Amazon profitiert vom steigenden Benzinpreis

Montag, 28. Juli 2008 13:04
Amazon Unternehmenslogo

(IT-Times) Beim weltgrößten Online-Einzelhändler Amazon.com (Nasdaq: AMZN, WKN: 906866) läuft es weiter rund. Das Unternehmen hat seinen Umsatz und Gewinn abermals deutlich steigern und die Markterwartungen übertreffen können. Zudem bleibt der Online-Händler weiter zuversichtlich und hob seine Umsatzprognose für das laufende Jahr an.

Hoher Benzinpreis beflügelt Amazon Prime
Geholfen hat dem Unternehmen im jüngsten Quartal unter anderem die starke Nachfrage nach Elektronikartikeln. Das Segment General Merchandise und Electronic verzeichnete einen Umsatzsprung von 58 Prozent. Zudem profitierte Amazon offenbar von den hohen Benzinpreisen in den USA, wie Amazon-Gründer Jeff Bezos meint. Nachdem die Fahrt zum nächsten Laden den Geldbeutel bei entsprechender Entfernung schon mit ein paar Dollar belastet, entdecken immer mehr Kunden den kostenlosen Lieferservice Amazon Prime. Für einen Jahresbeitrag von 79 US-Dollar im Jahr (Deutschland 29 Euro), schickt Amazon.com die bestellte Ware kostenlos ins Haus. Damit kostet die Amazon Prime Mitgliedschaft weniger als eine Tankfüllung, rührt Amazon-Chef Bezos die Werbetrommel für seinen Versand-Service.

Allerdings hat das Serviceangebot auch seine Schattenseiten. Während Amazon.com für den Transport seiner Produkte an seine Kunden wegen der steigenden Ölpreise tiefer in die Tasche greifen muss, bleiben die Kosten für den Kunden gleich. So kletterten die Nettofrachtkosten für Amazon dann auch von 75 Mio. Dollar im Vorjahr auf nunmehr 128 Mio. Dollar im jüngsten Quartal. Die Bruttomarge in Nordamerika schrumpfte dabei um 129 Basispunkte auf 25,8 Prozent vom Umsatz.

Bei Amazon sieht man diese Entwicklung gelassen, denn bislang bleibt unter dem Strich durch eine größere Anzahl von Bestellungen mehr übrig, als die Mehrkosten für Amazon Prime belasten. Zudem kann das Unternehmen damit neue Kunden anlocken, die möglicherweise dann auch andere Amazon-Services, wie den Online-Zahlungsdienst Amazon Flexible Payments Service (Amazon FPS) einmal nutzen werden…

Kurzportrait

Die in Seattle ansässige Amazon.com öffnete seine virtuellen Einkaufstüren im Jahre 1995. Als Online-Buchhändler an den Start gegangen, entwickelte sich das Unternehmen in den letzten Jahren zu einem universellen Online-Kaufhaus, das nicht nur Bücher, sondern auch Musik-CDs, Videos, DVDs, Spielzeug, Computerspiele, Elektrogeräte, Küchenzubehör, Lebensmittel (Amazon Fresh) und vieles mehr anbietet. Nach eigenen Angaben nach, bietet Amazon.com damit das weltweit größte Produktangebot im weltweiten Datennetz. Insgesamt ist das Internet-Unternehmen in mehr als 220 Ländern weltweit aktiv und betreut über 81 Millionen Kunden.

Neben dem eigentlichen Online-Produktangebot, bietet Amazon.com aber auch Auktionen und E-Commerce Plattformen (zShops) für Geschäftskunden an. Inzwischen können auch gebrauchte Produkte über die Internet-Plattform von Amazon.com verkauft werden.

Daneben hält der Online-Händler noch zahlreiche Beteiligungen an anderen Internet-Unternehmen. Über die Einheit Amazon.com Anywhere will das Unternehmen den Markt für den mobilen E-Commerce erschließen. Wenn es nach Amazon.com geht, sollen Kunden in naher Zukunft mit Hilfe des Mobiltelefons ihre Einkäufe erledigen können. Zuletzt konnte das Unternehmen mit Preisnachlässen und einem kostenlosen Lieferservice (Amazon Prime) bei den Kunden punkten.

Neben den USA ist das Unternehmen vor allem aber auch in Europa verstärkt aktiv. Niederlassungen in Asien und in Lateinamerika ergänzen den globalen Auftritt des weltweit führenden Online-Händlers. Nachdem Amazon.com in den Jahren 1999 mit Exchange.com, Accept.com und Alexa Internet einen dreistelligen Millionenbetrag für Zukäufe ausgab, stieg das Unternehmen in 2004 mit seiner Suchmaschine A9.com in den Markt für bezahlte Links ein. Mitte 2005 übernahm Amazon.com den DVD-Spezialisten CustomFlix Labs. Die Amazon-Tochter bietet erfolgreich DVD on Demand-Dienste an. Zugleich wurde der On-Demand-Spezialist BookSurge aufgekauft. In 2006 übernahm Amazon.com den US-Händler Shopbob. Im Frühjahr 2007 schluckte Amazon.com die englische Fotoseite dpreview.com Ende 2007 brachte Amazon seinen eBook-Reader Amazon Kindle auf den Markt und startete gleichzeitig die Frage- und Antwortseite Askville.com.

Mit seinem Online-Buchshop Yoyo.com ist Amazon.com auch in China präsent. Durch eine Kooperation mit dem DVR-Spezialisten TiVo können Amazon-Kunden Filme über die Amazon-Seiten (Amazon Unbox) herunterladen und auf dem Fernseher abspielen.

Der visionäre Unternehmensgründer Jeff Bezos, welcher gleichzeitig als CEO der Gesellschaft fungiert, hält zusammen mit seiner Familie etwa ein Drittel der Anteile am Unternehmen.

Zahlen

Für das jüngste Quartal meldet Amazon.com einen Umsatzanstieg um 41 Prozent auf 4,06 Mrd. Dollar. Das Nordamerika-Geschäft legte dabei um stolze 35 Prozent zu. Die Zahl der aktiven Kunden kletterte um 18 Prozent auf 81 Mio. Mitglieder.

Insgesamt konnte Amazon.com einen Nettogewinn von 158 Mio. Dollar oder 37 US-Cent je Aktie realisieren, nach einem Plus von 78 Mio. Dollar oder 19 US-Cent je Aktie im Jahr vorher. Mit den vorgelegen Zahlen konnte Amazon.com die Markterwartungen übertreffen. Analysten hatten im Vorfeld nur mit Einnahmen von 3,96 Mrd. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von 26 US-Cent je Aktie kalkuliert.

Der Verkauf von Büchern, CDs und DVDs kletterte im jüngsten Quartal um 31 Prozent auf 2,41 Mrd. Dollar. Der Absatz im Bereich der Elektronikprodukte zog um 58 Prozent auf 1,53 Mrd. Dollar an. Allerdings kletterten auch die Lieferkosten von 75 auf 128 Mio. Dollar. Im Rahmen seines gebührenpflichtigen Lieferprogramms Amazon Prime und Fulfillment by Amazon verdiente Amazon 186 Mio. Dollar, nach Einnahmen von 152 Mio. Dollar im Jahr vorher. Trotz der gestiegenen Lieferkosten konnte Amazon.com seine operative Gewinnmarge weiter ausbauen und von 4,0 auf 5,3 Prozent steigern.

Meldung gespeichert unter: E-Commerce

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