AOL meldet sich zurück - HuffPost soll zum Streaming-Netz umgebaut werden

Freitag, 3. Februar 2012 13:45
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(IT-Times) - Das Internet-Portal AOL hat zwar im vergangenen vierten Quartal einen Gewinneinbruch von 66 Prozent hinnehmen, dennoch präsentierten sich AOL-Aktien zuletzt deutlich fester und legten in den vergangenen Tagen um mehr als 15 Prozent zu.

Analysten und Marktbeobachter glauben, dass AOL (NYSE: AOL, WKN: A0YECX) möglicherweise die Trendwende eingeleitet hat. Zum einen schrumpfte der AOL-Umsatz in 2011 nur noch um neun Prozent - der niedrigste Rückgang seit fünf Jahren - zum anderen zogen die Online-Werbeerlöse um zehn Prozent auf 364 Mio. Dollar an.

HuffPost soll zum Live-Streaming-Netz avancieren
AOL hatte in den vergangenen Jahren stark investiert, um sein Inhaltsangebot auszubauen. So wurde nicht das lokale Newsnetzwerk Patch aufgekauft, sondern auch die News- und Politikplattform Huffington Post. Nunmehr will AOL die übernommene Huffington Post zum Internet-TV-Netz umbauen, nachdem die Online-Seite inzwischen auch nach Europa (England, Frankreich) expandiert ist.

HSPN soll 12 Stunden am Tag Live-Inhalte ins Internet streamen, wobei HuffPost Editor Roy Sekoff das neue Sendernetz leiten soll. AOL will für die Inhalteproduktion der neuen Streaming-Plattform 100 Mitarbeiter abstellen. Sekoff spricht dabei von einer "nie endenden Talk-Show" im Internet. Wie viel Geld AOL im Detail in das neue Projekt investieren will, wollte das Internet-Portal nicht verraten. Jedoch spricht man bei AOL von einem "Game-Changer" und substantiellen Investitionen, welche die Zukunft von AOL maßgeblich mitprägen sollen.

HSPN auch auf Roku, Boxee und Google TV
Laut AOL wird das neue Streaming-Netzwerk auf verschiedenen Media-Plattformen wie Roku, Boxee, Google TV und für die PlayStation zur Verfügung stehen. Das Streaming-Netz HSPN soll im Frühsommer 2012 an den Start gehen und rund 30.000 On-Demand-Clips anbieten. Für AOL-Chef Tim Armstrong macht der Vorstoß durchaus Sinn. Der Manager verweist dabei auf HuffPost-Artikel - in 70 Prozent der Artikel sind bereits integrierte Videos zu finden, merkt der Manager an.

Erste Patch-Seiten sind bereits profitabel
Auch die übernommene Patch scheint auf den richtigen Weg. Einige lokale Patch-Ausgaben seien bereits profitabel, versichert der AOL-Chef. AOL hat inzwischen die 863 einzelnen lokalen Patch-Seiten in 30 Cluster gebündelt, wodurch die Ressourcen besser genutzt und Werbung effektiver vermarktet werden soll. Zwar beendete AOL das Jahr 2011 mit der gleichen Patch-Anzahl wie im Oktober, allerdings hat AOL gleichzeitig neue Patch-Seiten in anderen Städten gestartet, wobei andere Patch-Seiten in nahe gelegenen Städten konsolidiert wurden.

Kurzportrait

Die in New York ansässige AOL wurde im Dezember 2009 wieder als eigenständiges Unternehmen ausgegliedert, nachdem AOL vor gut einem Jahrzehnt von Time Warner im Rahmen einer Milliardentransaktion übernommen wurde.

Heute präsentiert sich AOL nicht nur als Internetzugangsanbieter, sondern in erster Linie als Portal-Betreiber. AOL operiert heute im Wesentlichen aus zwei Kerngeschäftsbereichen heraus: AOL Properties und Third Party Network. Unter AOL Properties ist das Geschäft mit eigenen Web-Portalen zusammengefasst, während unter Third Party Network das Geschäft mit Advertising.com, goviral A/S (goviral) und 5 Minutes beheimatet ist. Unter AOL Advertising vermarktet das Unternehmen nicht nur Drittseiten, sondern auch seine eigenen Angebote unter dem Dach von AOL Media.

AOL Media fungiert dabei als Online-Publisher und betreibt unter anderem die Hauptseite AOL.com. Darüber hinaus lizenziert AOL Media auch Content an Drittanbieter, wobei daneben auch die Seiten Asylum.com, Engadget.com, TechCrunch.com, DailyFinance, FanHouse, PoliticsDaily, Games.com, Moviefone und WalletPop.com betrieben werden.

Daneben betreibt AOL auch den Online-Kartenservice MapQuest, der gleichzeitig auch als Routen- und Stadtplaner dient. In diesem Zusammenhang betreibt AOL unter anderem die Dienste AOL City Guide, Going.com und When.com.

Ergänzt wird das Angebot durch Email-Service AOL Mail in den USA. Neben der Vermarktung von Drittanbieterwebseiten geniert AOL auch Umsätze durch Lizenz- und Abogebühren für kostenpflichtige Inhalte und Services. Über die AOL-Tochter Adtech AG lizenziert das Unternehmen Online-Werbetechnik an Drittunternehmen.

In den vergangenen Jahren verstärkte sich AOL durch eine ganze Reihe von Zukäufen. Anfang 2006 kaufte AOL den Videosuchdienst Truveo und Games.com. Anschließend übernahm AOL den Video-Werbespezialisten Lightningcast und das Online-Spielemagazin GameDaily.com. Anfang 2007 verstärkte sich AOL durch die Übernahme von TradeDoubler. Gleichzeitig wurden mit ThirdScreen Media und Adtech AG zwei Werbespezialisten übernommen. Im Frühjahr 2008 kaufte AOL den britischen Social-Networking-Spezialisten Bebo sowie die Bloging-Engine Sphere und Socialthing. Mitte 2009 verstärkte sich AOL durch die Übernahme von Patch Media (Patch.com), später wurde durch Patch.com das Newnetz Outside.in geschluckt.

Im Jahr 2010 wurde sowohl Bebo als auch das Instant-Messaging-Geschäft ICQ wieder abgestoßen. Gleichzeitig verstärkte sich AOL durch die Übernahmen von 5min, Thing Labs (Brizzly), TechCrunch, Pictela und About.me. Ende 2010 trennte sich AOL zudem von seinem Investment in Kayak Software Corporation. Anfang 2011 wurde der Content-Empfehlungsdienst Surphace (Sphere) wieder verkauft, gleichzeitig wurde das Videovertriebsnetz goviral übernommen. Im März kaufte AOL die Newsplattform "Huffington Post" für 315 Mio. Dollar.

Zahlen

Für das vergangene Dezemberquartal meldet AOL einen Umsatzrückgang um drei Prozent auf 576,8 Mio. US-Dollar. Beim Gewinn musste AOL einen Einbruch um 66 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 22,8 Mio. Dollar oder 23 US-Cent je Aktie hinnehmen, nach einem Profit von 66,2 Mio. Dollar oder 61 US-Cent je Aktie in der Vorjahresperiode. Analysten hatten im Vorfeld mit Einnahmen von 573,1 Mio. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von 17 US-Cent je Aktie gerechnet.

Meldung gespeichert unter: AOL

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