Alibaba: Mobile-Boom kanibalisiert Werbegeschäft - Finanz-Unit soll an die Börse

Chinas größter E-Commerce-Konzern enttäuscht mit Umsatzzahlen

Freitag, 30. Januar 2015 13:49
Alibaba Group - Alibaba.com Unternehmenslogo

(IT-Times) - Schock für China-Anleger. Chinas größter E-Commerce-Konzern Alibaba Group hat im jüngsten Quartal die Umsatzerwartungen deutlich verfehlt. Unter hohen Umsätzen brach der Alibaba-Kurs an der Wall Street um knapp neun Prozent ein.

Viele Anleger fragen nach den Ursachen für das langsamere Umsatzwachstum, das bei etwa 40 Prozent lag. Hierfür gibt es gleich mehrere Gründe. Neben dem langsameren Wirtschaftswachstum in China, dürfte vor allem die steigende Zahl der Mobile-Shopper dazu geführt haben, dass Alibaba (NYSE: BABA, WKN: A117ME) im jüngsten Quartal die Umsatzerwartungen so deutlich verfehlte.

Mobile-Boom bremst Werbegeschäft aus
Im jüngsten Quartal verzeichnete Alibaba 265 Millionen Mobile-Nutzer, ein Zuwachs von 95 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im jüngsten Quartal setzte Alibaba mehr als 1,0 Mrd. US-Dollar über mobile Endgeräte um. Was zunächst positiv klingt, hat aber auch Nachteile. Durch den Mobile-Boom wurde das Werbegeschäft von Alibaba beeinträchtigt. Durch die kleineren Displays sind die Werbepreise viel niedriger als bei Desktop-Werbung.

Das Problem: Im Gegensatz zu Amazon.com erzielt Alibaba den Großteil des Umsatzes über Consumer-to-Consumer Marktplätze wie Taobao. Haupteinnahmequelle sind hier Werbung und Marketing-Services, ähnlich wie dies bei Google und Facebook der Fall ist.

Allerdings beträgt die Monetarisierungsrate im Mobile-Bereich derzeit weniger als 2,0 Prozent (!), obwohl das Mobile-Commerce-Geschäft 42 Prozent des gesamten Transaktionsvolumens ausmacht.

Fake-Produkte beschädigten Reputation
Hinzu kommen hausgemachte Probleme. Die chinesische State Administration for Industry and Commerce (SAIC) warf dem Unternehmen vor, nicht hart genug gegen Anbieter von gefälschten Produkten auf den Alibaba-Seiten vorzugehen. Geschäfte sollen Online-Shops auf Alibaba-Plattformen betrieben haben, ohne eine entsprechende Lizenz besäßen zu haben. Dadurch gerieten gefälschte Weine und Handtaschen von populären Marken im Umlauf, so der Vorwurf.

Alibaba Vice Chairman Joseph Tsai weist die Vorwürfe im Conference Call zurück. Man würde demnächst 300 neue Mitarbeiter einstellen, um das Überprüfungs-Team, das bereits aus tausenden Mitarbeitern besteht, zu verstärken. Diese durchsuchen E-Commerce-Seiten von Alibaba nach gefälschter Ware. Alibaba wird hier seine Anstrengungen noch weiter verstärken müssen, was steigende Kosten bedeutet.

Finanzarm soll in 2016 an die Börse
Es gibt aber auch positive Nachrichten für die Alibaba-Anleger. Die Finanzsparte des Unternehmens, Ant Financial, soll im nächsten Jahr an die Börse geführt werden, wie Bloomberg berichtet.

Der Wert der Sparte, in das unter anderem das Geschäft mit Alipay zusammengefasst ist, wird auf 50 Mrd. Dollar taxiert. Durch ein IPO könnte sich die Sparte weiterentwickeln und neue Online-Finanzprodukte auf den Markt bringen. Zudem wäre eine weitere Expansion denkbar.

Ant Financial ist bereits in den USA und Russland aktiv, wobei Alipay zuletzt über 18 Millionen aktive Nutzer in mehr als 100 Ländern verzeichnete. Bei einem erfolgreichen Börsengang könnte der Wert von Ant Financial den aktuellen Wert von 50 Mrd. Dollar deutlich übersteigen, glauben Analysten. Dies wäre auch ein Grund zur Freude für Alibaba-Anleger.

Kurzportrait

Die im chinesischen Hangzhou ansässige Alibaba Group wurde im Jahr 1999 von Jack Ma und Joe Tsai gegründet. Mit rund 24.000 Mitarbeitern betreut Alibaba mehr als 300 Mio. Kunden und gilt mit einem Marktanteil von 80% als Chinas größter E-Commerce-Konzern. Über die Handelsplattform von Alibaba wurden zuletzt Produkte und Waren im Wert von 270 Mrd. US-Dollar gehandelt. Daneben verzeichnet Alibaba bereits 163 Mio. Mobile-Nutzer.

Mit Taobao.com betreibt Alibaba einen führenden Online-Marktplatz für Konsumenten. Die Produkte werden hier allerdings nicht versteigert, sondern zu Fixpreisen angeboten. Tmall ist ein Online-Kaufhaus, über das auch große US-Unternehmen ihre Produkte verkaufen.

Mit Alipay betreibt das Unternehmen ein eigenes Online-Zahlungssystem, das mit PayPal vergleichbar ist. Zudem betreibt Alibaba mit 1688.com ein Großhandelsportal und mit Juhuasuan die größte Daily Deal Seite in China. Zudem gehören die B2B-Plattform Alibaba.com, sowie AliExpress und eTao und die Cloud Computing Plattform Aliyun zum Unternehmen. China Yahoo, Alimama und Chinavision sind ebenfalls Teil des Alibaba-Konzerns.

Alibaba hält 32 Prozent der Anteile an Weibo, Chinas führender Microblogging-Plattform. Darüber hinaus ist Alibaba mit 18,5 Prozent der Anteile an Chinas führender Online-Videoplattform Youku Tudou beteiligt. An Shoprunner hält Alibaba eine Beteiligung von 39 Prozent. Gemeinsam mit UC Web betreibt Alibaba die Mobile-Suchmaschine Shen Ma Search (m.sm.cn). Darüber hinaus hält Alibaba eine Beteiligung von 20 Prozent an dem amerikanischen Messaging-Service TangoMe.

Firmengründer Jack Ma hält weiterhin rund 7,7 Prozent der Anteile an der Alibaba Group. Die japanische Softbank ist noch mit 37 Prozent an Alibaba Group beteiligt, Yahoo hält nachdem Börsengang noch rund 16 Prozent.

Meldung gespeichert unter: E-Commerce

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