Ameritrade setzt auf Zukäufe in der Krise

Mittwoch, 21. Januar 2009 12:44
TD Ameritrade Holding

(IT-Times) Der amerikanische Online-Broker TD Ameritrade Holding (Nasdaq: AMTD, WKN: 724587) trotzt bislang dem Branchentrend. Nachdem das Unternehmen mehr Handelsaufträge abwickelte, fiel der Gewinnrückgang bei Amerikas führenden Online-Broker niedriger als erwartet aus.

Trotz Rezession wickelte das Unternehmen im jüngsten Quartal durchschnittlich 357.000 Aufträge pro Tag ab, ein Zuwachs von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig wurden 217.000 neue Kundenkonten eröffnet, womit Ameritrade in diesem Zusammenhang das beste Quartal seit neun Jahren verzeichnete.

Dabei profitierte Ameritrade nicht nur von seiner offensichtlich erfolgreichen Werbe- und Marketingkampagne, sondern auch von Problemen der Konkurrenz. Der Rivale E*Trade Financial liegt am Boden und kämpft mit Liquiditätsproblemen, nachdem das Unternehmen im Septemberquartal tiefer in die roten Zahlen gerutscht war.

Marktbeobachter glauben dennoch, dass sich auch Ameritrade den Abwärtstrend nicht gänzlich entziehen wird können. Die Gewinne dürften im laufenden Fiskaljahr niedriger ausfallen als in 2008. Chartered Financial Analyst Eugene Bukoveczky rechnet nicht mit einer Trendwende vor dem Jahr 2010. Vielmehr könnten die Handelsaufträge für Online-Broker in diesem Jahr um bis zu 35 Prozent einbrechen, meint der Investorpedia-Kolumnist.

Ameritrade verstärkt sich in der Krise
Um sich für die Zeit nach der Krise zu rüsten, hat Ameritrade zu Jahresbeginn die Übernahme des Online-Brokers thinkorswim angekündigt. 606 Mio. Dollar lässt sich Ameritrade die Übernahme des schnell wachsenden Online-Brokers kosten. Durch den Deal gewinnt Ameritrade nicht nur 87.000 Konten hinzu, sondern auch ein Stück künftiges Gewinnwachstum.

Bei Ameritrade geht man von einem Nettogewinnbeitrag von 67 Mio. Dollar aus. Dabei sind Effizienz- und Synergieeffekte bezüglich Kosteneinsparungen noch gar nicht eingerechnet. Diese beziffert das Unternehmen auf weitere 55 Mio. Dollar. Insgesamt soll der Zukauf den Gewinn im Fiskaljahr 2010 um drei bis sieben Prozent erhöhen. Ein Jahr nach der Integration des Deals rechnet der Online-Broker mit einer Gewinnverbesserung um zehn bis 15 Prozent.

Ameritrade macht keinen Hehl daraus an der bisherigen Strategie weiter festhalten zu wollen. Daraus lassen sich wie in der Vergangenheit auch weitere Zukäufe ableiten. Ob damit auch die Übernahme des angeschlagenen Konkurrenten E*Trade wieder näher rückt, bleibt allerdings abzuwarten…

Kurzportrait

Die in Omaha/Nevada ansässige TD Ameritrade kann auf eine 30-jährige Broker-Geschichte zurückblicken. Das Unternehmen bietet seit jeher für private als auch für institutionelle Anleger Investment-Services an. Heute tritt TD Ameritrade als klassischer Online-Broker auf und bietet neben einer Internet-Plattform auch traditionelles Brokerage an, wonach Kunden ihre Aufträge auch mit Hilfe des Telefons und Fax weitergeben können.

Im Hinblick auf die Firmenstruktur ist TD Ameritrade in zwei verschiedene Geschäftsbereiche unterteilt. Das Privatkundengeschäft umfasst die Einheiten Ameritrade Plus und Ameritrade Pro. Der Bereich Ameritrade Plus ist vielmehr aus der Akquisition von National Discount Broker (NDB Group) und dessen Web-Plattform ndb.com hervorgegangen. Ameritrade Plus ist die Antwort auf gut informierte Kunden, welche ihre Wertpapiergeschäfte in Eigenregie erledigen wollen, aber nicht als Day-Trader gelten. Ameritrade Pro ist dagegen auf die lukrativen Day-Trader zugeschnitten, welche dem Unternehmen in der Regel den meisten Umsatz in Form von Gebühren und Provisionen einbringen.

Im institutionellen Bereich bietet Ameritrade ebenfalls verschiedene Services an. Dazu gehören die Geschäftsbereiche Ameritrade Clearing, Ameritrade Corporate Services, Ameritrade Advisor Services und Ameritrade Financial Services. Der Geschäftsbereich Ameritrade Clearing beinhaltet das traditionelle Geschäft mit professionellen Wertpapierhändlern, während das Angebot Ameritrade Corporate speziell auf Firmenkunden zugeschnitten ist. Ameritrade Advisor richtet sich an unabhängige Vermögensberater, wobei Ameritrade Financial Services Firmen die Möglichkeit bietet in Kooperation mit dem Unternehmen selbst eine Online-Handelsplattform zu entwickeln.

Aktuell betreut TD Ameritrade mehr als sechs Mio. Kunden. Nach der Übernahme des Konkurrenten Datek Online im September 2002 für mehr als 700 Mio. US-Dollar, kaufte Ameritrade im Juni 2003 die Tochter der SWS Group mydiscountbroker.com für rund fünf Mio. Dollar. Anfang Oktober 2003 folgte dann schließlich die Übernahme von BrokerageAmerica. Später kaufte TD Ameritrade den Broker Bidwell & Co für rund 55 Mio. Dollar. Im Oktober 2004 übernahm TD Ameritrade 45.000 Kundenkonten von JB Oxford & Company. Im Jahr 2005 übernahm der Online-Broker schließlich die amerikanischen Operationen des Rivalen TD Waterhouse für 2,9 Mrd. Dollar, wodurch auch der neue Firmenname TD Ameritrade entstand. Anfang 2009 gab TD Ameritrade dann die Übernahme des Online-Brokers thinkorswim bekannt.

Zahlen

Für das zurückliegende erste Fiskalquartal 2009 meldete TD Ameritrade einen Umsatz von 610,7 Mio. US-Dollar. Der Nettogewinn schrumpfte dabei um 23 Prozent auf 184,4 Mio. Dollar oder 31 US-Cent je Aktie, nach einem Plus von 240,8 Mio. Dollar oder 40 US-Cent je Aktie im Jahr vorher.

Meldung gespeichert unter: TD Ameritrade Holding

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