Amazon.com profitiert vom Kindle-Boom

Montag, 12. Oktober 2009 13:41
Amazon Unternehmenslogo

(IT-Times) - Pünktlich zum bevorstehenden Weihnachtsgeschäft hat der Online-Einzelhändler Amazon.com (Nasdaq: AMZN, WKN: 906866) den Preis für seinen eBook-Reader Kindle gesenkt und zudem auch eine internationale Version seines elektronischen Lesegeräts angekündigt.

Obwohl Amazon.com weder Verkaufszahlen, noch Prognosen bezüglich des Kindles veröffentlicht, versuchen Analysten durch eigene Prognosen die möglichen Auswirkungen des Vorstoßes abzuschätzen. Bereits im Vorfeld äußerte sich Cowen-Analyst Jim Friedland optimistisch und rechnete bis vor kurzem noch mit 1,5 Mio. verkauften Lesegeräten bis Jahresende. Bis Ende 2010 könnten dann bereits drei Mio. aktive Kindle-Nutzer existieren, glaubt Friedland.

Amazon geht mit Preissenkung in die Offensive
Diese bereits optimistischen Annahmen könnten jedoch schon wieder überholt sein. Denn durch die Preissenkung um 40 auf 259 US-Dollar wird der Kindle auch für neue Käuferschichten interessant. Der Sprung in den Massenmarkt rückt damit in greifbare Nähe.

So glaubt auch Citibank-Analyst Mark Mahaney dass sich der Kindle im diesjährigen Weihnachtsgeschäft zu einem Verkaufshit entwickeln wird. Die Preissenkung habe die Chancen hierfür erhöht, meint Mahaney. Der Analyst hebt die Umsatzerwartungen im Zusammenhang mit dem Kindle daher von 550 auf 700 Mio. US-Dollar für das laufende Jahr an. Für das nachfolgende Jahr 2010 rechnet Mahaney gar mit Erlösen von 1,5 Mrd. US-Dollar in Verbindung mit dem eReader und verkauften eBooks.

Bei JPMorgan bewertet man die Ankündigung von Amazon positiv, auch eine internationale Version des Kindles auf den Markt bringen zu wollen. JPMorgan-Experte Imran Khan erachtet die Auswirkungen auf die Gewinnentwicklung als signifikant. Khan rechnet mit sechs Mio. verkauften Kindle-Geräten. Wenn jeder Kindle-Nutzer ein Abo abschließt und pro Monat ein Buch erwirbt, würde sich der Nettogewinn pro Aktie und Jahr um 0,40 US-Dollar erhöhen, rechnet der Analyst vor.

Amazon profitiert vom schwachen US-Dollar
Neben der Preissenkung könnte Amazon.com noch von einem weiteren Umstand profitieren. Da Amazon.com inzwischen 45 Prozent seiner Umsätze außerhalb Nordamerikas erwirtschaftet, profitiert der Online-Spezialist derzeit vom schwachen US-Dollar und der Stärke anderer Währungen. Allein im dritten Quartal könnte dieser Effekt für ein zusätzliches Umsatzplus von 33 Mio. US-Dollar sorgen, glauben die Analysten bei Jefferies & Co…

Kurzportrait

Die in Seattle ansässige Amazon.com öffnete seine virtuellen Einkaufstüren im Jahre 1995. Als Online-Buchhändler an den Start gegangen, entwickelte sich das Unternehmen in den letzten Jahren zu einem universellen Online-Kaufhaus, das nicht nur Bücher, sondern auch Musik-CDs, Videos, DVDs, Spielzeug, Computerspiele, Elektrogeräte, Küchenzubehör, Lebensmittel (Amazon Fresh) und vieles mehr anbietet. Nach eigenen Angaben nach bietet Amazon.com damit das weltweit größte Produktangebot im weltweiten Datennetz. Insgesamt ist das Internet-Unternehmen in mehr als 220 Ländern weltweit aktiv und betreut über 80 Millionen Kunden.

Neben dem eigentlichen Online-Produktangebot, bietet Amazon.com aber auch Auktionen und E-Commerce Plattformen (zShops) für Geschäftskunden an. Inzwischen können auch gebrauchte Produkte über die Internet-Plattform von Amazon.com verkauft werden.

Daneben hält der Online-Händler noch zahlreiche Beteiligungen an anderen Internet-Unternehmen. Über die Einheit Amazon.com Anywhere will das Unternehmen den Markt für den mobilen E-Commerce erschließen. Wenn es nach Amazon.com geht, sollen Kunden in naher Zukunft mit Hilfe des Mobiltelefons ihre Einkäufe erledigen können. Zuletzt konnte das Unternehmen mit Preisnachlässen und seinem Flate-Rate-Lieferservice (Amazon Prime) bei den Kunden punkten.

Neben den USA ist das Unternehmen vor allem aber auch in Europa verstärkt aktiv. Niederlassungen in Asien und in Lateinamerika ergänzen den globalen Auftritt des weltweit führenden Online-Händlers. Nachdem Amazon.com in den Jahren 1999 mit Exchange.com, Accept.com und Alexa Internet einen dreistelligen Millionenbetrag für Zukäufe ausgab, stieg das Unternehmen in 2004 mit seiner Suchmaschine A9.com in den Markt für bezahlte Links ein. Mitte 2005 übernahm Amazon.com den DVD-Spezialisten CustomFlix Labs. Die Amazon-Tochter bietet erfolgreich DVD on Demand-Dienste an. Zugleich wurde der On-Demand-Spezialist BookSurge aufgekauft. In 2006 übernahm Amazon.com den US-Händler Shopbob. Im Frühjahr 2007 schluckte Amazon.com die englische Fotoseite dpreview.com Ende 2007 brachte Amazon seinen eBook-Reader Amazon Kindle auf den Markt und startete gleichzeitig die Frage- und Antwortseite Askville.com. Mit Audible, Shelfari, AbeBooks.com, Withoutabox, Fabric.com und dem Spielespezialisten Reflexive wurden in 2008 weitere Zukäufe getätigt. Nach der Übernahme von SnapTell, übernahm Amazon.com Mitte 2009 den Online-Schuhhändler Zappos.com. Zudem kündigte Amazon.com mit AmazonBasics eigene Produktlinie an.

Mit seinem Online-Buchshop Yoyo.com ist Amazon.com auch in China präsent. Durch eine Kooperation mit dem DVR-Spezialisten TiVo können Amazon-Kunden Filme über die Amazon-Seiten (Amazon Unbox) herunterladen und auf dem Fernseher abspielen.

Der visionäre Unternehmensgründer Jeff Bezos, welcher gleichzeitig als CEO der Gesellschaft fungiert, hält zusammen mit seiner Familie etwa ein Drittel der Anteile am Unternehmen.

Zahlen

Für das vergangene Juniquartal meldet Amazon.com einen Umsatzanstieg um 14 Prozent auf 4,65 Mrd. Dollar, nach Einnahmen von 4,06 Mrd. Dollar im Jahr vorher. Der Gewinn schrumpfte dabei um zehn Prozent auf 142 Mio. Dollar oder 32 US-Cent je Aktie, nach einem Plus von 158 Mio. Dollar oder 37 US-Cent je Aktie im Jahr vorher. Die jüngsten Zahlen beinhalten Belastungen in Höhe von 51 Mio. Dollar im Zusammenhang mit einem Rechtsstreit mit dem Spielzeughersteller Toys R Us. Analysten hatten im Vorfeld bei Amazon.com mit Einnahmen von 4,69 Mrd. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von 32 US-Cent je Aktie gerechnet.

Das Geschäft mit dem Verkauf von CDs und DVDs zog um ein Prozent auf 2,44 Mrd. Dollar an, während das Geschäft mit Elektronik- und Merchandise-Produkten um 35 Prozent auf 2,07 Mrd. Dollar stieg. Das Geschäft in Nordamerika zog um 13 Prozent an, während das Auslandsgeschäft um 16 Prozent zulegte.

Die Umsätze aus dem Lieferantenprogramm Amazon Prime stagnierten bei 185 Mio. Dollar. Die Nettolieferkosten von Amazon.com stiegen dagegen auf 147 Mio. Dollar, nach 128 Mio. Dollar im Jahr vorher.

Meldung gespeichert unter: Amazon Kindle

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