Akamai übt den Befreiungsschlag und kauft sich in die Cloud ein

Freitag, 23. Dezember 2011 13:45
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(IT-Times) - Der Aktienkurs des Content-Delivery-Networking-Spezialisten Akamai Technologies gehörte am Vortag mit einem Kursplus von 18,6 Prozent zu den Hauptgewinnern an der New Yorker Nasdaq.

Analysten loben Übernahme
Was war passiert? Das Unternehmen hatte den kleineren Rivalen, die israelische Cotendo für 268 Mio. Dollar übernommen - damit zahlte Akamai etwa das Sechsfache des zu erwartenden Jahresumsatzes von Cotendo für das nächste Jahr. Dennoch jubeln die Analysten an der Wall Street. Raymond James Experte Michael Turits bezeichnete den Coup als "einen sehr positiven Schritt" für das Unternehmen. Akamai steige damit in den Markt für Cloud- bzw. Anwendungsbeschleunigung stärker ein, einem Geschäft das schneller wächst und höhere Gewinnmargen abwirft, als das Kerngeschäft mit der Auslieferung von Videos über das Netz.

Dieses Geschäft entwickelte sich in den vergangenen Quartalen zu einem echten Problem für Akamai Technologies (Nasdaq: AKAM, WKN: 928906). Zwar werden täglich immer mehr Videos im Netz abgerufen, doch handelt es sich dabei meist um statische Inhalte, die sich nicht oder nur wenig verändern. Nachdem auch andere Firmen derartige Services anboten, kollabierten die Preise in diesem Marktsegment.

Für Akamai war diese Entwicklung negativ, erwirtschaftete man in der Vergangenheit etwa 40 Prozent in diesem Geschäftsfeld, schätzt man im Hause Pacific Crest Securities. Das Geschäft wuchs im vergangenen Quartal gerade einmal um vier Prozent.

Akamai verstärkt sich im Geschäft mit dynamischen Inhalten
Höhere Gewinnmargen wirft dagegen das Geschäft mit der Auslieferung von dynamischen Inhalten ab. Die Bereitstellung von Newsstreams und andere Website-Updates in Echtzeit erfordern technisch einen höheren Aufwand. Dieses Geschäft wuchs bei Akamai im jüngsten Quartal um 17 Prozent und steuerte bereits 60 Prozent des Umsatzes bei.

Mit der Übernahme von Cotendo soll dieser Bereich nunmehr noch weiter ausgebaut werden. Die im Jahre 2008 gegründet Cotendo galt in diesem Bereich als einer der stärksten Rivalen, konnte das Unternehmen dem großen Bruder aus Amerika zahlreiche Kunden abluchsen. Zuletzt betreute Cotendo bereits mehr als 400 Kunden. Das Cotendo-Angebot umfasst sowohl Beschleunigungsservices für Web-und Mobile-Anwendungen, als auch dynamische Web-Content-Lösungen, Image-Kompression und Performance-Monitoring. Zudem werden Echtzeit-Berichte und Analysen des Datenstroms über die Cloud-Anwendungsumgebung Cloudlet angeboten.

Industrieexperten wie Dan Rayburn halten daher Cotendo für innovativer, vor allem was die Markteinführung neuer, innovativer Produkte angeht. Durch den Zukauf hat sich Akamai also nicht nur Umsatz, sondern auch vor allem Innovativität ins Haus geholt.

Kurzportrait

Die im Jahre 1998 gegründete und in Cambridge ansässige Akamai Technologies betreibt heute mehr als 40.000 Server in 71 Ländern weltweit. Die Anfänge von Akamai gehen bis ins Jahr 1995 zurück, als Internet-Spezialisten und Wissenschaftler des MIT (Massachusetts Institute of Technology) einen mathematischen Algorithmus entwickelten, um dynamisches Routing von Inhalten über das World Wide Web zu beschleunigen, so dass sich die Web-Seiten im Browser des Internetnutzers schneller aufbauen.

Das Unternehmen gewann im Jahr 1999 sehr schnell neue Kunden für seinen Load-Balancing-Service. Darunter auch das Internet-Portal Yahoo! und den Softwarekonzern Microsoft. Inzwischen nutzen auch Apple, AOL, Audi, CNN, Apple, Ticketmaster, E*Trade, Nintendo, McAfee.com, Sony und IBM die Serviceleistungen von Akamai. Weltweit betreute das Unternehmen zuletzt mehr als 3.000 Firmenkunden mit seinem Angebot.

Neben dem traditionellen Content Delivery Network (CDN) rund um das Flagschiffprodukt EdgeSuite, bietet die Gesellschaft auch exklusive Video-Streaming-Dienste und Zusatzkapazitäten gegen Aufpreis an. Mit Akamai Stream OS hat das Unternehmen auch einen IP-basierten Anwendungsbeschleuniger im Angebot.

Um entsprechende Denial-of-Service-Attacken erfolgreich abzuwehren, schloss Akamai eine Allianz mit IBM, um entsprechende Services zu entwickeln. Im Frühjahr 2005 verstärkte sich das Unternehmen durch die Übernahme des Rivalen Speedera Networks. Ende 2006 schloss Akamai die Übernahme von Nine Systems ab. In 2007 kaufte Akamai den Anwendungsbeschleuniger Netli sowie den P2P-Spezialisten RedSwoosh. Im Herbst 2008 verstärkte sich Akamai durch die Übernahme des Online-Analysespezialisten aCerno. Mitte 2010 wurde die Übernahme von Velocitude LLC (Velocitude) abgeschlossen. Ende 2011 übernahm Akamai den israelischen Rivalen Cotendo.

Neben dem Stammhaus in Cambridge ist das Unternehmen mit Niederlassungen auch in Deutschland, Frankreich, Japan und Australien vertreten. Gleichzeitig unterhält Akamai zahlreiche Büros in den USA. Darunter in New York, Reston, San Mateo, Santa Monica, Dallas, Atlanta, Chicago und in Costa Mesa.

Zahlen

Meldung gespeichert unter: Cloud Computing

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