit einem Billig-Smartphone gerechnet, womit Apple in Schwellenländern verstärkt auf Kundenfang gehen könnte - diese Erwartungen wurden zunächst nicht erfüllt.

Kurzportrait

Apple leitete zu Beginn der 80er Jahre die Revolution bei Personalcomputern ein. Bereits in den 70er Jahren stellte das Unternehmen mit dem Apple II einen Vorläufer zum heutigen Personalcomputer vor. Ein Jahrzehnt später folgte mit dem Macintosh einer der ersten Desktop-Systeme auf den Markt, welcher sich auch für die breite Masse der Anwender eignete.

Nach einem Auf und Ab in der Unternehmensgeschichte und der Rückkehr von Steve Jobs, gelang Apple erneut die Wende. Heute präsentiert sich das kalifornische Unternehmen als Anbieter von innovativen Desktop-Geräten und Unterhaltungselektronik, welche vor allem durch ihr ausgefallenes Design nicht nur Aufmerksamkeit erregen, sondern auch in Sachen Technik überzeugen. Über die 100%ige Apple-Tochter FileMaker bietet der Computerhersteller aber auch Datenbanksoftware an.

Apple bietet nicht nur Computer und Laptops an, sondern mit dem iPod auch einen tragbaren Musik-Player, mit dem der PC-Hersteller innerhalb kurzer Zeit zum Marktführer wurde. Der inzwischen weltweit verfügbare Musik-Download-Service iTunes gilt als der bisher erfolgreichste legale Online-Musikdienst. So wurden seit Beginn des Dienstes bereits über acht Mrd. Musik-Songs aus dem Netz geladen.

Neben verschiedenen Softwareanwendungen für den Mac, setzt das Unternehmen aber auch auf eine leistungsstarke Hardware und auf ein eigenes Betriebssystem (Mac OS X). Mit der Ankündigung, künftig auch Intel-Chips in seinen Systemen verbauen zu wollen, sorgte Apple im Jahr 2006 für Aufsehen in der Branche. Anfang 2007 stieg Apple mit dem iPhone auch in den Mobilfunkmarkt ein. Mitte 2008 folgte mit dem iPhone 3G ein Nachfolger mit GPS- und UMTS-Unterstützung. Mitte 2009 stellte Apple dann das schnellere iPhone 3GS vor, Mitte 2010 folgte mit dem iPhone 4 der noch schnellere Nachfolger, der vor allem mit einem hochauflösenden Display (Retina) glänzt. Anfang 2010 stellte Apple mit dem iPad einen neuartigen Tablet PC vor, im Frühjahr 2011 brachte Apple mit dem iPad 2 den Nachfolger seines ersten Erfolgsmodells auf den Markt.

Gleichzeitig präsentierte man mit Apple TV eine neue set-top Box für das Wohnzimmer. Mit dem iPod Touch präsentierte Apple zudem einen neuen portablen Media-Player mit einem Touchscreen-Display. Anfang 2008 stellte Apple mit dem MacBook Air den damals weltweit dünnsten Notebook-PC vor. Im Dezember 2009 kaufte Apple den digitalen Musikservice Lala auf.

Zahlen

Der Apple-Umsatz stieg im vergangenen Juniquartal um 82 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 28,57 Mrd. US-Dollar. Der Nettogewinn kletterte um 125 Prozent auf 7,3 Mrd. US-Dollar oder 7,79 US-Dollar.

Mit den vorgelegten Zahlen übertraf Apple (Nasdaq: AAPL, WKN: 865985) einmal mehr die Markterwartungen der Wall Street deutlich. Analysten hatten im Vorfeld im Schnitt mit Einnahmen von 25 Mrd. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von 5,85 Dollar je Aktie gerechnet.

Die Bruttomargen kletterten auf 41,7 Prozent und übertrafen damit ebenfalls die Markterwartungen der Wall Street (39 Prozent). Hintergrund war ein höherer Anteil des iPhone-Geschäfts am Gesamtumsatz.

Apple gelang es im jüngsten Quartal 20,34 Millionen iPhones abzusetzen, was einem Zuwachs von 142 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Zudem konnte Apple auch 9,25 Millionen iPad Tablet PCs verkaufen, ein Zuwachs von 183 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Daneben wurden 3,95 Millionen Macintosh-Rechner abgesetzt, womit die Verkaufszahlen um 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr zulegten. Der iPod-Absatz ging dagegen merklich zurück. Mit 7,54 Millionen iPods verkaufte Apple 20 Prozent weniger Musik-Player als im Jahr vorher.

Meldung gespeichert unter: Apple

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